Große Nachfrage Hunderttausende kaufen 9-Euro-Ticket in ersten Stunden

Die Deutsche Bahn hat innerhalb weniger Stunden schon mehr als 200.000 9-Euro-Tickets verkauft. DB-Regio-Chef Jörg Sandvoß sagte, man erlebe gerade einen historisch großen Zugriff auf die Vertriebssysteme. Er versprach zugleich, die Bahn werde zum Start des Angebots im Juni buchstäblich alles in Bewegung setzen, was verfügbar sei. Auch in Mitteldeutschland ist der Verkauf der 9-Euro-Tickets gut angelaufen.

Neun-Euro-Ticket bei der HAVAG in Halle
Eine angehende Straßenbahnfahrerin bei der HAVAG in Halle zeigt das neue 9-Euro-Ticket. In den ersten Stunden nach Verkaufsstart war der Andrang auf das Ticket groß. Bildrechte: dpa

Die Nachfrage nach dem neuen bundesweiten 9-Euro-Ticket ist bislang riesig. In den ersten Stunden nach dem Verkaufsstart war die Website der Deutschen Bahn (DB) aufgrund der großen Nachfrage immer wieder überlastet. Dennoch seien allein bis zum Mittag über die digitalen Plattformen rund 200.000 der neuen Sondertickets verkauft worden, sagte der Chef der Bahn-Tochter DB Regio, Jörg Sandvoß.

"Historisch großer Zugriff" auf 9-Euro-Ticket

"Wir erleben gerade einen historisch großen Zugriff auf unsere Vertriebssysteme", sagte Sandvoß. Er habe "keinen blassen Schimmer", wie viele Fahrgäste insgesamt das Angebot nutzen werden, gab er zu. Das 9-Euro-Ticket sei ein "Experiment". Sandvoß mahnte angesichts des zu erwartenden Ansturms auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu "gegenseitigem Verständnis". 

Die Deutsche Bahn will über 50 zusätzliche Regionalzüge einsetzen, auch zusätzliches Personal kommt in Zügen und an Bahnhöfen zum Einsatz. Insgesamt sollen 60.000 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung stehen, wie Sandvoß sagte. "Wir bereiten uns vor und setzen buchstäblich alles in Bewegung, was wir haben – Züge, Busse, Servicekräfte." Begrenzt seien die zusätzlichen Kapazitäten letztlich durch die maximale Anzahl an verfügbaren Zügen, sagte Sandvoß.

Nachfrage auch in Mitteldeutschland groß

Auch Verkehrsverbünde in Mitteldeutschland meldeten eine starke Nachfrage. Im Altenburger Land etwa lief der Verkauf des 9-Euro-Tickets nach Angaben der Thüsac-Personennahverkehrsgesellschaft gut an. Viele Fahrgäste kauften das Ticket schon am frühen Montagmorgen, wie Geschäftsführerin Tatjana Bonert sagte. Ähnlich gut verkauften sich die Tickets nach Informationen von MDR THÜRINGEN etwa in Gotha und im Weimarer Land.

In Sachsen-Anhalt wurde das Ticket in den ersten Verkaufsstunden offenbar ebenfalls stark nachgefragt. Eine Sprecherin der Stadtwerke Halle berichtete von großem Zuspruch. Die Magdeburger Verkehrsbetriebe sprachen von einem "Mini-Ansturm" und Schlangen an den Fahrkartenautomaten. Von einem großen Andrang berichteten auch mehrere sächsische Verkehrsgesellschaften. "Bislang haben wir rund 15.000 Tickets verkauft", sagte ein Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe.

DB will 9-Euro-Ticket wissenschaftlich begleiten

Viele Fachleute gehen davon aus, dass das Ticket vor allem für den Freizeit-, Wochenend- und Ferienverkehr genutzt wird – mit hoher Auslastung auf touristischen Strecken. "Wir werden in den drei Monaten eine schlechtere Pünktlichkeit haben als wir sie davor hatten", warnte Bahnmanager Jörg Sandvoß. Die Mitnahme von Fahrrädern könne nicht immer garantiert werden. Um die Auswirkungen des 9-Euro-Tickets auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewerten, lässt die DB die Aktion wissenschaftlich begleiten.

Das Ticket gibt es für die Monate Juni, Juli und August. Für jeweils neun Euro pro Monat können Käuferinnen und Käufer dann beispielsweise Linienbusse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr beliebig oft nutzen – und zwar deutschlandweit. Das Ticket gilt auch für Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen sowie Fähren des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

AFP, dpa, MDR (jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Mai 2022 | 15:30 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland