Schadstoffbelastung Wie wird Nitrat im Grundwasser gemessen?

Die Nitratbelastung des Grundwassers in Deutschland ist ein Dauerstreitthema mit der Europäischen Kommission. Nach wie vor überschreiten die Nitratwerte in einigen Regionen den EU-Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter. MDR Aktuell-Hörer Dietrich Martin aus Chemnitz will wissen, wie die Nitratwerte gemessen werden und wie repräsentativ die Erhebungen sind.

Ein Mann misst den Grundwasserstand und liest dazu Daten wie z.B. die Ganglinie des Grundwassers aus
Nitratwerte werden anhand von Grundwasser-Proben gemessen. Bildrechte: dpa

An einem Grundwassermesspunkt an einem Feldrand in der Nähe von Wilsdruff lassen Mitarbeiter des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine Wasserpumpe auf ein Tiefe von 26 Meter herab. Wie Peter Börke, Referatsleiter Siedlungswasserwirtschaft und Grundwasser im Landesamt, erklärt, werden so Wasserinhaltsstoffe bestimmt, die Aussagen über die Grundwasserqualität ermöglichen. Dazu zählten Sulfat, Chlorid, Nitrat, Bor oder andere Stoffe, zum Beispiel Pflanzenschutzmittelrückstände, sagt Börke.

Messung vor allem an landwirtschaftlich genutzten Flächen

Eine Vorortuntersuchung erfolgt direkt im Fahrzeug. Für die genaue Bestimmung der Schadstoffbelastung werden Proben abgefüllt, die später in ein Labor in Nossen gebracht werden. Dass ausgerechnet hier an einem Feldrand gemessen wird, hat seinen Grund: "Dieser Standort ist ausgesucht worden, weil er sich eignet, um die Grundwasserbeschaffenheit aus landwirtschaftlichen Flächen zu untersuchen. Peter Börke erklärt, die Messstelle sei im letzten Jahr errichtet und in das Landesmessnetz Grundwasser eingeordnet worden.

Dazu gehören rund 600 Messstellen in ganz Sachsen. Doch nur die Werte von 36 Messstellen fließen in den sogenannten EU-Nitratbericht ein. In Thüringen sind es 54 Stück, in Sachsen-Anhalt 50 und in ganz Deutschland sind es 700. Dass nicht die Werte von allen Grundwassermessungen in den EU-Nitratbericht einfließen, habe mit den Auflagen aus Brüssel zu tun, erklärt Falk Hilliges vom Umweltbundesamt in Dessau. Die Nitratrichtlinie ist Falk Hilliges zufolge eine Richtlinie, die die Nitrateingänge aus landwirtschaftlicher Nutzung und in die Gewässer reduzieren soll:

Deutschland meldet nur Messstellen, die eindeutig unter landwirtschaftlicher Nutzung stehen.

Falk Hilliges Umweltbundesamt

Falk Hilliges sagt: "Deutschland meldet deshalb nur Messstellen im Grundwasserbereich, die unter klarer landwirtschaftlicher Nutzung stehen."

Womöglich unterschiedliche Messung in der EU

Doch nicht alle Mitgliedstaaten legten das so aus, sondern meldeten vielleicht auch Messstellen aus anderen Bereichen nach Brüssel, sagt Falk Hilliges: "Das führt an mancher Stelle dazu, dass a) das Messstellenkollektiv eventuell höher ist und b) sich vielleicht die Belastung noch etwas besser darstellt, als sie tatsächlich ist."

Hauptverursacher der Nitratbelastung ist die Landwirtschaft mit Viehhaltung und Düngung. Die EU mahnt Deutschland, die Qualität des Grundwassers zu verbessern. Der Grund ist, dass der Nitratgehalt den Schwellenwert von 50 Milligramm pro Liter seit Jahren an 27 Prozent der Messstellen übersteigt.

Warum ist zu viel Nitrat im Grundwasser ein Problem?

Nitrate im Grundwasser können insbesondere für Säuglinge gefährlich sein. Sie haben ein weniger saures Magenmilieu und damit eine andere Bakterienbesiedlung als ältere Kinder und Erwachsene. Dadurch kann Nitrat in Nitrit umgewandelt werden, welches wiederum die Sauerstoffaufnahme ins Blut negativ beeinflussten kann ("blue infant syndrome"). Nitrate sind wasserlösliche Salze der Salpetersäure. Sie werden unter anderem als Mineraldünger in der Landwirtschaft verwendet. Laut der EU-Grundwasserrichtlinie von 2006 gilt EU-weit ein Grenzwert von 50 mg Nitrat pro Liter, der nicht überschritten werden darf. Deutschland hat diesen Standard übernommen.

Umweltbundesamt: "Trend geht in die richtige Richtung"

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Falk Hilliges: "Wenn wir im Detail die Mittelwerte der einzelnen hochbelasteten Messstellen anschauen, sehen wir, dass wir über die Jahre insbesondere bei den Messstellen, die größer 50, aber auch mehr als 100 Milligramm pro Liter Nitrat im Grundwasser aufweisen, eine signifikante Abnahme des Gehalts haben." Der Trend gehe in die richtige Richtung, sagt Falk Hilliges, aber man sei noch lange nicht da, wo man hin müsse.

Die Probe aus der Messstelle bei Wilsdruff hat mittlerweile das Labor erreicht. Miriam Hegner, Leiterin des Fachbereichs Gewässergütelabore bei der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft, hat die Inhaltsstoffe der Probe gemessen. Das Ganze wird nach genau definierten Standards durchgeführt. Vor der Messung nehme man eine sogenannte Kalibrierung auf: "Das heißt, wir messen Proben oder Standards mit bekannten zertifizierten Konzentrationen und nehmen eine Kalibrierrate auf." Über diese Rate lasse sich die Konzentration der unbekannten Probe des Grundwassers aus Wilsdruff ermittel: "In diesem Fall beträgt Konzentration 50 Milligramm Nitrat pro Liter."

Damit liegt die Nitratbelastung des Grundwassers bei Wilsdruff noch im grünen Bereich des von der EU vorgeschriebenen Schwellenwertes.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2021 | 06:21 Uhr

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