In Sachsen gefunden Dank Klimawandel in Deutschland etabliert: die Nosferatu-Spinne

In der vergangenen Woche sorgte ein Fund in Leipzig für Schlagzeilen: Ein besonderer Achtbeiner wurde dort entdeckt - eine sogenannte Nosferatu-Spinne, die auch tatsächlich zubeißen kann. Mittlerweile werden bis zu 100 Tiere im Jahr in Deutschland gemeldet.

Tatsächlich haben manche Menschen Angst vor Spinnen, bei vielen anderen sind diese Achtbeiner einfach nur sehr unbeliebt – zu Unrecht allerdings, denn sie sind im Naturhaushalt ausgesprochen nützlich. Und auch, wenn sie nicht in der Natur, sondern in unseren Häusern unterwegs sind, betätigen sie sich als Jäger anderer unliebsamer Mitbewohner.

Giftwirkung wie ein Bienenstich

Dabei sind alle Spinnen giftig, die heimischen Arten für den Menschen allerdings ungefährlich, weil sie nicht in der Lage sind, einen Menschen zu beißen. Die Nosferatu-Spinne kann das aber, erklärt Robert Klesser, Spinnenexperte am Leipziger Naturkundemuseum.

Die Nosferatu-Spinne sei relativ groß im Vergleich zu heimischen Spinnen. Und sie beiße auch durch die menschliche Haut und erziele dabei eine kleine Giftwirkung, sagt Klesser. Die Giftwirkung sei "ungefähr auf dem Niveau eines Bienenstichs".

Allerdings lebt die Spinne heimlich und versteckt. Sie betrachtet den Menschen nicht als Opfer – allenfalls um sich zu verteidigen, würde sie zubeißen, wenn man sie beispielsweise in die Hand nimmt. Das haarige Wesen ist allerdings 1 bis 2 cm groß – mit Beinen bis zu 6 cm – man kann wohl annehmen, dass kaum jemand dieses Tier in die Hand nimmt, um sich beißen zu lassen.

Name wegen Film-Vampir

Aber warum heißt sie dann "Nosferatu"? Jeder denkt doch, dass sie blutrünstig zubeißt wie der Film-Vampir mit seinen spitzen Zähnen!

Der Spinnenexperte gibt Entwarnung: "Aber das ist nicht der Fall. Es ist so, dass sie ihren deutschen Namen bekommen hat, weil man mit viel Phantasie auf dem Prosoma, also auf dem Vorderkörper, das Gesicht des Nosferatu erkennen kann."

Dank Klimawandel auch in Deutschland vertreten

Die Nosferatu-Spinne ist im Mittelmeerraum zu Hause, kommt aber mit Hilfe des Menschen auch zu uns. Und dank Klimawandel kann sie sich hier auch halten, berichtet Klesser.

"Mittlerweile nehme ich im Jahr über 100 Fundmeldungen wahr", berichtet der Biologe. Die Dunkelziffer sei viel größer. "Die Experten sind sich relativ einig, dass die Spinne mittlerweile in menschlicher Nähe in Deutschland etabliert ist."

In Sachsen wurde die Nosferatu-Spinne jetzt aber zum ersten Mal nachgewiesen, gefunden in einem Keller in Leipzig. Nun lebt sie auf dem Schreibtisch von Robert Klesser im Naturkundemuseum, der sie mit Futter versorgt. "Im Moment hält mich meine Spinnenliebe noch an, das Tier gut zu versorgen."

Rund ein Jahr können diese Spinnen alt werden, nach ihrem Ableben wird das Tier dann in die Museums-Sammlung wandern – "mit Etikett und Fundort, um dann als Beleg auch für wissenschaftliche Arbeiten und für spätere Nachfragen zur Verfügung zu stehen", erklärt der Spinnenexperte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Januar 2021 | 17:25 Uhr

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