Sicherheit an Badeseen Keine Nachfrage nach Notrufsäulen in Mitteldeutschland

Wenn es am Badesee zu einem Notfall kommt, zählt für die Retter in der Regel jede Sekunde. Helfen könnten dabei Notrufsäulen in Strandnähe. Vielerorts gibt es solche schon – in Mitteldeutschland allerdings nicht. Gründe dafür könnten vergleichsweise wenige Badetote sein oder bisher fehlende Kenntnis von dem Angebot.

Eine Notrufsäule steht an einer unbewachten Badestelle des Grossensees.
Über eine Notrufsäule kann im Fall eines Badeunfalls schnell und direkt vor Ort ein Notruf getätigt werden. Bildrechte: dpa

Die Badegäste am Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt sind von der Idee der Notrufsäulen begeistert. Sie erhoffen sich dadurch mehr Sicherheit – vor allem für Kinder. Bisher steht in Mitteldeutschland allerdings noch keine einzige Säule an einem Badesee.

Andreas Mihm ist Projektleiter bei der verantwortlichen Björn-Steiger-Stiftung und so richtig hat auch er keine Idee, warum hierzulande noch keine Notrufsäulen an Seen stehen. "Prinzipiell stellen wir maximal 25 Säulen pro Bundesland und Jahr kostenlos zur Verfügung, aber weder aus Sachsen noch aus Sachsen-Anhalt oder Thüringen wurde bisher Interesse diesbezüglich bekundet", erklärt Mihm.

Vorteile der Notrufsäulen

Dabei sind die Argumente für die Nottelefone wirklich zahlreich, finden auch die Badegäste am Geiseltalsee: "Weil das einfach vom Reflex her einfacher ist – sie sehen die Säule, gehen dorthin und drücken drauf. Ihr Handy haben sie vielleicht gerade nicht griffbereit, wenn sie hier baden – oder nehmen Sie ihr Handy mit ins Wasser?", lautet die Frage einer Badenden. Außerdem gebe es zu wenige Rettungsschwimmer, die womöglich nicht immer in der Nähe seien.

Unbewachte Badestrände, Handy im Auto gelassen, kein Empfang oder als Tourist auch einfach nicht in der Lage, den Rettern eine genaue Ortsbeschreibung zu geben – das sind nur einige der Probleme im Notfall. Die Säulen der Björn-Steiger-Stiftung werden durch Sponsorengelder finanziert. Alles, was es dazu braucht, ist ein Antrag von der zuständigen Wasserwacht oder der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Ausbleibende Nachfrage in Mitteldeutschland

Der Sprecher des Thüringer DLRG Landesverbandes, Steffen Schulze, kann sich zwei Gründe für die fehlende Nachfrage vorstellen: "In Thüringen gibt es glücklicherweise nicht so viele Badetote wie in anderen Bundesländern, sodass man den Bedarf vielleicht nicht so akut sieht." Zum anderen denke er, dass die Verfügbarkeit dieser Säulen in vielen Städten, Gemeinden und Kommunen nicht bekannt sei und publik gemacht werden müsse, sagt Schulze.

Sebastian Knabe, Landesgeschäftsführer der DLRG Sachsen, sieht das ähnlich. Generell fordert er ein langfristiges Sicherheitskonzept für die Badegewässer – die Notrufsäulen wären aber kurzfristig eine wirklich gute Lösung: Handys würde nicht alle mitführen und da seien die Notrufsäulen aus kurzfristiger Sicht "eine extremst gute Angelegenheit und gut investiertes Geld".

Neues Sicherheitskonzept für Seen bei Markkleeberg

Aber auch über die angesprochenen langfristigen Lösungen wird nachgedacht, zum Beispiel in Markkleeberg: Oberbürgermeister Karsten Schütze plant ein Sicherheitskonzept für die Badegewässer und das könnte dann auch von den anderen Seen in der Tagebaufolgelandschaft genutzt werden, sagt er: "Ziel dieses Konzeptes ist es, Rettungswege zu definieren bis hin zu Rettungsmöglichkeiten bei Badeunfällen." Man denke auch darüber nach, Notrufsäulen an Strandbereichen zum Einsatz zu bringen. Laut Schütze funktionieren die Säulen an anderen Seen sehr gut, weshalb er prüfen möchte, ein System von Notrufsäulen an den Stränden zu installieren.

Vielleicht verschlägt es Andreas Mihm von der Björn-Steiger-Stiftung also in Zukunft doch mal öfter nach Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt. Das Interesse an den Säulen scheint jedenfalls geweckt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2021 | 08:53 Uhr

2 Kommentare

Ignatz Wrobel vor 7 Wochen

sehr vernünftig, wenn sie ähnlich den Autobahnnotrufsäulen immer mit der am nächsten gelegenen Rettungsstelle verbunden sind und so schnellst mögliche Hilfe kommt

Harka2 vor 7 Wochen

Diese Notrufsäulen sind längst antiquiert. Wenn man dort einen Notfall meldet, ist der Ertrinkende am Ende der Meldung vermutlich schon ertrunken. Soetwas nützt nur dann etwas, wenn sofort Hilfe gewährt werden könnte, also eine Rettungskraft unmittelbar in der Nähe ist. Ist das nicht der Fall, kann man auch 112 mit dem Smartphone wählen und halt eine Viertelstunde auf das Bergeteam warten.

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