Corona-Krise Tierparks in Mitteldeutschland wollen keine Notschlachtungen

Die Tierparks in Deutschland sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Es fehlt an Einnahmen. Das führt bei manchen Zoos zu dramatischen Überlegungen: Als letzten Schritt sieht ein Tierpark in Neumünster keine andere Möglichkeit, als die Zwangsschlachtung von Tieren. Natürlich nur, wenn es nicht mehr anders geht – etwa, weil das Geld für Futter ausgeht.

Marno Scherling ist geschäftsführender Vorstand im Tierpark Bad Kösen. Die aktuelle Situation sei schwierig, sagt er. Von den sonst üblichen acht Mitarbeitenden seien nur drei bis vier anwesend – und einige Ehrenamtliche.

Als Verein lebt der Tierpark von Spenden und Zuschüssen der Stadt Naumburg. Die Stadt habe auch einige Zuschüsse vorgezogen und ausgezahlt, sagt Scherling, aber Geld fehle trotzdem.

Schlachtung als letzter Schritt möglich

Darum gebe es für den Notfall einen Insolvenzplan, sagt Scherling. Sollten der Verein und die Stadt nicht mehr in der Lage sein, die Kosten zu decken, würde laut Scherling zuerst versucht, Tiere an andere Zoos und Einrichtungen zu vermitteln. Wenn das aber nicht gelänge, bliebe dem Tierpark "auch die Schlachtung nicht erspart".

Das wäre aber wirklich nur der aller letzte Schritt, sagt Scherling: Es sei wie bei Haustieren. Das Tier, das "Sie jetzt schon von klein auf kennen", das müssten Sie dann einschläfern oder einschläfern lassen. "Das würde wohl nicht ohne Tränen abgehen."

Nutztiere zuerst

Sollten Tiere eingeschläfert werden, stünden die Exoten an letzter Stelle. Zuerst würde es Nutztiere treffen: Schafe, Ziegen, Schweine und Meerschweinchen, erklärt Scherling: "Und dann würde man natürlich irgendwann an die Grenze stoßen. Wir haben noch einen Braunbären, wir haben noch einen Affen, wir haben auch noch Papageien hinten sitzen. Da ist ja die Versorgung auch nicht gerade billig."

Geld fehlt auch im Tierpark Bernburg. Etwa 60.000 bis 70.000 Euro würden pro Monat fehlen, sagt Thomas Gruschka als Geschäftsführer der Bernburger Freizeit GmbH.

Kommunen und Spenden sollen helfen

Einen Plan für mögliche Schlachtungen gebe es trotzdem nicht, meint Gruschka: "Wir sind eine kommunale Einrichtung und da steht natürlich zuerst noch die Stadt als Miteigentümer in der Pflicht." Es sei notwendig, dass alle gemeinsam nach Lösungen suchten, um genau diesen letzten Schritt nicht gehen zu müssen.

Auch der Zoo im sächsischen Hoyerswerda teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass es keinen Plan gebe, Tiere einzuschläfern. Das sei überhaupt kein Thema, die finanziellen Rücklagen würden vorerst ausreichen.

Auch der Waldzoo Gera plant keine Maßnahmen für Notfallschlachtungen. Bisher würden die Einschränkungen gut abgefedert und die Spendenbereitschaft sei ebenfalls hoch, teilt der Zoo mit – sodass die Tiere auch zukünftig gut versorgt bleiben würden.

Auch Tiere leiden unter Schließung

Die Zoos sind seit etwa einem Monat geschlossen. Das sei für alle eine Herausforderung – für Tiere und Mitarbeiter, sagt Marno Scherling vom Tierpark Bad Kösen:

"Bei uns ist es so, wir haben verschiedene Streichelgehege, bei Schafen, Ziegen können die Kinder rein. Die sitzen dann teilweise da und gucken: 'Wann kommt jemand?'. Also der Tierpfleger hat jetzt auch viel, viel mehr damit zu tun, die Tiere zu beschäftigen und zu animieren, damit sie nicht träge in der Ecke sitzen."

Was bleibt, ist die Hoffnung – dass bald wieder geöffnet werden darf.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. April 2020 | 05:00 Uhr

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