Hamsterkäufe Warum Speiseöl knapp wird und nicht in den Tank gehört

Speiseöl wird langsam knapp im Supermarktregal. Deswegen wird es in einigen Läden bereits rationiert. Gründe für den Engpass sind Hamsterkäufe und weil die Ukraine als Erzeuger von Sonnenblumen und Raps wegfallen wird. Außerdem versuchen einige, mit dem Öl ihren Tank zu befüllen. Das ist nicht ratsam - und nicht nur, weil es einen Motorschaden verursachen kann.

Teilweise gelehrte Regale von Speiseöl in spanischem Supermarkt
Auch in anderen Ländern Europas ist das Speiseöl in den Supermärkten knapp. Bildrechte: IMAGO/ZUMA Wire

Zwei Notizen im Kurznachrichtendienst Twitter. Ein Bild mit der Aufschrift: "Nur zwei Flaschen Öl pro Haushalt. Wir bitten um Verständnis." Dazu die Schilderung einer Verkäuferin: "Ich frage eine Kundin, wozu sie vier Flaschen Sonnenblumenöl braucht. Antwort: Das weiß sie noch nicht, aber jetzt kaufen ja alle welches."

Mehr braucht man nicht, um zu verstehen: Das neue Klopapier heißt Raps- oder Sonnenblumenöl. Die Deutschen fangen wieder an zu hamstern. Neben Öl übrigens auch Hefe und Mehl, beides ist längst vielfach ausverkauft, zumindest die preiswerten Varianten.

Keine Versorgungslücken bis Ende des Jahres

Die Gründe für den derzeitigen Engpass sind vielfältig. Natürlich spielt der Krieg in der Ukraine eine Rolle. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sagte bei MDR AKTUELL: "Die Ukraine erzeugt sehr viel Weizen, Sonnenblumen, Raps und andere Kulturen. Dieser Erzeuger wird wegfallen und das wird insbesondere Regionen in Nordafrika, im arabischen Raum, aber auch in Asien treffen. Bei uns ist aber die Versorgungssicherheit gewährleistet – zumindest bis Ende des Jahres."

Deutschland deckt seinen Bedarf an Sonnenblumenöl zu mehr als 90 Prozent über Importe. Die wichtigsten Exportländer dafür weltweit sind die Ukraine und Russland. Andere Faktoren aber kommen hinzu, etwa Ernteausfälle in Nordamerika und Probleme mit den Lieferketten wegen Corona. Und eben des Deutschen Lust am Hamstern wie am Sparen.

Schäden durch Pflanzenöle im Tank

Weil die Spritpreise enorm gestiegen sind, soll es bereits Leute geben, die noch auf dem Parkplatz des Supermarktes den Tank ihres alten Diesels mit Speiseöl füllen. "Pflanzenöl oder Heizöl sind tatsächlich aktuell günstiger als Benzin oder Diesel, aber beides sind keine Alternativen für den Fahrzeugtank und sollten deswegen unter gar keinen Umständen getankt werden", mahnt bereits der ADAC.

Sprecherin Katharina Lucà sagt auf die Frage, warum das unter gar keinen Umständen erfolgen soll: "Pflanzenöle im Tank können zu Startschwierigkeiten führen und sich negativ auf die Leistung und auch die Lebensdauer des Motors auswirken. Im schlimmsten Fall kann es zu einer verminderten Motorleistung kommen oder am Ende sogar zu einem Motorschaden oder einem Schaden am Kraftstoffsystem."

Nutzung von Heizöl als Kraftstoff ist verboten

Auch vom Griff zum Heizöl statt Diesel rät die Expertin ab. Mehr Verschmutzungen, mehr Ablagerungen könnten die Folge sein. Und: "Bei Heizöl als Kraftstoff ist es sogar so, dass es wegen der unterschiedlichen Besteuerung gesetzlich verboten ist", sagt Lucà.

Wer auf Pflanzenöl setzt, sollte wissen: Auch das unterliegt – wird es als Kraftstoff genutzt – der Energiesteuer. Wer die Steuer nicht zahlt, macht sich strafbar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. März 2022 | 16:35 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland