Unwetterwarnungen Sturm "Ylenia" zieht über Deutschland – zwei Tote

Sturmtief "Ylenia" hat in Mittel- und Norddeutschland Schäden verursacht. Zwei Menschen sind gestorben. Viele Unwetterwarnungen sind vorerst aufgehoben. Beeinträchtigungen gibt es weiter - vor allem im Bahnverkehr.

Entwurzelter Baum durch Orkantief Ylenia stürzt auf PKW, Feuerwehr muss Baum zersägen.
In vielen Teilen Deutschlands haben umgestürzte Bäume für Schäden gesorgt. Bildrechte: imago images/CHP

Mit "Ylenia" hat das erste Tief der vom Deutschen Wetterdienst angekündigten Sturmlage seine Spuren in Deutschland hinterlassen. Seit Mittwochabend hat es der nördlichen Hälfte von Deutschland Sturm und teilweise Orkanböen beschert. Mindestens zwei Menschen sind in Folge des Sturms ums Leben gekommen. Der Sturm verursachte darüber hinaus Sachschäden und sorgt für Einschränkungen im Bahnverkehr.

Der Zugverkehr sei in weiten Teilen Deutschlands stark eingeschränkt, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Donnerstagmorgen. Im Norden stellte die Bahn zwischenzetilich den Fernverkehr ein. Auf ihrer Webseite schreibt die Bahn, dass es noch bis zum Wochenende zu Beeinträchtigungen kommen kann. Derzeit lasse sich aber noch nicht sicher sagen, welche Fernstrecken wann wieder bedient werden könnten. Man wisse nicht, wie der nächste Tag verlaufen werde. Auch in Mitteldeutschland ist weiterhin mit Behinderungen im Regionalverkehr zu rechnen.

Schäden in Sachsen

In Sachsen musste die Polizei in der Nacht zu mehreren Einsätzen ausrücken. In Dresden-Striesen wurde ein Dach abgedeckt. In vielen Städten stürzten Bäume, Schilder oder Müllcontainer um, zum Beispiel in Torgau, in Eilenburg und Bad Düben. Nahe Altgeringswalde bei Rochlitz fiel eine Birke auf ein fahrendes Auto. Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Im Erzgebirge, Mittelsachsen und Vogtland fiel bei etwa 12.000 Haushalten der Strom aus. Nach Angaben des Versorgers konnte der Großteil inzwischen wieder an das Netz angeschlossen werden.

Folgende Windgeschwindigkeiten wurden bis 7 Uhr gemessen: Dessau-Roßlau: 127,8 km/h
Gotha: 111,1 km/h
Torgau: 135,2 km/h

Nach Angaben der Deutschen Bahn fielen mehrere Züge aus. Das betraf unter anderem einen IC von Dresden nach Leipzig sowie einen RE von Plauen nach Chemnitz. Die Lufthansa strich in Deutschland 20 Verbindungen. Lufthansa-Flüge ab und nach Leipzig/Halle bzw. Dresden sollen aber stattfinden.

Wochenmärkte abgesagt, Zoos geschlossen

In Sachsen-Anhalt hat ein möglicherweise durch den Sturm umgestürzter Baum am Morgen bei Stolberg im Harz für einen tödlichen Verkehrsunfall gesorgt. Nach Polizeiangaben stürzte der Baum auf der L235 auf ein Fahrzeug, das sich daraufhin überschlug. Der 55 Jahre alte Autofahrer starb noch an der Unfallstelle.

Weiterhin wurde auf der A38 Richtung Leipzig ein Lkw auf einer Brücke bei Farnstädt im Saalekreis von einer Windböe erfasst und kippte um. Der Laster hatte Rohre geladen, die auf die Fahrbahn fielen. Die Autobahn war stundenlang gesperrt. Vor allem im Harz sorgten umgestürzte Bäume für einen Dauereinsatz der Feuerwehr. Zahlreiche Straßen sind immer noch unbefahrbar. In den höheren Lagen tobte der Sturm mit Spitzengeschwindigkeiten von weit über 100 Kilometer pro Stunde. Auf dem Brocken wurde sogar Tempo 150 gemessen.

Halle und Weißenfels haben ihre Wochenmärkte abgesagt. Die Tierparks in Bernburg und Dessau sowie die Zoos in Halle und Magdeburg bleiben vorerst geschlossen. Die Harzer Schmalspurbahnen haben ihren Betrieb eingestellt. Ministerpräsident Reiner Haseloff mahnt zur Vorsicht.

Bitte vermeiden Sie unnötige Wege und bleiben Sie, wenn möglich zu Hause. Das gilt insbesondere für den Harz. Achten Sie auch auf Ihre Mitmenschen.

Reiner Haseloff Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Umgestürzte Bäume blockieren an mehreren Stellen in Thüringen Straßen. Der Polizei zufolge sind die B281 im Landkreis Sonneberg, die B285 in der Rhön sowie Straßen im Eichsfeld, im Kreis Saalfeld-Rudolstadt und im Kreis Hildburghausen betroffen. Verletzt wurde niemand. Seit dem Morgen war die vielbefahrene Bahnstrecke Erfurt – Frankfurt unterbrochen, nachdem ein Baum auf die Oberleitung gefallen war. Auch viele Regionalzüge konnten nicht fahren, so auch die Thüringer Bergbahn durch das Schwarzatal.

Das Sturmtief hat in der Nacht in Thüringen auch die Flüsse weiter anschwellen lassen. Nach Polizeiangaben wurde an zwei Messstellen der Wert für den Hochwasser-Meldebeginn erreicht. Betroffen waren Messstellen der Nahe und der Bere mit Meldestufe 1.

Weiterer Toter in Niedersachsen

In Niedersachsen ist ein Autofahrer bei Bad Bevensen während der Fahrt von einem umstürzenden Baum getroffen worden. Er starb in seinem Fahrzeug. Im schleswig-holsteinischen Krempe wurde ein junger Rollerfahrer bei einem durch den Sturm verursachten Sturz schwer verletzt. Nach Polizeiangaben wurde der 16-Jährige auf einer Brücke von einer Böe erfasst und prallte dadurch gegen das Brückengeländer.

Sturmfluten an der Küste

Wegen des Sturms ist in Bayern und Nordrhein-Westfallen bei Zehntausenden Haushalten zwischenzeitlich der Strom ausgefallen. An der Nordseeküste gab es teilweise Sturmfluten und Hochwasser, so auch in Hamburg. In Stralsund wurde die Rügenbrücke gesperrt. Feuerwehren und Polizeileitstellen berichteten vielerorts von zahlreichen Einsätzen, größere Schäden blieben wohl aber aus. Die Feuerwehr Berlin rief den Ausnahmezustand aus.

Auch in Nordrhein-Westfalen hinterließ der Sturm Spuren. In Kleve am Niederrhein wurde das Zelt einer Corona-Teststation zerstört. In Wuppertal stürzte in der Nacht ein etwa 40 Meter hoher Baum auf die Schienen der Schwebebahn. Im gesamten Bundesland wurde für Donnerstag außerdem der Schulunterricht abgesagt. Auch in mehreren Regionen Niedersachsens oder etwa Bayerns durften Schülerinnen und Schüler wegen der Wetter-Gefahren zu Hause bleiben.

Gegenstände im Freien sollten gesichert werden

Der DWD warnte bei orkanartigen Böen vor entwurzelten Bäumen und beschädigten Dächern. "Achten Sie besonders auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände", schrieb der Wetterdienst. Gegenstände im Freien sollten gesichert und ein Aufenthalt unter freiem Himmel möglichst vermieden werden – vor allem in Wäldern.

Auch Feuerwehren empfehlen, wenn möglich, während des Sturms das Haus nicht zu verlassen. Zudem warnten sie davor, während und nach dem Sturm Wälder und Alleen zu betreten. Auch von Baugerüsten sollte man Abstand halten. Autofahrer sollten ihre Geschwindigkeit anpassen und auf unvorhergesehene Hindernisse wie herumfliegende Gegenstände und umgestürzte Bäume achten.

Es bleibt stürmisch

Am Donnerstagnachmittag hat der Deutsche Wetterdienst fast alle Unwetterwarnungen für Mitteldeutschland aufgehoben. Nur für den sächsischen Erzgebirgskreis wird für Lagen über 1.000 Metern vor Orkanböen gewarnt.

Dem Wetterdienst zufolge soll der Wind im Laufe des Tages langsam nachlassen, die Verschnaufpause ist jedoch nur kurz. Bereits für Freitagabend wird das nächste Orkantief namens "Zeynep" erwartet. Auch hiervon wird wahrscheinlich wieder vor allem die nördliche Hälfte Deutschlands betroffen sein.

MDR/dpa/AFP/dpa (sra/lvr/pfh/cga)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 16. Februar 2022 | 13:00 Uhr

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