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Die Puhdys singen "Alt wie ein Baum" in der MDR-Sendung "Puhdys – Das letzte Konzert". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Songs von Puhdys, City und CoHits aus der DDR: Wer verdient heute noch daran?

von MDR Umschau

Stand: 23. April 2022, 08:07 Uhr

Wenn ein Ostsong im Radio läuft, fließt dank GEMA Geld an die Künstler bzw. ihre Nachkommen. Doch was ist, wenn es keine Erben gibt? Und welche Beträge werden so noch mit Hits aus der DDR erzielt?

Texter von "Alt wie ein Baum" mit Einnahmen zufrieden

Fast jeder kennt "Alt wie ein Baum" von den Puhdys aus dem Jahr 1976. Die Begeisterung für den Song ist auch heute noch ungebrochen und jedes Mal, wenn beispielsweise der MDR in seinen Kanälen den Song spielt, verdienen die Schöpfer wieder ein paar Euro daran. Der Text des Klassikers stammt von Burkhard Lasch. Geboren ist er in Lutherstadt Eisleben. Heute lebt der 81-Jährige in Berlin. Neben "Alt wie ein Baum" ist "Jugendliebe" von Ute Freudenberg sein zweiter großer Erfolg.

Vor allem für seine beiden Hits, aber auch für dutzende weitere Songs, bekommt Lasch heute noch Geld von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte – kurz GEMA: "Ich lande immer noch im Jahr bei 60.000 Euro, 80.000 Euro", erzählt er gegenüber der "Umschau". Mit der Höhe der Einnahmen ist er durchaus zufrieden.

Wer erhält für Songs Einnahmen von der GEMA?"In der GEMA haben sich Komponisten und Textdichter als Urheber von Musikwerken sowie Musikverleger zusammengeschlossen. Die GEMA vertritt als Verwertungsgesellschaft weltweit die Ansprüche ihrer Mitglieder auf Vergütung, wenn deren urheberrechtlich geschützten Musikwerke genutzt werden", erklärt die GEMA auf ihrer Homepage.

Tantiemen-Streit bei den Puhdys

Der Komponist von "Alt wie ein Baum", Puhdys-Sänger Dieter Birr, will nicht über seine Tantiemen reden, ein Interview mit der "Umschau" hatte er zuvor aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Laut Jörg Stempel vom ostdeutschen Plattenlabel Amiga wurde "Alt wie ein Baum" auf 20 Millionen Tonträger gepresst. Er schätzt, dass die Puhdys pro Tonträger zehn Cent verdient hätten: "Da sind es alleine für diesen Titel zwei Millionen. Da ist für jeden genug übrig geblieben."

Trotzdem gab es um die Tantiemen unter den Puhdys jahrelang Streit, an dessen Ende sich Dieter Birr durchsetzen konnte. Er hat fast alle Titel geschrieben und ist nun für "Alt wie ein Baum" und viele weitere Titel als alleiniger Komponist eingetragen. Seine Bandkollegen bleiben an den Einnahmen beteiligt, auch wenn die längst nicht so hoch sind wie im Westen.

City-Song "Am Fenster" im Osten und Westen erfolgreich

Zu den Kult-Songs der DDR gehört auch "Am Fenster" von City. Das Lied entstand1974 und kam auch im Westen raus, nachdem ein westdeutscher Plattenproduzent das Lied im DDR-Radio gehört hatte. Auch in Griechenland hatte der Song Erfolg. Amiga-Chef Jörg Stempel kommt ins Schwärmen, wenn er heute über das Lied spricht. Der Song habe etwas Zeitloses, erzählt er, "wenn ich jetzt mal vergleichen müsste, das, was ''Am Fenster' eingespielt hat für die Autoren und 'Alt wie ein Baum', da würde ich schon sagen, da liegt 'Fenster' vorn."

Was die Band City selbst noch heute mit "Am Fenster" verdient, will sie nicht preisgeben. Der Plattenfirma brachte der Song jedenfalls Millionen ein – durch Verkäufe in West und Ost, wie Amiga-Chef Jörg Stempel erzählt. "City hat 1988 im Westen eine Goldene Schallplatte für 'Am Fenster' bekommen. Das heißt, richtig Westgeld. Und 1997, zu 50 Jahren Amiga, konnten wir die erste offizielle Platin-Verleihung vornehmen, weil die zu DDR-Zeiten erreichten Verkaufszahlen wurden vom Phonoverband nach der Wiedervereinigung nicht anerkannt, weil die auch schwer kontrollierbar waren." Die Platinverleihung – damals ab 500.000 verkauften Tonträgern – sei dann allein schon durch die Verkäufe in der BRD von 1977 bis 1988 und von 1989 bis 1997 im wiedervereinigten Deutschland möglich gewesen, ohne die Verkäufe in der DDR.

Bei "Am Fenster" klingelt auch beim Freistaat Sachsen die Kasse

Der Text zu "Am Fenster" stammt von Hildegard Maria Rauchfuß. In den 1970er-Jahren war sie eine bekannte Schriftstellerin, heute ist sie allerdings fast vergessen. 2000 starb sie in Leipzig. Die Autorin hatte keine Kinder und somit keine Erben, weshalb ihr Nachlass an den Freistaat Sachsen fiel und nun von Martin Oberacher vom Zentralen Flächenmanagement Sachsen betreut wird.

Im Kleinen würde der Freistaat am Song "Am Fenster" mitverdienen, so Oberacher, "wenn der gespielt wird, egal wo – auf Theaterbühnen, im Friseursalon oder im Radio – im Schnitt ungefähr ein Euro. Und die Band City verdient natürlich ein kleines bisschen mehr damit." Auch bei Live-Konzerten kassiert Sachsen mit: Im vergangenem Jahr beliefen sich die Einnahmen aus dem Nachlass auf rund 10.000 Euro.

Sächsisches One-Hit-Wonder "Sing, mei Sachse, sing" sorgt noch heute für Einnahmen

"Sing mei Sachse, sing" ist auch heute noch vielen bekannt. Zehn Wochen blieb der 1980 erschienene Song auf Platz 1 der Hitparade und wurde zu einem der am meisten verkauften in der Geschichte von Amiga. Noch heute weiß Amiga-Chef Jörg Stempel die Katalognummer des Liedes aus dem Kopf, wie er erzählt. "Wir haben ja von dieser LP damals, wenn ich mich recht erinnere, über 500.000 verkauft. Zu DDR-Zeiten. Also, es war schon der absolute Wahnsinn."

"Sing mei Sachse, sing" ist der einzige Hit des Leipziger Kabarettisten Jürgen Hart. Komponiert und produziert wurde er 1980 von Arnd Bause. Die beiden starben kurz nacheinander 2002 und 2003, sodass ihre Angehörigen die Rechte für Text und Musik erbten. Katrin Hart, die Frau von Jürgen Hart, erinnert sich: "Zu DDR-Zeiten hat man damit sehr viel verdient und jetzt kam immer noch ein Zubrot. Es kommt jeden Monat eine kleine Abrechnung und da sagst du, 30, 40 Euro – das ist doch ganz nett."

Zu DDR-Zeiten hat man damit sehr viel verdient und jetzt kam immer noch ein Zubrot.

Katrin Hart

Der Einbruch bei der Höhe der ausgezahlten Tantiemen sei bereits vor der Wende gekommen, erzählt Katrin Hart weiter, schon im Laufe der 1980er-Jahre sei das spürbar gewesen. "Aber natürlich immer, wenn Fasching war oder Volksfeste, dann hat man das auch wieder gemerkt, dass da irgendwas los war, dass eben die Tantiemen zugenommen haben. Und nach der Wende hat vieles nicht mehr stattgefunden und wurde auch nicht aufgeführt." Dennoch werden die Tantiemen noch lange ausgezahlt: Laut Urheberrecht erlöschen sie erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.

Immer weniger Tonträger werden verkauft. In einigen Plattenläden ist die Abteilung für Ost-Rock inzwischen klein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bringen Ost-Songs Einnahmen bei Streamingdiensten?

In den Läden werden seit Jahren immer weniger Tonträger verkauft. Immer mehr Musik wird dagegen gestreamt. "Am Fenster" von City beispielsweise zählt beim Streamingdienst Spotify rund 6,5 Millionen Wiedergaben, "Alt wie ein Baum" von den Puhdys kommt auf rund sechs Millionen Wiedergaben.

Große Einnahmen bei den Streamingdiensten können die Ost-Songs damit nicht generieren, erklärt Udo Dahmen, Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg: "Wir reden von 0,0028 Euro pro Stream. Das heißt, bei einer Million Streams würde man knapp 3.000 Euro einnehmen. Es ist also heutzutage keine Verdienst-Quelle mehr für einen mittelgroßen Act." Um überhaupt Einnahmen zu erzielen, müsse man schon extrem bekannt sein, so Dahmen. Zum Vergleich: Die britische Sängerin Adele kommt auf eine Milliarde Zugriffe für einen Song bei Spotify. Der kanadische Rapper Drake schafft sogar mehr als zwei Milliarden Wiedergaben.

Der kanadische Rapper Drake hat bei Spotify mehr als zwei Milliarden Zugriffe auf seinen Song "One Dance". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Multi-Millionäre werden die Ost-Künstler durch das heutige Streamingangebot damit nicht mehr. Allerdings könne laut Udo Dahmen Spotify als Marketingangebot durchaus von Bedeutung sein. "Darüber hinaus kann es noch viel wichtiger sein, selbst immer noch CDs zu produzieren, und die sowohl bei den Konzerten, wenn sie dann wieder stattfinden, oder eben auch im Versand, zu verkaufen."

Für Newcomer, aber auch für etablierte Künstlerinnen und Künstler aus den 1980er- und 1990er-Jahren, sei der CD-Verkauf immer noch eine sinnvolle Maßnahme, wenn der Verkauf über ein eigenes Label laufen würde, so Drahmen. "Dann bleiben sehr viele Einnahmen auch bei mir als Künstler. Und ich kann meine Künstler, deren Fan ich bin, auch sehr gut damit unterstützen, dass ich seine CD kaufe."

Aktuelle Millionendeals von WeltstarsSpektakuläre Millionendeals mit Musikrechten machten Ende des vergangenen Jahres Schlagzeilen. Bruce Springsteen verkaufte seinen Musikkatalog für 440 Millionen Euro. Bob Dylan soll rund 150 Millionen eingenommen haben und die Erben von David Bowie 220 Millionen.

Musikerlebnis im Wandel

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Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 25. Januar 2022 | 20:15 Uhr