Party-Hotspots Städte suchen Lösungen für Massenfeiern

Hamburg, Berlin oder auch Leipzig: In vielen Städten gab es in den letzten Wochen große Partys in Parks und an anderen öffentlichen Plätzen. Nach Monaten der Pandemie scheint das Bedürfnis danach groß zu sein. Teilweise kamen tausende junge Menschen zusammen, um zu feiern. Dabei kam es aber immer wieder auch zu Ruhestörungen oder Straftaten. Die betroffenen Städte starten Pilotprojekte:

Behelmte Polizisten laufen begleitet von einem Mannschaftswagen mit Blaulicht durch die Menschengruppen auf einer Wiese
Viele Massen-Partys werden geräumt. Bildrechte: dpa

Ein Freitagabend Anfang Juni: In Jena feiern insgesamt rund 1.500 bis 2.000 junge Leute ausgelassen im Paradiespark. Sicherheits- und Ordnungsdezernent Benjamin Koppe sagt, das Bedürfnis verstehe er gut. Gerade nach den monatelangen Corona-Einschränkungen:

Aber Feiern sind insbesondere dann ein Problem, wenn das Thema Lärmbelästigung im Mittelpunkt steht.

Benjamin Koppe Sicherheits- und Ordnungsdezernent, Stadt Jena

Benjamin Koppe: "Es ist dann ein Problem, wenn Anwohnerinteressen mit beeinträchtigt sind, auch Interessen von Gewerbetreibenden und insbesondere dann, wenn das Thema Lärmbelästigung im Mittelpunkt steht."

Erfurt: Präsenz an Party-Hotspots zeigen

Auch Straftaten werden im Umfeld solcher Feiern immer wieder registriert, wie zuletzt häufiger an der Leipziger Sachsenbrücke. Die Städte stellen sich daher die Frage: Wie ist mit den Feierwilligen umzugehen? Andreas Horn, Dezernent für Sicherheit und Umwelt bei der Stadt Erfurt, sagt, in Erfurt habe man die Streifen von Polizei und Ordnungsamt intensiviert.

Außerdem habe die Stadt ein Pilotprojekt mit einem privaten Sicherheitsdienst gestartet, der nun an den Party-Hotspots präsent sei: "Wir werden darüber nachdenken müssen, Nutzungsbeschränkungen in Teilbereichen von Grünanlagen mit aufzunehmen. Zum Beispiel das Verbot von lautstarker Musik ab 22 Uhr oder auch ein Glasflaschenverbot. Das müssen wir tun, wenn sich die Situation nicht verändert, sich nicht beruhigt", sagt Horn.

Jena setzt auf Dialog

In Jena dagegen will man künftig stärker auf Dialog setzen, sagt Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe: "Also wenn Sie jetzt vor Ort sind und haben eine größere Lage mit 1.500 bis 2.000 Feiernden unter einer bestimmten Lautstärke, unter Alkoholeinfluss und vielleicht auch Betäubungsmittelkonsum, werden Sie wahrscheinlich auch mit einer Hundertschaft von Polizei wenig ausrichten können, außer Sie wollen natürlich Bilder erzeugen, wie Sie das in größeren Städten gesehen haben, die sehr unschön sind. Das wollten wir nicht."

Die Stadt lässt nun Behörden, Sozialarbeiter und Vertreter der Feierkultur zusammenarbeiten. Ein Ziel ist es, Flächen auszuweisen, auf denen künftig legal gefeiert werden darf.

Feierflächen in Leipzig, Halle und Magdeburg

Auch in Leipzig hat der Stadtrat einen Runden Tisch zum Thema beschlossen, auch dort sollen Feierflächen ausgewiesen werden. Wie Thomas Schmidt, Abteilungsleiter der Sicherheitsbehörde im Leipziger Ordnungsamt, sagt, werden die allein das Problem zwar nicht lösen. In den Runden Tisch setzt er aber dennoch große Hoffnungen: "Es sind ja eher bestimmte Verhaltensmuster, die zu Schwierigkeiten führen. Und aus meiner Sicht muss man maßgeblich auch auf dieses Verhalten einwirken. Wenn dann die Richtigen am Tisch sitzen, die das ein Stück mit übernehmen können, dann kann das auch nach vorne führen."

In Halle gibt es bereits seit einiger Zeit Freiflächen für spontane, nicht-kommerzielle Feiern. Die Stadt teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, man setze auf "einen Interessenausgleich von Anwohnern und Nachtschwärmern" und auf "gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz". Auch in Magdeburg gebe es bereits solche Flächen für Feiern, heißt es von der Stadt. Zudem seien Streetworker unterwegs, die den Dialog mit den Jugendlichen suchten. Die soll es bald auch in Dresden geben: Die Stadt teilt mit, ab Juli werde es erstmals acht Konfliktmanager für das Nachtleben geben. Diese sollen dann in Zweier-Teams in der Neustadt unterwegs sein, wo die meisten Partys stattfinden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2021 | 06:11 Uhr

12 Kommentare

part vor 22 Wochen

Honny war da etwas der Zeit voraus, staatlich organisiert und geleitet wurde immer darauf geachtet, dass die Jugend ausreichend Betätigungsmöglichkeiten hatte, wobei die Anzahl der Diskotheken extrem verschwindend gering war. Heute gibt es ausreichend Clubs mit gutsituierten Preisen und sozialer Auswahl, der Rest muss sehen, wo er bleibt bei den Begegnungsmöglichkeiten. Jede Gesellschaft hat ihren eigenen Spiegel, der sich offenbart in den plötzlich auftretenden Ereignissen.

Sharis vor 22 Wochen

Nun ja, die Definition von Spaß ist höchst subjektiv.
Alkohol, Musik & auch mal lauteres Gelächter gehören bei einer Feier dazu.
Allerdings- und da gebe ich Ihnen Recht- kann man das alles auch haben, ohne andere Leute zu belästigen.
Gegenseitige Rücksichtnahme ist das Zauberwort.

der Vielfaltige vor 22 Wochen

Auf den Bildern der Sachsenbrücke war klar das wunderbare Eventpublikum zu bewundern. Das sind doch fantastische Menschen, denen man huldigen muss und vielleicht ne Fahne hissen.

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