EU-Vorgabe Fingerabdrücke auf Personalausweis jetzt Pflicht

Bei der Beantragung eines neuen Personalausweises konnte bisher jeder selbst entscheiden, ob er seine Fingerabdrücke abgibt oder nicht. Ab sofort ist die Abgabe verpflichtend. Dadurch sollen Beamte bei Kontrollen relativ schnell feststellen können, ob der Ausweis wirklich zur kontrollierten Person gehört, wenn sie Zweifel haben. Verändert hat sich auch das Aussehen der neuen Ausweise.

Personalausweis Fingerabdruck
Die Fingerabdrücke werden auf einem Chip im Personalausweis gespeichert. Kritiker warnen davor, dass die Daten in falsche Hände geraten könnten. Bildrechte: imago/Christian Ohde

Neu beantragte Personalausweise unterscheiden sich von den bisherigen Modellen. So ist auf der Vorderseite der neuen Ausweise nun oben links die Fahne der Europäischen Union mit dem deutschen Ländercode "DE" zu sehen. Außerdem ist der Hinweis "Unterschrift der Inhaberin/des Inhabers" über der Unterschrift verschwunden.

Fingerabdrücke werden auf Chip gespeichert

Die wichtigste Änderung ist aber, dass beim Beantragen eines neuen Personalausweises auf dem Bürgeramt ab sofort jeder seine Fingerabdrücke abgeben muss. Diese werden auf einem Chip im Ausweis gespeichert. Bisher war die Abgabe der Fingerabdrücke freiwillig. Das Gesetz dazu hatte der Bundestag im November 2020 beschlossen. Deutschland setzte mit den Änderungen eine EU-Verordnung um.

Geldstrafen für Verweigerer

Die alten Personalausweise behalten ihre Gültigkeit, bis sie abgelaufen sind. Erst bei der Beantragung eines neuen Personalausweises müssen die Fingerabdrücke abgegeben werden. Wer die Abgabe verweigert, erhält keinen neuen Ausweis. Er verstößt dann gegen das Personalausweisgesetz. Es drohen Bußgelder von bis zu 5.000 Euro.

Zweifel bei Kontrollen schneller ausräumen

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums dienen die gespeicherten Fingerabdrücke "nicht primär der Fälschungssicherheit des Dokuments". Es gehe vielmehr darum, bei Kontrollen Zweifel auszuräumen, wenn es Abweichungen zwischen dem Lichtbild und der sich ausweisenden Person gebe. Durch einen Abgleich der Fingerabdrücke seien zeitaufwändige Nachfragen bei anderen Behörden nicht mehr notwendig und der Person könne eine schnelle Weiterreise ermöglicht werden.

Hersteller und Ämter müssen Fingerabdrücke löschen

Die Fingerabdrücke der beiden Zeigefinger werden auf den Bürgerämtern mit einem Fingerabdruck-Scanner aufgenommen. Die Abdrücke werden dem Bundesinnenministerium zufolge "ausschließlich im Chip des Personalausweises gespeichert". Der Ausweishersteller müsse sie nach der Produktion löschen. Die Bürgerämter müssten die Fingerabdrücke nach Ausgabe des Dokuments ebenfalls aus ihren Datenbanken entfernen.

Warnung vor Diebstahl und Hackerangriffen

Der Bundestagsabgeordnete von der Linkspartei, André Hahn, ist gegen die Pflicht zur Abgabe von Fingerabdrücken. Er sagte dem MDR, gelangten die Daten durch Diebstahl oder Hackerangriffe in die falschen Hände, könnten sie großen Schaden anrichten. So könnten sich Kriminelle per Online-Banking Zugang zu Konten verschaffen oder zu Bürogebäuden. Der Verein "Digitalcourage" kritisierte, dass mit dem Zwang rechtstreue Bürgerinnen und Bürger beinahe so behandelt würden wie Verdächtige.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 31. Juli 2021 | 19:30 Uhr

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