Prozessbeginn Hauptangeklagter im Missbrauchsfall Münster vor Gericht

Am Donnerstag hat der Hauptprozess im Missbrauchsfall von Münster begonnen. Der Hauptangeklagte muss sich wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor dem Landgericht Münster verantworten. Mit ihm sitzen vier weitere Beschuldigte auf der Anklagebank.

'EK Rose', der Name der Ermittlungskommission, steht auf Aktenordnern in einem Gerichtssaal im Landgericht.
"EK Rose" ist der Name der Ermittlungskommission, die im Missbrauchsfall Münster ermittelt. Bildrechte: dpa

Im Missbrauchsfall von Münster hat am Donnerstag der Hauptprozess begonnen. Vor dem Landgericht Münster müssen sich vier Männer und eine Frau verantworten.

Hauptangeklagter ist ein 27-Jähriger. Ihm wird schwerer sexueller Kindesmissbrauch und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll in einer Gartenlaube teilweise über Tage hinweg Kinder zunächst betäubt und dann entweder selbst oder zusammen mit anderen Männern missbraucht haben. Drei der Männer stehen ab Donnerstag ebenfalls vor dem Landgericht.

Angeklagt ist auch die Mutter des mutmaßlichen Haupttäters. Die 45 Jahre alte Erzieherin hatte ihrem Sohn den Schlüssel zur Gartenlaube überlassen, obwohl sie wusste, wofür er sie genutzt hat. Sie muss sich deshalb wegen Beihilfe vor Gericht verantworten.

Taten im Darknet verbreitet

Seine Taten soll der mutmaßliche Haupttäter, ein IT-Techniker, gefilmt und fotografiert sowie die Bilder anschließend im Darknet verbreitet haben. Außerdem hatte er eine Überwachungskamera in der Laube installiert, die später den Ermittlern wichtige Erkenntnisse lieferte. Die Dimension des Falles habe sich da bereits abgezeichnet, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt aus Münster im Vorfeld des Prozesses.

Außerdem soll sich der Hauptangeklagte über das Darknet mit gleichgesinnten Männern verabredet und den damals zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin anderen Männern für schwere sexuelle Gewalttaten überlassen haben. Der Zehnjährige ist eines von mehreren Opfern und nach Angaben der Staatsanwaltschaft besonders schwer getroffen.

Bislang wurden rund 2.500 Datenträger mit einer Bruttospeichermenge von rund 1.200 Terabyte gesichert. Die Daten werden noch immer ausgewertet und liefern weiterhin neue Erkenntnisse.

19 neue Verdächtige ermittelt

Auch deshalb wächst die Zahl der Verdächtigen. Erst am Dienstag teilte die Landesspezialeinheit für Internetkriminalität in Köln mit, dass es 19 neue Beschuldigte im Missbrauchsfall Münster gebe. Die Auswertung von Bildmaterial und Chats habe neue Erkenntnisse über die Identitäten der weiteren Täter ergeben. Bislang wurden insgesamt 37 Beschuldigte aus Deutschland und Österreich ermittelt.

Nun seien teilweise noch Durchsuchungen geplant, erklärt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln, wo die Landesspezialeinheit angesiedelt ist. Die einzelnen Verfahren gingen nach der Identifizieren der Tatverdächtigen an die Ermittler vor Ort über.

Stärkere Ermittlungen scheinen zu wirken

Der Fall von Münster ist einer von drei größeren Missbrauchskomplexen, denen Ermittler in den letzten Jahren auf die Spur gekommen sind. Zuletzt sorgten die Missbrauchsserien auf einem Campingplatz in Lügde und in Bergisch Gladbach für großes Aufsehen in Politik und Gesellschaft. Aber die Fälle zeigten auch, dass sich intensivere Ermittlungen auszahlen.

In Nordrhein-Westfalen, wo alle drei Missbrauchskomplexe begannen und aufgedeckt wurden, setzten die Kreispolizeibehörden viermal so viele Ermittler im Kampf gegen Kindesmissbrauch ein als noch vor der Tat in Lügde, gab NRW-Innenministers Herbert Reul an. Auch die Bundesregierung berät über härtere Strafen.

Im Missbrauchsfall Münster wird es wahrscheinlich erst Ende Februar 2021 zu einem Urteil kommen. Ob die Öffentlichkeit von den Verhandlungen erst einmal ausgeschlossen bleibt oder nicht, entscheidet sich noch. Die Vertreterin der Nebenklage hat nach Angaben des Gerichts diesbezüglich schon Anträge gestellt, um die Opfer zu schützen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 12. November 2020 | 19:30 Uhr

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