Urteil Zehneinhalb Jahre Haft für IS-Chefanwerber Walaa

Das Oberlandesgericht Celle hat den mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz Islamischer Staat zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Damit endet der seit fast dreieinhalb Jahren laufende Prozess.

Abu Walaa kommt in das Oberlandesgericht.
Abu Walaa wurde vor dem Oberlandesgericht Celle zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Bildrechte: dpa

Der mutmaßliche Deutschland-Chef der IS-Terrormiliz ist zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Celle befand den Iraker Abu Walaa wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrororganisation für schuldig. Zudem erhielten drei Mitangeklagte Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren.

Der 37-jährige Hassprediger und seine Anhänger sollen vor allem junge Leute im Ruhrgebiet und in Niedersachsen radikalisiert und in IS-Kampfgebiete im Irak und Syrien geschickt haben.

Konkret geht es um die Anwerbung mehrerer IS-Freiwilliger für den Kampf im Ausland in den Jahren 2014 und 2015. Laut Bundesanwaltschaft begingen einige davon später auch Selbstmordanschläge.

Schlüsselfigur der islamistischen Szene in Deutschland

Abu Walaa galt als eine Schlüsselfigur der radikalen islamistischen Szene in Deutschland. Bis zur seiner Festnahme im November 2016 war er als Imam des Deutschen Islamkreises (DIK) tätig, der 2017 in Deutschland verboten wurde.

Außerdem soll Walaa auch Verbindungen zu der Moschee des inzwischen ebenfalls verbotenen Berliner Vereins "Fussilet 33" gehabt haben. Dort soll auch der Tunesier Anis Amri verkehrt haben, der 2016 bei einem Lastwagenanschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz zwölf Menschen tötete. Auch weitere bekannte deutsche Islamisten sollen sich in seinem Umfeld bewegt haben.

Ende September 2017 hat das Verfahren um Walaa begonnen. Mit ihm zusammen mussten sich noch drei weitere Beschuldigte im Alter von 33 bis 54 Jahren vor Gericht verantworten. Für diese fordert die Bundesanwaltschaft Haftstrafen zwischen viereinhalb und zehn Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Februar 2021 | 11:00 Uhr

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