Hörer machen Programm Falsch-negative Fälle: Labore fordern mehr Professionalität in Testzentren

Wer sicher sein will, geht für einen Corona-Test ins Testzentrum, anstatt einen Schnelltest zu Hause zu machen. Unser Hörer Henning Janssen ist Arzt und berichtet, dass einige seiner Patienten mit einem negativen Schnelltest zu ihm in die Praxis gekommen seien – dann aber positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. Er stellt sich deshalb die Frage, wie zuverlässig das offizielle Testen wirklich ist und welcher Kontrolle die Testzentren unterliegen.

Ein Schild weist den Weg zu einen Corona-Testzentrum.
Werden bestimmte Hygienemaßnahmen und Lagerungsvorschriften nicht eingehalten, können Schnelltests in Corona-Testzentren falsch-negativ sein. Bildrechte: dpa

Wenn die Ergebnisse von Schnelltests in den Testzentren falsch-negativ sind, sei das natürlich ein Problem, sagt Johannes Niessen. Er ist Vorsitzender des Berufsverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und leitet das Gesundheitsamt in Köln.

Niessen sagt, dass es teils deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den Testzentren gebe: Wenn testenden Ärzten solche Qualitätsprobleme wiederholt auffielen, dann "empfehlen wir, sich beim örtlichen Gesundheitsamt zu melden."

Testzentren werden nur stichprobenartig geprüft

Die lokalen Gesundheitsämter sind zuständig für die Kontrolle der Testzentren. Wenn ein Neues eröffne, werde es genau überprüft – unter anderem auf Hygiene oder die angewendeten Tests, erklärt Isabelle Oberbeck, Leiterin des Gesundheitsamts Weimar: "Im Verlauf ist es dann so, dass wir versuchen, die Testzentren quartalsmäßig zu begehen." Das sei abhängig davon, was gerade leistbar sei – "und im Moment, muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen, ist das sehr schwierig und eher strichprobenartig der Fall."

Bisher habe es hinsichtlich falsch-negativer Ergebnisse einen Fall in Weimar gegeben, berichtet Oberbeck. Dort seien Tests falsch gelagert worden.

Sorgfältiges Testen leidet unter hoher Nachfrage

Dass ein Test im Testzentrum negativ, beim Arzt aber positiv ausfällt, könne mehrere Gründe haben, so Oberbeck. So sei etwa der Testzeitpunkt wichtig: Bei manchen Menschen würden Tests erst nach drei Tagen positiv. Außerdem sei ein korrekter Abstrich wichtig. Der wird nämlich manchmal nicht sorgfältig genug entnommen.

Oberbeck vermutet als häufiges Problem einen hohen Durchsatz an Testpersonen. Oberbeck möchte nicht nur "finanzielle Aspekte" unterstellen, doch wenn die Schlange lang sei, "dass man das einfach schnell abarbeiten möchte."

Temperaturunterschiede können Tests verfälschen

Wird der Abstrich korrekt durchgeführt, löst er im Rachen einen leichten Würgereiz aus – und das Stäbchen in der Nase sollte für ein paar Tränen sorgen, erklärt Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Laborärzte. Außerdem dürften nur bestimmte Tests in den Testzentren genutzt werden. Doch manchmal mangele es auch am Umgang damit: Die Tests funktionierten etwa nur bei Raumtemperatur richtig.

Bobrowski erklärt: Man habe im Winter wiederholt erlebt, dass Patienten draußen abgestrichen würden. "Entweder ist man dann in die Wärme gegangen – das heißt, in aufgeheizte Container – oder aber die Tests haben die ganze Zeit draußen gestanden, waren eiskalt. Dann stimmt natürlich weder die Reaktionstemperatur noch sonst irgendetwas."

Verband: Testzentren müssen professioneller werden

Bei den Testzentren sei die strenge Einhaltung der richtigen Testbedingungen nicht so gewährleistet wie in einem Labor, erklärt Bobrowski. Die Labor-PCR-Ergebnisse mit einer Positivrate von bis zu 70 Prozent zeigten jedoch, dass der Umgang mit den Schnelltests generell gar nicht so schlecht sei. Trotzdem fordert sein Verband mit Blick auf den Herbst, dass die Testzentren professioneller werden müssen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. März 2022 | 06:00 Uhr

4 Kommentare

kleiner.klaus77 vor 25 Wochen

@Nochjemand
Wer oder was ist denn Ihrer Meinung nach zertifiziertes Fachpersonal? Ist es denn nicht wichtiger, dass die Probenentnahme und die Probenauswertung korrekt durchgeführt wird?

NochJemand vor 25 Wochen

Ein Coronatest, der immerhin als "amtlicher Nachweis" und Eintrittskarte für viele Veranstaltungen und Restaurants dient, sollte eigentlich nur von zertifiziertem Fachpersonal vorgenommen werden. Sonst kann man ihn gleich selbst zu Hause machen.
Aber da geht eben doch manchmal die pekuniäre Absicht vor. Mit einem Testzentrum zieht man nicht nur Kundschaft an, z.B. in Shoppingmalls. Sondern eben auch zahlende Kundschaft. Dass diese "Kunden" den Test nicht aus eigener Tasche zahlen, stellt sicher eine Extramotivation dar. Da wird mit möglichst wenig Personal und Aufwand eben möglichst viel abgewickelt.
Somit ist aber der Abstrichtest als Bollwerk gegen die Pandemie brüchig bis nutzlos.

THOMAS H vor 25 Wochen

MDR-Team: Mit was lässt sich diese Behauptung belegen? Ich habe verschiedene Stichpunkte eingegeben und keinen Erfolg gehabt. Aber vielleicht kann ja ein Hinweis, unter Richtlinienbeachtung, von euch helfen. DANKE

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