Cybersicherheit Quantentechnologie-Startup aus Jena gewinnt IQ Innovationspreis

Zwei IT-Experten aus Jena haben mithilfe von Quantenoptik eine Methode zur Datenverschlüsselung entwickelt, mit der in Zukunft Hackerangriffe vermieden werden könnten. Für ihre Innovation wurden sie nun ausgezeichnet.

Eine Hand in grünem und blauem Licht.
Der IQ Innovationspreis Mitteldeutschland geht 2022 nach Thüringen. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Der moderne Mensch ist durchschaubar. Wen er liebt, wofür er bezahlt, was er Freunden schreibt. Es lässt sich fast alles herausfinden – zumindest für Hacker, die es darauf anlegen.

Doch nun kommt Kevin Füchsel von der Firma Quantum Optics Jena und sagt, auch im digitalen Zeitalter könne man Geheimnisse sicher schützen: "Die Erfindung betrifft in der Tat eine Idee, wie man in Zukunft sicherstellen kann, dass unsere Kommunikation nicht durch Dritte abgehört werden kann."

Füchsels Firma bringt in Europa eine Technologie auf den Markt, die Daten mit Quantenoptik verschlüsselt. Für Laien ist das schwer zu verstehen. Vereinfacht gesagt garantieren zwei Lichtteilchen, die wie Puzzle zueinander passen, dass wirklich nur der Empfänger einer Information lesen kann, was für ihn gedacht ist.

Vom Uniklinikum Jena zum Gesundheitskiosk in Sundhausen

Der IT'ler erklärt: "Ein Anwendungsfall, den wir gerade vorbereiten, ist in Thüringen. Da soll es eine Verbindung zwischen Jena und dem kleinen Örtchen Sundhausen geben, um dort einen Gesundheitskiosk zu sichern." Dort sollen Gesundheitsdaten von Patientinnen und Patienten an das Universitätsklinikum Jena übertragen werden und ein Austausch stattfinden können, ohne Datenschutzthemen zu berühren.

Mit Quantenoptik ließe sich auch die Kommunikation zwischen Behörden verschlüsseln, Geldüberweisungen könnten gesichert werden.

Bedarf an Datenverschlüsselung steigt

Hanka Fischer, die Organisatorin des IQ Innovationspreises Mitteldeutschland, sagt, der Bedarf an Datenverschlüsselung steige. Auch deswegen hätte Quantum Optics Jena die Jury überzeugt. "Der Gesamtpreisträger ist mit einem komplett neuen Ansatz, mit einer Sprunginnovation, am Start." Es komme Quantentechnologie, in dem Fall Quantenphysik, zum Einsatz, wodurch ganz andere Verschlüsselungsmöglichkeiten möglich seien.

Das sei in Europa bisher recht einzigartig. "Und das haben die Jurorinnen und Juroren erkannt – und haben deshalb den Preis an Quantum Optics Jena vergeben", sagt Fischer.

Politik muss über Technologieeinsatz entscheiden

Die Verleihung des Preises fand in Köthen statt – im Landkreis Anhalt-Bitterfeld, der vor einem Jahr Opfer eines Hackerangriffs wurde. Ob sich solche Angriffe künftig verhindern ließen? Das hänge auch vom politischen Willen ab, sagt Co-Gründer Oliver DeVries.

Die Behörden müssten für mehr Sicherheit in entsprechende Technologie investieren. "Beispielsweise China ist da sehr weit. Die haben mittlerweile über 5.000 Kilometer Strecke quantenkryptographisch angeschlossen. Also die können über 5.500 Kilometer Länge im gesamten Land quantenkryptographisch chiffriert ihre Daten versenden. Und das ist dort ein politischer Wille. Und so könnte es auch in Europa werden. Und auch in Nordamerika", sagt DeVries.

Flächendeckende Quantenverschlüsselung

Bislang laufe der Westen der Entwicklung hinterher, meint der Co-Gründer von Quantum Optics. Sein großes Ziel sei die Quantenverschlüsselung für alle – dass dort, wo Glasfaserkabel verlegt werden, automatisch auch eine sichere Verschlüsselung angeboten werde – für E-Mails, für Videogespräche, für die normale Kommunikation. Damit für Jedermann ein Geheimnis ein Geheimnis bleibt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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