Ulmer Münster Rassismus-Debatte um die Heiligen Drei Könige

Ob unterm Weihnachtsbaum oder in der Kirche: Eine Krippe gehört für viele Menschen zum Weihnachtsfest dazu. Doch um die Darstellung der Heiligen Drei Könige ist eine Diskussion entbrannt: Ist die Figur des schwarzen Königs rassistisch? Das Ulmer Münster sieht das so und will sie dieses Jahr nicht in die Krippe stellen. Wie sehen die Kirchen in Mitteldeutschland das?

"Sterndeuter aus dem Osten" – nur davon sei im Matthäus-Evangelium die Rede, sagt Tobias Schüfer. Er ist Regionalbischof von Meiningen-Suhl bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Wie viele es waren, stehe in der Bibel dagegen nicht – auch nicht, ob es Könige waren, wie sie hießen oder ob einer von ihnen schwarz war, erklärt Schüfer.

Die Darstellung, wie wir sie heute kennen, habe sich über die Jahrhunderte erst entwickelt. "Und in bildlichen Darstellungen, vor allem dann ab dem Mittelalter, sehen wir, dass einer der drei Könige ein Afrikaner gewesen ist und seitdem ist eben einer von dreien mit dunkler Hautfarbe dargestellt."

Warum die Darstellung problematisch sein kann

Die drei Könige, sagt Schüfer, standen für die drei damals bekannten Erdteile Europa, Asien und Afrika. Den schwarzen König ganz wegzulassen, hält er deshalb für ein schlechtes Signal: Es sei doch gut, wenn auch schwarze Menschen in der Krippe präsent seien. Die Frage sei nur, wie sie dargestellt werden: Schüfer kann die Entscheidung aus Ulm deshalb verstehen.

Die Kernfrage ist: Ist die Darstellung würdigend oder entwürdigend? Und die Darstellung in Ulm ist offensichtlich so verzeichnet, wie man sich in den 1920er Jahren einen Afrikaner vorgestellt hat.

Tobias Schüfer Regionalbischof von Meiningen-Suhl

Krumme Beine, eine fliehende Stirn und dicke Lippen, so sieht die Ulmer Melchior-Figur aus. Bei keinem dieser Merkmale ist überliefert, ob einer der drei Könige tatsächlich so ausgesehen hat. Schüfer selbst seien bei seinen Kirchbesuchen der letzten Jahre keine problematischen Darstellungen aufgefallen, sagt er. Trotzdem spreche nichts dagegen, dass die Gemeinden bei ihren Figuren nochmal genauer hinschauen.

Verständnis für die Entscheidung aus Ulm

Auch die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Sachsen teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, das liege in der Verantwortung der einzelnen Gemeinden. Man verstehe die Entscheidung im konkreten Fall in Ulm aber durchaus. Das geht auch Maria Faber so. Sie ist Geschäftsführerinder Kommission "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" beim Bistum Magdeburg.

Krippenfiguren würden oft aus einer Zeit stammen, in der rassistische Stereotype noch nicht so reflektiert worden seien, sagt sie. "Aber wenn wir heute neu gucken – und dazu sind wir verpflichtet, das ist etwas, Menschen ja ein Leben lang tun, Neues dazulernen, andere Wahrnehmungen mit einzuarbeiten – dann geht es darum, dass wir uns natürlich zu verhalten haben und nicht immer alte Darstellungen reproduzieren."

Kein Blackfacing beim Sternsingen

Es spreche also nichts dagegen, eine rassistische Darstellung durch eine neue, angemessenere Figur zu ersetzen, findet Faber. Schließlich seien über die Jahre in vielen Krippen beispielsweise auch mehr Frauenfiguren dazugekommen. Und auch beim traditionellen Sternsingen, bei dem sich Kinder als die Heiligen Drei Könige verkleiden, habe es ja ein Umdenken gegeben.

Die Organisatoren raten inzwischen davon ab, die Kinder schwarz zu schminken, sagt Faber. "Lassen Sie das lieber. Sehen Sie, welche Vielfalt an Kindern Sie in Ihren Kirchgemeinden haben im Aussehen, in den Herkünften, die wir haben vor Ort, dass wir die nutzen und nicht ein weißes Kind schwarz schminken."

Das sei eine Frage des Respekts, findet auch Michael Baudisch, der Sprecher des Bistums Dresden-Meißen. Auch die Entscheidung aus Ulm kann er nachvollziehen. "Wenn es Menschen gibt, die sich daran wirklich stören, dann sollte man überlegen, dass man den vielleicht gegen eine andere schwarze Figur austauscht. Aber natürlich gehören die Heiligen Drei Könige in die Krippe und haben ihren festen Platz dort."

Im Zweifel gehe es also weniger darum, ob die Heiligen Drei Könige weiter in der Krippe stehen, sondern vielmehr darum, wie die Figuren konkret aussehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2020 | 07:56 Uhr

91 Kommentare

part vor 49 Wochen

Ich fasse es einfach nicht...nun wird auch noch über den Aberglauben aus 1000 und 1 Nacht wissenschaftlich gefachsimpelt. Dabei ist doch schon längst bekannt, das die Biblia, das Buch der Bücher eine Zusammensetzung einzelner Manuskripte aus unterschiedlichen Epochen ist, die einzeln kopiert, übersetzt und entsprechend in den Einzelwerken schon durch die Schreiber umgedeutet wurden. Heraus kam irgendwann ein Einzelwerk, das wiederum durch Übersetzungen und handschriftliche Kopien verändert wurde bis dann der Buchdruck erfunden wurde und ein Herr Luther seine eigene Interpretation einbrachte. Wahrscheinlich ging es in den ursprünglichen durchaus sinnvollen Einzel- Manuskripten um die Geschichte der Menschwerdung, die dem Volk in einer einfachen Darstellung erklärt werden sollte, heraus gekommen ist eine Zusammenfassung, die ins mythenhafte abdriftet und mit dem eigentlichen Geschichtsberichten nicht mehr viel gemein haben dürfte. Doch eine Jeder möge daran glauben, was ihm beliebt...,

Atheist vor 49 Wochen

Ob Melchior, Mohrenkopf, Zigeunerschnitzel... irgendwann kommt der Punkt wo ein Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.
Es wird mit solchen Aktionen genau das Gegenteil erreicht, und die Akzeptanz zu einer angeblichen Multikulturellen Gesellschaft weiter konterkariert!
Ich frage mich auch wie viele Afrikanishe Leute in Ulm Weihnachten kennen und in die Kirche gehen?

mensrea vor 49 Wochen

@critica: Von Abschaffen der religiösen Feiertage war keine Rede, sondern ihnen ein humanistisches Fundament geben, weg vom Religiösem. Seien wir doch erhrlich, vor allem in Ostdeutschland ist doch Weihnachten vorallem ein Familienfest, mal abgesehen von den heidnischen Symbolen. Und mir persönlich als Freiberufler, ist es herzlich egal ob es diese Feiertage gibt. Ich habe zwar frei, aber das haben auch meine Kunden. Und wenn die frei haben, verdiene ich nix und bekomme auch kein Geld von anderen. Und man könnte ja ernsthaft drüber nachdenken, statt der Feiertage einfach den gesetzlichen Mindesturlaub um diese Anzahl zu erhöhen. Dann schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe.

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