Razzia Oligarch Usmanov: Welche seiner Geschäfte deutsche Steuerfahnder interessieren könnten

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den russisch-usbekischen Milliardär Alisher Usmanov. Dabei soll es um den Vorwurf der Steuerhinterziehung gehen. Nach gemeinsamen Recherchen von BR und MDR könnte es sich um ein millionenschweres Verfahren handeln.

Alischer Usmanow mit russischen Unternehmern, 2019
Der Oligarch Alisher Usmanov mit russischen Unternehmern. Bildrechte: dpa

Der russisch-usbekische Oligarch Alisher Usmanov ist seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs immer wieder in deutschen Medien aufgetaucht. Das liegt vor allem daran, dass ihm eine freundschaftliche Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt wird. Es liegt aber auch daran, dass sich Usmanov seit einigen Jahren regelmäßig in Deutschland aufhält: in einem kleinen Ort am bayrischen Tegernsee.

Drei SEK-Beamte vor einer Haustür 1 min
Razzia am Tegernsee: Villa von russisch-usbekischen Oligarchen Alisher Usmanov durchsucht Bildrechte: Bayerischer Rundfunk
1 min

Mi 21.09.2022 13:08Uhr 00:27 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/video-657304.html

Rechte: Bayerischer Rundfunk

Video

Razzien in Wohn- und Geschäftsräumen

Die Fischerstraße in Rottach-Egern ist eine der exklusivsten Wohnadressen in Deutschland. Seit 2011 hat der russische Milliardär hier ein Anwesen. Hier soll er bis zum Ausbruch des Ukraine-Krieges in schöner Regelmäßigkeit gewohnt haben. Doch seit er neben weiteren Oligarchen und Vertrauten des russischen Präsidenten auf die EU-Sanktionsliste gesetzt wurde, soll Usmanov am Tegernsee nicht mehr gesehen worden sein.

Das hat Beamte der Staatsanwaltschaft München II, des Bundeskriminalamtes und der Steuerfahndung nicht davon abgehalten, seit Mittwochmorgen die Villa zu durchsuchen. Zeitgleich laufen Razzien in weiteren Wohn- und Geschäftsräumen in Deutschland, die im Zusammenhang mit Usmanov stehen sollen. Nach Recherchen von BR und MDR soll es um den Vorwurf der millionenschweren Steuerhinterziehung gehen.


Im Fokus sollen dabei Usmanovs Aufenthalte am Tegernsee stehen. Da er in Rottach-Egern eine Villa und damit eine Wohnung im rechtlichen Sinne besitzt und diese auch oft und über längere Zeit genutzt haben soll, hätte er in Deutschland möglicherweise eine Steuererklärung machen müssen, so der Verdacht der Ermittler. Doch das hat der Oligarch offenbar seit Jahren nicht getan. Was bedeutet, dass er Steuern hinterzogen haben könnte.

Genau das soll wohl in dem laufenden Ermittlungsverfahren untersucht werden. Aus diesem Grund werden nun Usmanovs Immobilien auf den Kopf gestellt. Die Ermittler gehen seinen geschäftlichen Aktivitäten nach, um herauszufinden, ob und gegebenenfalls wie viel Geld Usmanov dem deutschen Staat schulden könnte. Dass es dabei um eine hohe Summe gehen könnte, ergibt sich allein schon aus seinen dutzendfachen geschäftlichen Aktivitäten, die seit Jahren öffentlich bekannt sind.

Milliardenvermögen im Visier der Ermittler

Laut einer Schätzung des amerikanischen "Forbes"-Magazins wird Usmanov aktuell ein Vermögen im Wert von rund 14,6 Milliarden Euro zugerechnet. Nach Informationen von BR und MDR könnte ein erheblicher Teil seines Milliarden-Vermögens für die Berechnung seiner mutmaßlichen Steuerschulden herangezogen werden. Damit dürfte es sich wohl um eines der größten Steuerstrafverfahren in der bundesdeutschen Geschichte handeln.

Boxen mit der Aufschrift USM stehen gestapelt aufeinander.
Usmanovs USM-Holding. Bildrechte: dpa

Usmanov ist in zahlreichen Geschäftsfeldern aktiv. So unterhielt er die Gallagher Holdings Ltd., eine Investment-Gesellschaft auf Zypern. Mit ihr und weiteren Investment-Firmen soll er jahrelang Anteile von Unternehmen in verschiedenen Branchen gekauft und verkauft haben. Er soll Beteiligungen an Apple, Facebook und dem russischen Facebook-Pendant vk.com gehalten haben. Einen großen Teil seines Vermögens hat er mit der Metalloinvest gemacht, einem internationalen Bergbau- und Metallgiganten. Außerdem gehören ihm auch Anteile am russischen Telekommunikationskonzern "MegaFon".

Diese und andere Firmen hatte Usmanov vor einigen Jahren unter anderem in der USM-Holding gebündelt. Bei den Käufen und Verkäufen hatte der Oligarch immer wieder hohe Millionensummen verdient. Zudem sind aus den Gewinnen der Firmen Dividenden ausgeschüttet worden. Die dürften auch in Usmanovs Tasche geflossen sein. Diese Geschäfte und die millionenschweren Einnahmen dürften die Fahnder brennend interessieren. Denn daraus würden sich Erkenntnisse der Gelder ergeben, die Usmanov in Deutschland hätte möglicherweise versteuern müssen, wenn sich der Verdacht der Steuerhinterziehung erhärten sollte.

Anteile am englischen Fußballclub Arsenal London

In diesem Zusammenhang könnte für die Ermittler auch sein geschäftliches Engagement beim englischen Top-Fußballclub Arsenal London von Interesse sein. Bereits 2007 war Usmanov über die Investmentgesellschaft Red and White Securitis Ltd. in den Club eingestiegen. Erst hatte er knapp 15 Prozent der Anteile gekauft. Die stockte er dann auf 23 Prozent und in der Folge auf 30 Prozent auf. Als es zwischen Usmanov und weiteren Investoren zu einem Zerwürfnis kam, verkaufte er im August 2018 seine Anteile. Damit soll Usmanov Erlöse von über einer halben Milliarde Euro erzielt haben. Auch diese Summe könnte im laufenden Steuerstrafverfahren eine Rolle spielen.

Wladimir Putin und Alischer Usmanow, 2018
Ein Bild von 2018: Kremlchef Wladimir Putin trifft Alischer Usmanow Bildrechte: Colourbox.de

Neben seinem Firmenimperium wird Usmanov eine ansehnliche Luftfahrflotte zugerechnet. Dazu sollen ein Airbus A340-300, eine Dassault Falcon und zwei Airbus Helicopter gehören. Nach Recherchen von BR und MDR sollen die Maschinen einem undurchsichtigen Geflecht von Gesellschaften in Zypern oder den Cayman Islands gehören. Möglicherweise wollte der Oligarch auf diesem Weg Vermögen verschleiern. Auch das dürfte für die Ermittler von Interesse sein.

Nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs hatte die Europäische Union eine umfassende Sanktionsliste erlassen. Auf ihr stehen Namen von russischen Oligarchen, Politikern und engen Vertrauten des russischen Präsidenten Putin. Auch Alisher Usmanov steht auf dieser Liste. Damit wurde Ende Februar dieses Jahres sein gesamtes Vermögen in der EU eingefroren. Usmanov geht wie auch drei weitere Oligarchen – Roman Abramovich, Mikhail Fridman und Petr Aven – juristisch gegen die Sanktionen vor. Die Männer haben Ende Juli vor dem Europäischen Gerichtshof Klage gegen die Sanktionen eingereicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. September 2022 | 10:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Viele Rettungsssanitäter bei einer Übung mit vielen Verletzten auf einer Wiese 1 min
Azubis der Johanniter trainieren für den Ernstfall Bildrechte: MDR

Mehr aus Deutschland