Europol-Ermittlungen Bundesweite Razzia gegen vietnamesische Menschenhändler

Die Bundespolizei ist mit Durchsuchungen in mehreren Städten gegen organisierte vietnamesische Schleuserkriminalität vorgegangen. Zeitgleich wurden am Montagmorgen ab 6 Uhr 33 Objekte in Deutschland und der Slowakei durchsucht – unter anderem auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Polizisten gehen bei einer Razzia gegen Schleuser in eine Wohnung
Durchsuchungen fanden unter anderem in Sachsen und Sachsen-Anhalt statt. Bildrechte: dpa

In einer europaweiten Aktion zur Bekämpfung von Menschenhandel sind am Morgen Wohnungen in sieben Bundesländern und in der Slowakei durchsucht worden. Nach Informationen des MDR waren 700 Beamte an insgesamt 33 Razzien in Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie in der slowakischen Hauptstadt Bratislava beteiligt.

Ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle teilte mit, der Schwerpunkt des Einsatzes sei in Berlin gewesen. Dort sei auch eine der beiden Hauptbeschuldigten, eine vietnamesische Staatsangehörige, festgenommen worden. In Bratislava gab es demnach eine weitere Festnahme.

Menschen aus Vietnam geschleust

Dem Polizeisprecher zufolge wird den festgenommenen Frauen gewerbsmäßige Einschleusungskriminalität vorgeworfen. Sie gelten den Angaben zufolge als die Drahtzieherinnen und sollen Menschen aus Vietnam über konspirative Wohnungen in der Slowakei nach Deutschland geschleust haben. Es seien "Schleuserlöhne" von 13.000 bis zu 21.000 Euro verlangt worden. Im Anschluss seien die Betroffenen gezwungen worden, die dadurch entstandenen Schulden in Nagel- oder Massagestudios oder auch in sogenannten Bordellwohnungen abzuarbeiten.

Bei den Durchsuchungen seien zahlreiche Dokumente, Datenträger sowie Bankverbindungen sichergestellt worden. Von besonderer Bedeutung sei bei dem Einsatz der Opferschutz, so der Sprecher. Knapp 50 Menschen seien in den durchsuchten Objekten angetroffen worden. Nun werde geprüft, ob eine besondere Schutzbedürftigkeit vorliege. Dafür seien speziell geschulte Beamte an dem Einsatz beteiligt.

Razzien in Leipzig und Halle

Razzia
Auch in diesem vietnamesischen Restaurant in Halle wurde am Montag eine Razzia durchgeführt. Bildrechte: Ekkehard Muntschik

Am Mittag wurden je ein asiatisches Restaurant und anliegende Wohnungen in Leipzig und Halle durchsucht. Nach Angaben der Bundespolizei wurden dabei jeweils zwei (in Leipzig) und fünf Personen (in Halle) festgestellt, die sich illegal in Deutschland aufhalten dürften. Diese sollen für geringen Lohn, deutlich unter Mindestlohn, in den Restaurants gearbeitet haben. Auch hier konnten umfangreiche Beweismittel wie Smartphones, Speichermedien sowie diverse Unterlagen und Dokumente beschlagnahmt werden. Aus den Beweismitteln sollen nun Tatnachweise erbracht und Verbindungen zu weiteren Tatverdächtigen hergestellt werden.

Nach Angaben des Sprechers erfolgte der Einsatz im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Berlin und der Staatsanwaltschaft Leipzig. Eingebettet sei dies in Ermittlungen von Europol.

MDR/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Mai 2021 | 07:30 Uhr

3 Kommentare

H.E. vor 27 Wochen

Wöchentlich kann man in der bayerischen Presse lesen, daß Schleuser Migranten nach D bringen, viele auch über die Balkanroute und sehr häufig auch über die Slowakei. Für Schleusungen aus dem arabischen Raum kommen die Schleuser häufig aus der Türkei und auch aus Syrien etc.. Es scheint inzwischen ein sehr lukratives Geschäft zu sein.

Harka2 vor 27 Wochen

Das Problem ist nicht das Herkommen. Das ist mit einem Touristenvisum leicht möglich. Das Problem ist alles weitere. Was nützt es ein fremdes Land mit einer fremden Kultur und einer fremden Sprache zu erreichen, wenn man dort leben will? Man braucht Unterkunft, Arbeit und Personen, die einen über die ersten Hürden helfen.

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 27 Wochen

Schleuserkriminalität?

Ich kann mir das gar nicht vorstellen wie man Menschen nach Deutschland einschleusen will. Der Bundesgrenzschutz würde diese doch aufhalten.

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