Keine Verbindung Böhnhardt - Peggy Zweifel an Trugspur-Erklärung der Behörden

Die mutmaßliche Verbindung zwischen dem Mord an der neunjährigen Peggy und Rechtsterrorist Uwe Böhnhardt hat sich in Luft aufgelöst. Bei den Anwälten der NSU-Opfer sind die Reaktionen darauf unterschiedlich. Einer glaubt nicht daran, dass die Ermittler nur geschlampt haben sollen.

"Nein" - so lautete vor rund drei Monaten die lapidare Antwort von Beate Zschäpe auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob sie etwas über den Fall Peggy wisse. Das ist heute glaubhafter denn je, da die Ermittler eine Täterschaft des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt nunmehr ausschließen. Die Reaktionen der Prozessbeteiligten fielen dennoch unterschiedlich aus.

Aus Spur wird Trugspur

Eher nüchtern betrachtet es der Nebenklage-Anwalt Sebastian Scharmer. Er sagt, er selbst sei nie davon ausgegangen, dass sich der NSU durch gewerbsmäßige Kinderprostitution finanziert habe. Es habe aber Anhaltspunkte gegeben, dass auch Kinderpornographie eine Rolle gespielt haben könnte. "Es gab solche Bilder, die auf einem Laptop sichergestellt wurden. Es gab auch in Böhnhardts Vergangenheit Spuren, die jedenfalls nicht unplausibel gewesen wären. Deswegen musste man der Spur nachgehen. Nun scheint es erst einmal, für diese Spur jedenfalls, geklärt zu sein, dass es sich um eine Trugspur handelt."

Opferanwalt: "Verunreinigung vollkommen unglaubhaft"

Dennoch gibt es Beobachter, für die ein Zusammenhang zwischen NSU und Kindesmissbrauch, möglicherweise auch gewerbsmäßiger Kinderpornographie, nicht vom Tisch ist.

Scharmers Kollege Walter Martinek etwa will sich mit den staatsanwaltlichen Ermittlungsergebnissen nicht zufrieden geben. Er hält sie für vorgeschoben und glaubt nicht an eine Panne: "Ich halte das für vollkommen unglaubhaft. Und eigentlich auch für vollkommen ausgeschlossen. Das würde ja bedeuten, dass den Beamten, die da bei der KTU [Kriminaltechnische Untersuchung, Anmerkung der Redaktion] unterwegs waren, nicht aufgefallen ist, dass an ihrem Zollstock ein doch deutlich sichtbares Stoff-Stücklein dranhängt. Und das nicht nur bei einer Untersuchung, sondern der wurde ja mit Sicherheit mehrfach benutzt in den dazwischenliegenden fünf Jahren. Und das ist nicht nur unwahrscheinlich. Das ist aus meiner Sicht ausgeschlossen!" Martinek spricht von einer Schutzbehauptung, will aber auch nicht darüber spekulieren, wie sich der DNA-Treffer sonst erklären lässt.

Anwalt Scharmer hält die Trugspur-Erklärung dagegen für glaubhaft, wenn auch ausgesprochen unerfreulich: "Es ist ärgerlich, dass solche Verunreinigungen geschehen. Aber es zeigt halt eben auch, dass eine DNA-Spur nur so gut ist wie ihre Sicherstellung."

"Gericht verlässt sich allein auf Zschäpe-Aussage"

Auch Nebenkläger Mehmet Daimagüler schüttelt den Kopf über die Ermittlungspanne - und bedauert, dass die Bayreuther Erkenntnisse die Aufklärungsarbeit nicht weitergebracht haben. Er sagt: "Nach dem heutigen Tag kann man, was die Beziehung NSU/Peggy angeht, nur sagen: 'Wir wissen, dass wir nichts wissen.' Und das ist sehr unbefriedigend." Es habe im Umfeld genügend Indizien gegeben, um der Spur gewissenhaft nachzugehen. "Ich hätte mir gewünscht, dass das Gericht das auch getan hätte." Im Grunde genommen habe man sich aber nur auf die Aussage Beate Zschäpes verlassen.

Mord an Peggy im NSU-Prozess nun außen vor

Vor Gericht dürfte der Fall Peggy nun keine Rolle mehr spielen. Seit dieser Woche ist ohnehin klar, dass der Vorsitzende Richter aufs Tempo drückt und die Beweisaufnahme schnellstmöglich abschließen will. Am Mittwoch verlängerte er jedoch die Frist, innerhalb derer die Prozessbeteiligten ihre letzten Beweisanträge stellen können.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 08.03.2017 | 19:30 Uhr

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