Recycling von Windkraftanlagen Warum die Entsorgung alter Windräder so kompliziert ist

Windenergie gilt als einer der entscheidenden Faktoren im Kampf gegen den Klimawandel. Doch mit Beginn des Jahres endete für die Betreiber von rund 6.000 Windkraftanlagen die Subvention nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Ohne diese Einspeisevergütung rechnet sich für viele Windräder älteren Baujahrs der Weiterbetrieb oft nicht mehr. Sie abzureißen und zu entsorgen, ist kein einfaches Unterfangen.

Nachrichten

Mehrere Windräder stehen in der Landschaft. 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
4 min

Der Rückbau alter Windkraftanlagen ist kompliziert und oft auch eine Belastung für die Umwelt. Ein Hörer wollte wissen, welche Fortschritte es beim Recycling alter Anlagen gibt.

MDR AKTUELL Do 21.04.2022 06:21Uhr 04:04 min

Audio herunterladen [MP3 | 3,7 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 7,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/hoerer-programm/demontage-windraeder-umweltprobleme-audio-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Auch MDR AKTUELL-Hörer Karl-Heinz Zahn aus Leipzig beschäftigt das Thema: "Vor nicht allzu langer Zeit gab es einen Bericht, dass die Entsorgung von Windkraftanlagen ziemlich kompliziert und umweltschädlich ist und meine Frage ist: Ist das so geblieben?"

Rotorblatt eines Windrades
Rotorblätter von Windrädern sind schwer zu recyclen. Bildrechte: dpa

Das Recycling von Windkraftanlagen ist tatsächlich eine enorme Herausforderung. Dabei sind der Mast und die Anlage selbst das geringere Problem. Die hier verbauten Materialien wie Beton, Stahl und Kupfer lassen sich relativ leicht recyceln und unter anderem in der Bauindustrie wiederverwenden. Schwieriger ist es bei den circa 100 Meter langen Rotorblättern.

Oft werden diese an Ort und Stelle zerkleinert, um sie abtransportieren zu können. Eine Gefahr für die Umwelt, so Professor Holger Seidlitz vom Fraunhofer Institut in Wildau. "Das große Problem bei der Vorortzerkleinerung besteht darin, dass die Böden kontaminiert werden, das heißt, dass alle Bestandteile, die in den Rotorblättern enthalten sind, in Form von Staub, Chips oder anderen Kleinteilen eben in den Boden übergehen."

So funktioniert das Recycling von Rotorblättern

Am Fraunhofer Institut in Wildau befassen sich Wissenschaftler mit dem Recyceln dieser Rotorblätter. Dabei wird zwischen dem mechanischen und dem chemischen Recycling unterschieden. Professor Holger Seidlitz zeigt ein Video: Zu sehen ist ein großer, auf einem Lkw montierter Schredder. Ein Bagger bugsiert ein Rotorblatt in die Anlage.

"Wir haben bei uns laufende Forschungsprojekte, die sich damit beschäftigen, unter anderem mit der Vorortzerkleinerung, ohne dabei den Boden zu kontaminieren, und das funktioniert sehr gut. Wir sind also in der Lage, mit den entwickelten Anlagen mit unseren Partnern Rotorblätter in einem Stück in Form von Chips auf dem Acker zu zerkleinern. Das bietet auch logistische Vorteile, denn diese Rotorblätter lassen sich viel effizienter und schneller abtransportieren."

Diese zerkleinerten Teile landen unter anderem als Ersatzbrennstoff in der Baustoff- und als Sandersatz in der Zementindustrie. Darüber hinaus können die Chips chemisch recycelt werden. Hier beginnen die besonderen Schwierigkeiten. Das liegt an den faserverstärkten Kunststoffen, die in den Rotorblättern verwendet werden, erklärt Karina Klauke vom Fraunhofer Institut.

"Ein Faserverbundkunststoff besteht aus zwei Grundmaterialien: Zum einen die Faser – das kann ein Leinengewebe, Glasfasergewebe oder Kohlenstofffasergewebe sein – und aus einer Harzmatrix. Die Fasern werden mit der Harzmatrix imprägniert und zusammen vernetzt."

Wie lassen sich Faserverbundstoffe recyceln?

Diese Faserverbundstoffe sind schwer zu zerlegen. Professor Christian Heyer steht vor einem Gerät, das auf den ersten Blick aussieht wie ein überdimensionierter Backofen. Es ist eine Industriemikrowelle, in der sich ein großer Glaskolben mit mehreren Schläuchen und einer pechschwarzen Flüssigkeit befindet. "Das ist ein Reaktor in einem kleinen Maßstab von wenigen Litern, wir machen hier ein chemisches Recycling, weil Sie brauchen Energie, um in nennenswerten Zeiträumen den chemischen Abbau des Kunststoffs zu realisieren."

Durch die zugeführte Energie und die entsprechende Temperatur zerfallen die Faserverbundstoffe in zwei Teile. "Zum einen haben sie dann die zurückgewonnen Glas- oder Karbonfasern. Die haben dann natürlich nicht mehr die volle Länge von 95 Metern, die können sie aber in anderen Bauteilen einsetzen. Beispielsweise können sie dann für den Automobilbereich Spritzgussteile, die dann mit Fasern verstärkt werden, realisieren."

Zum anderen werden die Kunststoffe, die Harze wiedergewonnen. Allerdings ist das bisher nicht im industriellen Maßstab handhabbar. Wichtig für die Wissenschaftler am Fraunhofer Institut ist vor allem auch der Blick in die Zukunft. Sie entwickeln Materialien zur Herstellung von Rotorblättern, die später wesentlich einfacher zu recyceln sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. April 2022 | 06:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Elbe führt nur noch Niedrigwasser 1 min
Elbe bei Magdeburg Bildrechte: StraussTV
1 min 24.06.2022 | 16:44 Uhr

Die Elbe führt immer weniger Wasser. An der Magdeburger Strombrücke fiel der Pegel unter 65 Zentimeter. Die "Weiße Flotte" stellte ihren Betrieb ein. In Dresden sieht es ähnlich aus. Noch aber fahren dort die Dampfer.

Fr 24.06.2022 15:41Uhr 00:51 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/video-hitze-duerre-elbe-niedrigwasser-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr aus Deutschland