Regen und Kälte im Mai Reicht der Regen aus, um die Dürre zu kompensieren?

Den Mai haben sich viele sicher anders vorgestellt – ein bisschen mehr Sonne hätte es dann doch sein dürfen, vor allem aber: weniger Regen. Der Natur, den Wäldern und Feldern tut der Regen allerdings ziemlich gut. Aber: wie gut eigentlich? MDR AKTUELL-Hörer Richard Meyer fragt sich, ob der Regen der letzten Zeit ausreiche, um die letzten zwei Dürresommer zu kompensieren und wie viel Regen fallen müsste, damit die Dürre der letzten Jahre ausgeglichen werde.

Der Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Nein, es reicht nicht. Viele Bereiche in Sachsen-Anhalt, im Norden und Osten Sachsens und auch im Norden Thüringens sind immer noch dunkelrot. Dunkelrot steht für "außergewöhnliche Dürre" – mehr geht nicht. Oder besser: Weniger geht nicht. Deswegen sagt der Wasser- und Bodenexperte vom Umweltbundesamt in Dessau, Jörg Rechenberg: "Da können wir leider noch keine Entwarnung geben. In der Tat: Im Mai hat es jetzt gerade in Mitteldeutschland überdurchschnittlich geregnet, aber das bedeutet noch lange nicht, dass sich die gesamten Systeme, der Boden und die Ökosysteme schon komplett von den Trockenjahren 2018, 2019 insbesondere erholt haben."

Trockenheit in tiefen Bodenschichten

Die obere Bodenschicht – also bis 25 Zentimeter Tiefe – fülle sich nach einem ergiebigen Niederschlag recht schnell wieder auf, sagt Rechenberg. Anders sehe das aber beim Unterboden bis 1,80 Meter Tiefe aus. Die tiefer wurzelnden Bäume in den Wäldern seien etwa auf Wasser aus diesem Unterboden angewiesen: "Und da braucht es dann schon über einen deutlich längeren Zeitraum wieder Niederschlag, als wir es bisher gehabt haben, damit auch dort wieder die Wasserverfügbarkeit hergestellt ist", erklärt Rechenberg.

Das ist aber nicht der Fall. Die Niederschlagsmenge in diesem Frühjahr war nicht so groß, wie es vielleicht den Anschein hatte. MDR-Wetterexpertin Grit Krämer erklärt: "Dieses gefühlt kalte und nasse Frühjahr war zwar kalt, aber eigentlich gar nicht so nass. Im März fehlten in Thüringen 10 bis 42 Prozent des Regens, in Sachsen-Anhalt 13 bis 52 Prozent und in Sachsen rund 10 bis 40 Prozent. Der April war so kalt wie seit 40 Jahren nicht mehr. Aber das Niederschlagssoll hat auch er eindeutig verfehlt."

Erleichterung bei den Landwirten

Im Mai seien die Niederschlagsmengen in Thüringen und Sachsen-Anhalt bestenfalls durchschnittlich gewesen, sagt die Wetterexpertin. Einzig in Sachsen habe es deutlich mehr geregnet als im Schnitt der vergangenen 30 Jahre. Was die Sonnenanbeter ärgert, freut die Landwirte. Für die Landwirtschaft seien die Niederschläge der vergangenen Wochen gut, sagt der Acker- und Pflanzenbauspezialist des sächsischen Landesbauernverbands, Andreas Jahnel. Entspannt sei man in der Branche aber noch lange nicht: "Wir müssen berücksichtigen, dass wir in der Landwirtschaft insbesondere den Oberboden nutzen. Der Oberboden wurde relativ gut durchfeuchtet in den letzten Wochen. Aber die Wurzeln gehen ja auch etwas tiefer in den Boden hinein und brauchen natürlich den Anschluss an den Unterboden."

Und weil der zu trocken sei, könnte schon eine Hitzeperiode im Juni die gute Entwicklung wieder zunichtemachen, sagt Jahnel. Dem Boden fehle noch immer ungefähr die Regenmenge eines gesamten Jahres. Immerhin: Nach Angaben des Umweltbundesamts konnten sich die Talsperren, die für die Trinkwasserversorgung zuständig sind, durch den ergiebigen Regen im Mai deutlich besser auffüllen als in den Jahren zuvor.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Mai 2021 | 06:23 Uhr

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