"Die Selbstgerechten" Linke reagiert verhalten auf Wagenknechts neues Buch

Am Mittwoch erscheint das neue Buch von Sahra Wagenknecht. Es heißt "Die Selbstgerechten: Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt". Die Thesen, die Wagenknecht in der bereits veröffentlichten Leseprobe aufstellt, haben in den vergangenen Tagen schon heftige Reaktionen ausgelöst. Wie kommt ihr "Gegenprogramm" bei Linken-Politikern an?

Sahra Wagenknecht
Bildrechte: IMAGO

Sahra Wagenknechts Buch sei ein Diskussionsangebot weit über die Linke hinaus, sagt Klaus Tischendorf. Der 58-Jährige aus dem Erzgebirge war viele Jahre Landtagsabgeordneter der Linken in Sachsen. Seit zwei Jahren ist er einfaches Mitglied im Stadtverband Dresden.

Tischendorf findet: "Sahra Wagenknecht hat auf ihre eigene Art ein Diskussionsangebot gemacht und man sollte das auch als solches sehen und auch darüber diskutieren. Es ist natürlich erstaunlich, wie man dann sofort wieder jemanden versucht, in irgendeine Ecke zu stellen."

Sahra Wagenknecht polarisiert

Rechte Rhetorik wird Wagenknecht von Kritikern vorgeworfen. Zum einen wegen ihrer Aussagen zur Identitätspolitik: Sie kritisiert, dass immer kleinere und – wie sie schreibt – "immer skurrilere Minderheiten" Beachtung finden, während soziale Ungerechtigkeiten zu wenig bekämpft würden.

Doch nicht nur das. Linken-Politiker Tischendorf findet auch gut, dass Wagenknecht auch auf das Verhältnis zur Heimat eingeht. Denn "die Identität und die Heimat ist natürlich auch bei Menschen, die links denken, ein wichtiger Aspekt, und den sollte man nicht vernachlässigen."

Dann muss man sich auch bekennen zur Heimat und zu Dingen, die Tradition bedeuten, ohne gleich einen Maulkorb verpasst zu bekommen. Das ist auch das, was Sahra will.

Klaus Tischendorf | Linke-Stadtverband Dresden

Kritik an "Cancel Culture" & "Lifestyle"-Linke

Stefan Hartmann ist einer der Landesvorsitzenden der Linken in Sachsen. Die von Wagenknecht kritisierte Cancel Culture – also das Totschweigen, das Ausladen, das digitale Niederbrüllen von Menschen mit anderer Meinung – sieht er in der Partei nicht.

Hartmann ergänzt, man müsse auch wahrnehmen, dass Wagenknecht in Nordrhein-Westfalen mit 61 Prozent zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl gewählt worden sei. Wenn Sahra Wagenknecht etwa beschreibt, wie die Sozialdemokraten die Interessen der arbeitenden Menschen vernachlässigten, zum Beispiel mit Hartz IV und der Rentengesetzgebung, dann sehe das die Linke als Partei ähnlich, sagt Hartmann.

Doch Wagenknechts Kritik an den von ihr so genannten "Lifestyle"-Linken, die nie existenzielle soziale Ängste kennengelernt haben, widerspricht Hartmann: Man könne ja auch nicht behaupten, dass die Interessen der arbeitenden Menschen durch die Regierenden besonders gut beachtet würden. Die Linke hingegen verbänden die Interessen der Arbeitenden, sagt Hartmann.

Parteispitze reagiert zurückhaltend

Interviewanfragen bei mehreren sächsischen Linke-Bundestagsabgeordneten brachten kein Ergebnis – entweder aus Termingründen oder weil man das Buch nicht gelesen habe und sich deshalb nicht äußern wollte. In zehn Tagen nominiert die Linke in Sachsen ihre Kandidaten für die Bundestagswahl – möglicherweise auch ein Grund.

Denn die Zeit der Grabenkämpfe wollte die Linke eigentlich hinter sich lassen. Und die Parteispitze reagiert bislang zurückhaltend. Linken-Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler wurde allerdings schon deutlich: Es sei nicht zielführend, Menschen, die sich gemeinsam mit den Linken für eine bessere Gesellschaft einsetzen, Vorwürfe zu machen und sie so vor den Kopf zu stoßen, sagte er.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. April 2021 | 06:24 Uhr

41 Kommentare

Soldaten Norbert vor 3 Wochen

In den Nachrichten wird uns erzählt, dass Putin seine Truppen an der Grenze zur Ukraine sammelt und Manöver abhält. Er provoziere damit. Aha, dass nennt sich dann wahrhaftige Berichterstattung. Dass der Westen aber, inzwischen die Nato bist an die russischen Grenzen geschoben hat, dort ebenfalls Manöver abhält, wird in diesem Zusammenhang gern vergessen. Und wenn, werden uns solche Aktionen als Akt des Friedens verkauft. So siehts aus.

Soldaten Norbert vor 3 Wochen

Von den Mainstream-Medien wird Wagenknecht schon in die Rechte Ecke geschoben. Besonders schlimm, die "Meinung" von L. Kaddor. Üble Konstrukte und Verdächtigungen werden von ihr in den Raum gestellt. Gestern Abend sollte Wagenknecht eigentlich Gast bei M. Lanz sein. Wie gesagt sollte. Ausgeladen ?

part vor 3 Wochen

Niemand Anderes rechnet so schön ab mit Fakten, hier ein Auszug: Im letzten Jahr haben die europäischen NATO-Staaten 300 Milliarden Dollar für Rüstung ausgegeben, die NATO insgesamt 900 Milliarden Dollar, 900 Milliarden Dollar! Ein Zehntel dieser Summe würde genügen, damit auf dieser Welt kein einziges Kind mehr verhungert oder an Armutskrankheiten stirbt. Russland gibt 66 Milliarden aus. Wir reden also über eine Relation von 900 Milliarden zu 66 Milliarden und da erzählen Sie uns allen Ernstes, wir müssen noch weiter aufrüsten, damit Putin nicht vielleicht morgen vor den Türen Berlins steht? Wie krank ist das denn, was Sie hier verbreiten? Waffen und Kriegsgerät sind dieser Großen Koalition offenbar mehr wert als die Kinder in diesem Land... Zudem stellt sie weiterhin die verpflichtende Eigentumsfrage und twittert nichts Unnötiges in der Welt herum, sondern beschäftigt sich Kernfragen linker Politik. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau, die es immer wieder auf den Punkt bringt.

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