Corona Warum kommen so viele Antigen-Schnelltests aus China?

In unserer Reihe "Hörer machen Programm" geht es diesmal um eine Frage, die "MDR AKTUELL"-Hörer Gerald Vogt beschäftigt. Er möchte wissen, warum die zurzeit in Deutschland millionenfach benötigt Schnelltests aus China importiert werden. Wir sind der Frage auf den Grund gegangen.

Stimmt es, dass tatsächlich alle in Deutschland zugelassenen Schnelltests aus China kommen?

Wenn man das Kleingedruckte auf den Verpackungen ignoriert, dann dazu ein klares Nein. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat eine Übersicht aller in Deutschland zugelassenen Tests veröffentlicht. Danach kommen von 443 dort gelisteten Produkten 23 aus Deutschland und etwa 100 aus dem EU-Raum.

Zur Wahrheit gehört aber auch das Kleingedruckte. Und wer sich das genauer anschaut, sieht, dass kaum eine der 35 deutschen Firmen, die Corona-Selbsttests vertreiben, wirklich hierzulande produzieren lässt. Das hat eine MDR-Umfrage unter deutschen Herstellern jüngst auch bestätigt. Viele Firmen haben die Produktion ins Ausland verlagert, wie Siemens Healthineers zum Beispiel. Die lassen ihre Tests in den USA produzieren. Andere Firmen gehen in den asiatischen Raum, und dort vor allem nach China. Und da sind wir also wieder bei der Ausgangsfrage. Man kann also sagen: Nicht alle Tests kommen aus China, aber die meisten.

Warum ist das so? Ist das eine Kostenfrage?

Betrachtet man nur die Herstellungskosten – dann ja. Für deutsche Firmen ist die Produktion im Ausland wesentlich günstiger. Es ist nicht so sehr das Material, das beläuft sich meist nur auf wenige Cent, sondern vor allem das Personal. Das lässt sich ganz gut im Stundenlohn darstellen: In Deutschland liegt er für einen Facharbeiter in der Medizin-Branche bei 24,31 Euro, in China bei 6,19 Euro. 

Das Geld sei aber nicht der alleinige Knackpunkt für die Produktionsverlagerung, sagt der Verband der Diagnostica-Industrie, der etwa 100 Mitglieder in Deutschland hat. Es fehlen schlicht und ergreifend auch hier die Fachkräfte.

Sind denn die asiatischen Tests genauso zuverlässig?

Definitiv! Um hierzulande überhaupt eine Zulassung zu bekommen, müssen diese Tests bestimmte Kriterien und Bedingungen erfüllen. Von 100 positiven Proben mussten zum Beispiel 80 erkannt werden. Von 100 negativen Proben durften nur drei als positiv angezeigt werden. Eine weitere Bedingung ist, dass die Tests außerhalb eines Labors und binnen 15 bis maximal 30 Minuten durchführbar sein müssen. All das hat das Paul-Ehrlich-Institut im Rahmen des Zulassungsverfahrens geprüft und überprüft. 

Überall werden enorm viele Tests gebraucht. Nicht wenige Firmen beklagen, dass es nicht einfach sei, ausreichend Tests für ihre Angestellten zu besorgen. Müsste Deutschland da nicht aktiv werden, um die Abhängigkeit von anderen zu verringern?

Corona Schnelltests in der Sporthalle einer Schule
Hier werden Corona-Schnelltests in der Sporthalle einer Schule durchgeführt. Bildrechte: IMAGO / Reichwein

Das Bundesgesundheitsministerium sieht Deutschland grundsätzlich solide aufgestellt bei dem Thema. Mehr als 1,1 Milliarden Antigen-Schnell- und Selbsttests habe der Bund für dieses Jahr bereits sichern können. Außerdem hat das Gesundheitsministerium ein Förderprogramm aufgelegt, um die Schnelltest-Produktion im Inland zu stärken und zu intensivieren. 200 Millionen Euro sind dafür ausgelobt.

Diese Finanzhilfen sollen Unternehmen erhalten, die in Deutschland produzieren und ihre Schnell- und Selbsttests nur auf dem deutschen und europäischen Binnenmarkt verkaufen. Über 60 Millionen zusätzlicher Tests erhofft man sich davon. Beworben für die Förderung haben sich sieben Firmen. Wann die Produktion anläuft, bleibt allerdings den Unternehmen überlassen. Die Richtlinie schreibt lediglich vor, dass der Produktions-Start spätestens sechs Monate nach Bewilligung der Gelder bzw. bis Ende des Jahres 2021 erfolgen muss.

Ob wir dann in dieser Größenordnung noch Schnelltests brauchen, wenn die Durchimpfung der Bevölkerung weiter so rasant fortschreitet, das ist eine andere Frage.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Mai 2021 | 08:21 Uhr

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