Selbsthilfe Selbstverteidigung: Das sollten Sie wissen

Wie reagiere ich am besten, wenn ich angegriffen werde? Kriminalrätin Ilona Wessner klärt auf, wie man sich bereits im Vorfeld schützen kann und wie man sich im Falle einer Attacke richtig verhält.

Eine Frau wehrt sich gegen den Angriff eines Mannes.
Bildrechte: imago images / Schreyer

Es gibt zahlreiche Menschen, die sich davor fürchten, Opfer einer Gewalttat zu werden. Viele, vor allem Frauen, haben sogar selbst schon demütigende oder bedrohliche Situationen erlebt. Verbale und körperliche Übergriffe auf der Straße oder am Arbeitsplatz.

Wie Sie sich schützen können

Falls möglich, ist es natürlich der beste Weg, schnell zu Flüchten beziehungsweise Hilfe zu holen. Wenn Sie um Hilfe rufen, dann sprechen Sie möglichst direkt und laut Menschen in Ihrer näheren Umgebung an.

Also beispielsweise: "Sie da mit der grünen Jacke, bitte helfen Sie mir!". Doch was tun, wenn weit und breit niemand ist und sich nicht die Möglichkeit bietet, aus der Situation zu entkommen? Die Polizei rät hier vor allem zu so genannten Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen.

Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse

Selbstsicherheit und innere Stärke sind Voraussetzungen, um sich gegen Übergriffe zu schützen. Das bedeutet auch, sich seiner eigenen Grenzen und Rechte bewusst zu sein. Das heißt: Eine entschiedene Körpersprache und Artikulation, selbstbewusstes Auftreten und vor allem Aufmerksamkeit, um brenzlige Situationen schon im Vorfeld zu erkennen.

Selbstbehauptung heißt:  

  • Hinschauen: Ich habe es im Blick, achte genau auf mein Umfeld.
  • Wahrnehmen: Mein ungutes Gefühl trügt mich nicht, statt: das bilde ich mir doch ein, das war bestimmt nicht so gemeint.
  • Entscheiden: Das lasse ich mir nicht gefallen, ich wehre mich.
  • Handeln: zum Beispiel verbales Abgrenzen, selbstbewusste Körperhaltung, rechtzeitiges Ausweichen oder Hilfe holen, zur Not körperliche Gegenwehr (massiv, konsequent, überraschend)

Bei der körperlichen Gegenwehr geht es nicht darum, bestimmte Kampftechniken einzusetzen. In Selbstverteidigungs-Kursen steht im Mittelpunkt, physische und psychische Abwehrmittel angemessen und effektiv einzusetzen.

Solche Kurse werden in fast allen Bundesländern angeboten. Wer mehr dazu wissen möchte, informiert sich am besten in den örtlichen Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen oder auf Portalen wie frauennotruf-leipzig.de.

Notwehr Notwehr ist ein Recht jedes Einzelnen, das sogar im Gesetz fest verankert ist. Der Paragraf 32 StGB besagt, dass Notwehr eine Form der Verteidigung ist, um einen gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriff von sich oder einer anderen Person abzuwehren. Die eigene Handlung ist dann rechtens.

Waffen zur Selbstverteidigung?

Es gibt keine Waffen oder Geräte, die zur Abwehr generell und bedingungslos zu empfehlen sind. Es besteht immer die Gefahr, sich selbst zu verletzen. Messer sind keine tauglichen Waffen einer angemessenen Verteidigung nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Schreckschusspistolen können vor allem auf kurzer Distanz schwere Verletzungen verursachen. Mit Pfefferspray kann ein einzelner Angreifer bei überraschender Anwendung kurzfristig gestoppt werden, um die Flucht zu ermöglichen. Doch gerade Menschen, die betrunken sind oder Drogen genommen haben, lassen sich damit nicht aufhalten. Alternativen zu bewaffneter Verteidigung sind Signalgeräte, beispielsweise so genannte "Taschen-Alarme".

Quelle: BKA/Polizei Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. Januar 2021 | 17:00 Uhr

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