Kommission der Bundesregierung Missbrauch im Sport wird häufig vertuscht

Die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs fordert, Missbrauchsfälle in den Sportverbänden genauer zu untersuchen. Noch immer würden Übergriffe vertuscht und Täter geschützt. Die Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer von Missbrauchsfällen aus.

Sabine Andresen, Vorsitzende Kommission Aufarbeiten sexueller Kindesmissbrauch
Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen fordert Aufarbeitung von den Sportverbänden. Bildrechte: dpa

Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs fordert eine bessere Unterstützung für Menschen, die als Kinder in Sportvereinen missbraucht wurden. Wie die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen vor einer Anhörung in Berlin erklärte, fühlen sich heute erwachsene Betroffene "im Stich gelassen".

Häufig Vertuschung der Übergriffe

Nach Aussagen von Betroffenen würden Täter von Sportvereinen zum Teil aktiv geschützt, weshalb die Taten für sie folgenlos blieben. Menschen, die als Kinder missbraucht wurden und später beim Verein Aufklärung einforderten, seien dort auf Abwehr und Zurückweisung gestoßen. Im Sport zeige sich damit ein bekanntes Muster:

Aufarbeitung ist unbequem und wird nur selten offensiv von Verantwortlichen in Vereinen auf den Weg gebracht.

Sabine Andresen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

Hohe Dunkelziffer

Andresen zufolge haben sich seit einem Aufruf im vergangenen Jahr rund 100 Menschen mit Missbrauchserfahrungen im Sport gemeldet, überwiegend Frauen. Die Kommission geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Der Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch im Breiten- und Leistungssport sei immer noch weitgehend ein Tabu, so Andresden.

Die Kommission fordert von den Sportverbänden, unabhängige Anlaufstellen für Betroffene einzurichten und ihnen den Zugang zu Hilfen und Unterstützung zu ermöglichen.

Über die Kommission

Die Bundesregierung hat die Expertenkommission 2016 eingesetzt, um Missbrauch in verschiedenen Bereichen aufzuarbeiten, etwa in der Familie, in Institutionen und im sozialen Umfeld. Kern der Untersuchungen sind Anhörungen und Berichte von heute erwachsenen Betroffenen.

Kostenfreie und anonyme Hilfetelefone des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung sowie der Kommission: 0800 / 22 555 30
0800 / 40 300 40

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Oktober 2020 | 11:30 Uhr

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