Faktencheck Wie viele Sirenen gibt es noch?

Früher gab es in Deutschland flächendeckend Sirenen – in den 1990er-Jahren kam der große Abbau. Nun soll das Sirenennetz wieder dichter werden. Ein Überblick.

Eine Sirenenanlage auf dem Dach des Turms der Freiwilligen Feuerwehr.
Eine Sirenenanlage auf dem Dach der Freiwilligen Feuerwehr in Schkeuditz (Sachsen). Bildrechte: dpa

Nach dem schweren Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wird über das System zur Warnung der Bevölkerung diskutiert.

Aussage: Weniger Sirenen als früher

Wir müssen auch überlegen, wie wir die Warnsysteme – die es im Kalten Krieg etwa durch Sirenen flächendeckend gab – ertüchtigen und durch entsprechende Digitalisierung zum Kommunikationsnetz ausbauen, das auch noch funktioniert, wenn flächendeckend der Strom ausgefallen ist.

Gerd Landsberg Geschäftsführer Deutscher Städte- und Gemeindebund

Fakt 1: Sirenen wurden abgebaut, noch rund 7.500 in Mitteldeutschland

Bis in die frühen 1990er-Jahre gab es in Deutschland ein flächendeckendes Sirenennetz – das hatte auch mit dem Kalten Krieg und die dadurch möglichen Kriegsgefahren zu tun. Nach der Wiedervereinigung wurden zehntausende Sirenen abgebaut. Ein Grund dafür war, dass die Städte und Gemeinden seitdem für den Unterhalt aufkommen müssen. Außerdem sind die Feuerwehrleute mit digitalen Piepern ausgestattet worden.

Wie viele funktionsfähige Sirenen es derzeit gibt, konnte das Bundesinnenministerium bis zum 20. Juli nicht sagen. Dabei läuft derzeit eigentlich der Aufbau eines Warnmittelkatasters. Einen Überblick haben zumindest die Länder. Grundsätzlich sind Sirenen eher in ländlichen Regionen und kleineren Städten zu finden.

Sachsen

In Sachsen stehen laut Innenministerium landesweit 3.200 Sirenen, wobei es große Unterschiede gibt. In Dresden gibt es zum Beispiel 210 Sirenen, alle mit Live-Sprachfunktion – eine Konsequenz des schweren Hochwassers 2002. In Leipzig gibt es dagegen gar keine Sirenen, die Stadt setzt im Notfall auf mobile Lautsprecherdurchsagen.

Thüringen

In Thüringen stehen derzeit 2.323 Sirenen, wobei die Zahl nach einem Abbau in den 1990er-Jahren zuletzt wieder leicht gestiegen ist. 2009 waren es laut Innenministerium noch 2.002 Sirenen, zuständig sind die Gemeinden.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es noch knapp 2.000 Sirenen. Die Verteilung unterscheidet sich aber auf dem Land und in der Stadt. Im Landkreis Harz zum Beispiel stehen 110 Anlagen und im Altmarkkreis Salzwedel sind es 225. In Magdeburg hingegen finden sie sich nur im Außenbereich der Stadt. Halle wiederum verzichtet komplett auf Sirenen.

Unübersichtlich ist die Lage auch bei den Warntönen der Sirenen – dabei fehlt nämlich eine bundeseinheitliche Vorgabe. Die meisten Sirenen haben allerdings zwei Standard-Warntöne: Bei einer Warnung ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton, zur Entwarnung ein einminütiger Dauerton.

Teilweise sind die Sirenen mit digitalen Anschlüssen und Einsprechfunktion ausgestattet, teilweise müssen sie noch vor Ort betätigt werden. Auch hier fehlt aber eine bundesweite Übersicht. Als Mittel bei Stromausfall sind Sirenen sinnvoll, da die meisten akkugepuffert sind, also – zumindest temporär – unabhängig vom Stromnetz. Früher konnten sie auch per Hand mit einer Kurbel betrieben werden.

Fakt 2: Förderprogramm ist beschlossen

Beim bundesweiten Warntag im vergangenen September stellte sich heraus, dass viele der Sirenen gar nicht funktionieren. Eine genaue Auswertung ist aber bis heute zumindest öffentlich nicht verfügbar. Allerdings legte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ein Förderprogramm auf, das Hilfen in Höhe von 88 Millionen Euro für den Aufbau von Sirenen vorsieht. Verteilt wird das Geld an die Bundesländer proportional nach dem Königsteiner Schlüssel. Das Programm hat sich aber verzögert und ist noch nicht angelaufen.

Wie die Lage bei den Sirenen bundesweit ist, wird sich wohl erst im Herbst 2022 zeigen. Denn der eigentlich für den Herbst 2021 geplante Warntag wurde von der Innenministerkonferenz kürzlich abgesagt.

Fazit: Die Länder haben eine Übersicht, der Bund nicht

Eine bundesweite, genaue Übersicht zu den Sirenen fehlt bislang. Seit den 1990er-Jahren gab es einen massiven Rückbau, ein Förderprogramm soll nun beim Aufbau neuer Sirenen helfen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juli 2021 | 08:47 Uhr

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