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Strom wird immer teurer, aber die Vergütung von eingespeisten Strom wird nicht für alle besser. Bildrechte: IMAGO/U. J. Alexander

EnergiemarktSolaranlagen: Trotz geringer Einspeisevergütung gute Investition

von André Seifert, MDR AKTUELL

Stand: 04. Oktober 2022, 12:03 Uhr

Die Energiepreise steigen momentan stark an und belasten die Budgets der Verbraucherinnen und Verbraucher. Solaranlage können für Hausbesitzer eine Alternative ein. MDR AKTUELL-Nutzer Peer Hosenthien aus Magdeburg fragt, warum die Vergütung für den eingespeisten Strom aber so gering sei. Für Strom zahlt man aktuell 30 Cent pro Kilowattstunde – wenn er seinen Strom einspeist, bekommt er nur 6,7 Cent pro Kilowattstunde.

Solaranlagen boomen seit Russlands Angriff auf die Ukraine und den stark gestiegenen Energiepreisen. Monatliche Zuwachsraten von zehn Prozent verzeichnet das Statistische Bundesamt. Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, kann zweierlei: Strom für den Eigenverbrauch produzieren oder Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Dafür bekommt man eine sogenannte Einspeisevergütung.

Die Einspeisevergütung sinkt nicht weiter

Das Gute: Die Einspeisevergütung sinkt nicht mehr. Für Strom aus neu in Betrieb gehenden Solaranlagen ist sie sogar gestiegen – und zwar um rund zwei Cent auf 8,2 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde bei kleineren Anlagen. Das hat die Bundesregierung vor einigen Monaten so beschlossen. 8,2 Cent – das ist immer noch nicht besonders viel, wenn man sich die Einspeisevergütungen der vergangenen Jahrzehnte anschaut: Vor 20 Jahren zum Beispiel bekam man über 50 Cent. Jedoch, eine weitere Erhöhung werde es in absehbarer Zeit nicht geben, teilt das Bundeswirtschaftsministerium schriftlich mit.

Die schlechte Nachricht: Von der höheren Einspeisevergütung hat unser Nutzer Peer Hosenthien rein gar nichts. Denn gesetzlich sind die Vergütungen festgezurrt: Der Betreiber einer Anlage bekommt 20 Jahre lang immer nur den Preis für ins öffentliche Netz eingespeisten Strom, der zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme galt.

Für Peer Hosenthien bedeutet das dummerweise: Seine Einspeisevergütung wurde auf niedrigstem Niveau festgezurrt. Und nun muss er zusehen, wie sie ansteigt. Darüber kann man sich aufregen, doch mit dem System haben Anlagenbetreiber jahrzehntelang gutes Geld verdient, als die Einspeisevergütungen auf hohem Niveau festgezurrt wurden und danach sanken, so Solarexpete Jörg Sahr von der Stiftung Warentest. Dennoch habe unser Hörer alles richtig gemacht.

Einsparung sollte lukrativer werden

Denn mit Solaranlagen lasse sich zurzeit sehr viel Geld sparen, so Sahr. "Nach unseren Berechnungen wird es sich in aller Regel langfristig lohnen, wenn man sich eine Photovoltaikanlage aufs Dach setzt." Auch für den MDR-Nutzer werde es keine schlechte Investition gewesen sein, vermutet Sahr. "Allein der Vergleich! Er produziert Solarstrom, spart aber Strom in Höhe des Strompreises. Er sagt 30 Cent, aber inzwischen sind es ja bei Neuverträgen 40 oder 50 Cent." Die Ersparnis durch den Eigenverbrauch sei die eigentliche Ertragsquelle für kleinere Photovoltaikanlagen. Auf die Höhe der Einspeisevergütung komme es da in erster Linie gar nicht an.

Für den Eigenverbrauch lohnen sich Solaranlagen zurzeit also mehr denn je, da fremder Strom aufgrund des russischen Krieges gegen die Ukraine so viel kostet wie selten zuvor. Dennoch sollte die Bundesregierung auch das Einspeisen noch lukrativer machen, meint André König, Energieberater der Verbraucherzentralen in Sachsen-Anhalt. Es würden Dachflächen verschenkt, denn: "Die Leute bauen die Anlagen kleiner als sie könnten, weil es sich für sie nicht rechnet, einen großen Überschuss ins Netz einzuspeisen", erklärt König. 

Wegen der niedrigen Einspeisevergütung hätte es sich für kleinere Anlagen nicht mehr gerechnet, den Strom zu verkaufen. "Und das ist gesamtvolkswirtschaftlich ein Fehlanreiz. Die Leute bauen die Anlagen kleiner als sie könnten, weil es sich für sie nicht rechnet, einen großen Überschuss ins Netz einzuspeisen", erklärt König.

Übrigens, ein weiterer Grund, weshalb unser Nutzer alles richtig gemacht hat: Als er sich im vergangenen Jahr eine Solaranlage kaufte, waren die Investitionskosten im Keller. Inzwischen steigen die Kosten stark an. Und hinzu kommt: Aufgrund der hohen Nachfrage ist es oft kaum möglich, einen Installateur zu finden. 

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 04. Oktober 2022 | 06:00 Uhr