Spargelernte Probleme bei der Einreise von Erntehelfern

In den nächsten Tagen beginnt bei vielen Betrieben in Mitteldeutschland die Spargelernte und die funktioniert nur mit Erntehelferinnen und -helfern aus dem Ausland. Vergangenes Jahr gab es viele Probleme mit der Einreise wegen der Corona-Bestimmungen und auch 2021 gestaltet sich die Einreise schwierig.

Auch in diesem Jahr herrscht in Deutschland der Corona-Lockdown, wenn die Spargelernte beginnt. Olaf Feuerborn, der Präsident des sachsen-anhaltischen Bauernverbandes, ist in diesem Jahr aber optimistischer: "Wir haben mit den Gesundheitsämtern voriges Jahr Spielregeln festgelegt und Hygieneregeln aufgestellt, wie wir unsere Mitarbeiter, wenn sie hier ankommen, unterbringen und wie wir das arbeitstechnisch regeln müssen. Das haben wir im letzten Jahr angefangen und können das in diesem Jahr sukzessive weiter umsetzen."

Probleme bei der Anreise von Saisonarbeitskräften

Bei der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen nordöstlich von Magdeburg steht das Hygienekonzept schon lange. Die ersten zehn Erntehelferinnen und -helfer sind schon eingetroffen und bereiten die Spargelernte vor. In den nächsten Tagen solle es dann richtig losgehen mit dem Spargelstechen, sagt Betriebsleiter Patrick Wolter. Vorausgesetzt, die Erntehelferinnen und -helfer treffen rechtzeitig ein. "Wir haben uns mit 70 Erntehelfern vorbereitet. Aber man muss gucken, wie viele jetzt tatsächlich arbeiten kommen. Wir arbeiten ausschließlich mit polnischen Saisonkräften zusammen, das aber schon seit Jahrzehnten", erklärt Wolter.

Aber es geht nicht darum, wie zuverlässig die Erntehelferinnen und -helfer anreisen – sondern ob sie überhaupt ausreisen dürfen. "Die aktuelle Schwierigkeit ist, dass unsere Saisonkräfte, also speziell die polnischen,  schon einen Corona-Test machen müssen und nur herdürfen, wenn sie negativ sind. Aber das ist für die Menschen dort vor Ort auch eine Belastung, verbunden mit der Angst, positiv zu sein und nicht arbeiten zu dürfen", führt Wolter weiter aus.

Spargelretter aus Rumänien 15 min
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Vorsichtige Planung bei der Ernte

Die Tests zahlt die Agrargenossenschaft Hohenseeden / Parchen. Genauso wie die Anreise.  Die ist auch teurer, weil in den Kleinbussen nur vier Personen sitzen dürfen und nicht wie üblich acht. Bei der Unterbringung auf dem Hof musste der Betriebsleiter Patrick Wolter nicht für mehr Raum sorgen – er hat weniger Erntehelferinnen und -helfer verpflichtet: 70, statt früher 200. Er plant schlicht defensiver. Das machen fast alle Betriebe so, erklärt der sachsen-anhaltische Bauernverbands-Präsident Olaf Feuerborn: "Letztendlich verkaufen wir alle an den Lebensmitteleinzelhandel im großen Stil. Da werden die Preise nach wie vor gedrückt. Da nimmt man keine Rücksicht darauf, ob wir Probleme haben, Saisonarbeitskräfte teurer hierher zu holen oder ob wir die teurer unterbringen müssen. Auf diesen Kosten bleiben wir sitzen."

Auch bei Obsternte viele Fragen offen

Viele Betriebe versuchen das mit einer verstärkten Direktvermarktung zu kompensieren. Oder eben mit weniger Saisonarbeitskräften. Damit verschenkt man eventuell Gewinn, hält aber das wirtschaftliche Risiko in Grenzen. Das gilt genauso für die Obstbauern, die jetzt schon mit Saisonarbeitskräften in Kontakt treten für die Erdbeerernte Ende Mai. Udo Jentzsch, der Geschäftsführer vom Landesverband sächsisches Obst, sieht die Lage bei der Anwerbung  mit gemischten Gefühlen: "Hier und da ist die Reiselust etwas nach unten gegangen, auch aufgrund von Corona. Es wird so sein, dass wir nicht üppig viel Auswahl an Saisonarbeitskräften haben. Es wird spannend auf jeden Fall."

Denn ob es eine gute Ernte wird, das hängt zu großen Teilen erst mal am Wetter in den nächsten Wochen ab. Und ob man dann genug Saisonarbeitskräfte bekommt – das hängt dann von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. April 2021 | 06:00 Uhr

14 Kommentare

Frank 1 vor 5 Wochen

@ hansfriederleistner: Ihre Erfahrungen aus den Nachkriegsjahren sind unbestritten. Aber auf die heutige Situation kann man sie nicht anwenden. Bereits vor Corona gab es Probleme mit der Rekrutierung von ausländischen Erntehelfern. Zum einen hat sich bei vielen die wirtschaftliche Situation in deren Heimatländern so gebessert, dass sie deswegen nicht mehr kommen wollen. Zum anderen spricht es sich bei den noch verbliebenen Erntehelfern sehr schnell herum, dass sie z. Bsp. in Holland wesentlich besser bezahlt werden. Über die teilweise unsäglichen Bedingungen der Unterbringung in Deutschland schreibe ich nichts, die sind hinreichend bekannt. Das Problem ist hausgemacht.

hansfriederleistner vor 5 Wochen

Sind die ausländischen Erntehelfer mehr vom Coronavirus gefährtet als Asylsuchende? Solange in der Landwirtschaft Arbeitskräfte fehlen sind wir auf die arbeitswilligen Gäste angewiesen. Und die sind froh, ihre wirtschaftliche Lage etwas aufbessern zu können.
Ich habe die ersten Nachkriegsjahre noch gut in Erinnerung als die einheimische Bevölkerung bei der Kartoffelernte in Scharen an den Feldern standen, um nach Freigabe durch den Bauer nach Kartoffeln zu graben. Da hatten wir noch Hunger.

ElBuffo vor 5 Wochen

Ja, das ist schon ein Elend mit dem gewachsenen Wohlstand in diesem Land. Die einen werden immer älter, die anderen haben bessere Jobs oder zumindest ein Auskommen, der ihnen ermöglicht nicht noch etwas dazuverdienen zu müssen. Und wenn da heute jemand in größerem Maßstab Kinder einsetzte, würde sicher auch noch gemeckert.

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