Steigende Betriebskosten Immobilien-Spitzenverbände: Politik muss Mieter entlasten

Die steigenden Energiekosten sorgen bei den Wohnungsverbänden in Mitteldeutschland für Sorgenfalten. Um die Mieter künftig zu entlasten, stellten die Vertreter am Mittwoch verschiedene Forderungen.

Steigende Betriebskosten
2022 könnten laut Wohnungsverbänden Mehrkosten von bis zu 1.000 Euro auf Mieter zukommen. Bildrechte: picture alliance / Stephan Persch

Die Wohnungswirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigt sich wegen der explodierenden Preise für Strom, Gas und Fernwärme alarmiert. Auf die Bewohnerinnen und Bewohner kämen drastisch höhere Betriebskosten zu, warnten fünf Verbände aus den drei Ländern am Mittwoch. Das berge sozialen Sprengstoff.

Erhöhung von bis zu 1.000 Euro bei Betriebskosten

Sie forderten die Politik im Bund und in den Ländern zum Handeln auf. "Wir brauchen eine sehr deutliche Anpassung staatlicher Zuschüsse für die Mieter", sagte Jens Zillmann, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft in Sachsen-Anhalt. Die jährlichen Betriebskosten für eine durchschnittliche Wohnung könnten sich 2022 leicht um 1.000 Euro oder mehr erhöhen. Die Energiekosten stiegen schon seit Herbst vorigen Jahres an, der Krieg in der Ukraine habe die Situation zusätzlich verschärft.

Hier liegt sozialer Sprengstoff.

Frank Emrich Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft

Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) kalkuliert derzeit mit Mehrkosten von 500 bis 1.000 Euro pro Wohnung. Die Werte seien nach oben offen. "Das ist bitter, aber es ist leider so", sagte VSWG-Chefin Mirjam Luserke. "Hier liegt sozialer Sprengstoff", betonte Frank Emrich, Verbandsdirektor der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.

Auch Rainer Seifert vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Sachsen appellierte mit Nachdruck an die Politik: "Der Staat muss − aus unserer Sicht − in den Strom- und Gasmarkt regulierend eingreifen." Mieter würden mit Wärmepreisen in Miethöhe konfrontiert. "In der Vergangenheit haben wir darüber diskutiert, ob wir eine drei oder vier prozentige Mietanpassung vorgenommen haben." Man sei jetzt bei Energiepreisen, die das "unendlich toppen". Die Verbände verlangen deshalb die Zahlung steuerfreier Zuschüsse, sodass die Umlagen wegfallen.

Heizkostenzuschuss sei zu wenig

Die Immobilienverbände verlangen von der Politik, die Mieter zu entlasten. Der kürzliche beschlossene Heizkostenzuschuss für Wohngeldbezieher sei allenfalls "ein Tropfen auf den sehr heißen Stein" und viel zu niedrig. Auch das Wohngeld selbst oder die Kosten der Unterkunft für bedürftige Menschen müssten erhöht werden.

Zudem dürften die energetischen Standards in der Wohnungswirtschaft nicht weiter erhöht werden, weil dies die Kosten zusätzlich treibe. Die Unternehmen müssten zudem von Bürokratie entlastet werden.

Die Wohnungsverbände kündigten an, dass ihre Mitgliedsunternehmen die Vorauszahlungen auf die Betriebskosten zum Teil schon jetzt heraufsetzen wollten. Nur so könnten sie vermeiden, dass sie mit extrem hohen Beträgen in Vorleistung gehen müssten. Es sei jetzt auch ein "Miteinander von Mietern und Vermietern" nötig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2022 | 14:30 Uhr

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