Vorwürfe wegen Machtmissbrauch "Bild"-Chefredakteur Reichelt muss gehen

Der Medienkonzern Springer hat den Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Julian Reichelt, mit sofortiger Wirkung entlassen. Dem Unternehmen zufolge hat Reichelt Berufliches und Privates auch nach einer internen Untersuchung gegen ihn nicht getrennt und diesbezüglich gelogen.

Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt
Reichelt war seit 2017 Chef von Deutschlands grpößter Boulevardzeitung. Bildrechte: imago images/Norbert Schmidt

Der Medienkonzern Axel Springer hat mit sofortiger Wirkung "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben entbunden. Wie das Unternehmen in Berlin mitteilte, wird sein Nachfolger der bisherige Chefredakteur der "Welt am Sonntag", Johannes Boie.

Vorwurf Machtmissbrauch

Hintergrund sind Vorwürfe gegen Reichelt, wonach er seine Macht missbraucht haben soll. Medienrecherchen zufolge ging es dabei um Beziehungen des heute 41-jährigen "Bild"-Chefs mit Mitarbeiterinnen, wodurch diese bei der Arbeit bevorzugt worden seien, beziehungsweise Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt worden sein sollen. Laut "Spiegel" hatten mehrere Mitarbeiterinnen dem Medienhaus entsprechende Vorfälle aus den vergangenen Jahren gemeldet.

Im Frühjahr hatte Springer deswegen ein internes Verfahren gegen Reichelt angestoßen. Nach einer befristeten Freistellung durfte er im März aber wieder auf seinen Posten zurückkehren. Zur Begründung hieß es damals, der Vorstand sehe es trotz festgestellter Fehler in der Amts- und Personalführung als nicht gerechtfertigt an, Reichelt von seinem Posten abzuberufen.

Berufliches und Privates nicht getrennt und diesbezüglich gelogen

Jetzt gibt es allerdings neue Erkenntnisse: Die "New York Times" hatte am Wochenende einen langen Bericht über den Medienkonzern Axel Springer veröffentlicht und auch auf bislang nicht veröffentlichte Recherchen eines Investigativ-Teams der Ippen-Mediengruppe verwiesen. Springer ist diesen Recherchen nach eigener Aussage nachgegangen: "Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat", hieß es nun.

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte am Montag: "Julian Reichelt hat "Bild" journalistisch hervorragend entwickelt und mit BILD LIVE die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei "Bild" gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich."

Quelle: dpa, EPD (agr)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 18. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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