Coronalage an Schulen Steigende Quarantäne- und Infektionszahlen

Immer mehr Schulen in Mitteldeutschland sind von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. Das ergab eine Umfrage der MDR-Wirtschaftsredaktion bei den Kultusministerien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Ein Lagebild in Zahlen.

Eine Lehrerin mit Maske erklärt Schülern etwas.
Lernen unter Pandemiebedingungen - Alltag für Tausende Schülerinnen und Schüler Bildrechte: imago images/Belga

Immer mehr positive Tests in Sachsen

Im Freistaat ist die Zahl der gemeldeten Coronavirus-Infektionen in den vergangenen Wochen stetig gestiegen. Wurden Anfang Oktober an öffentlichen Schulen sieben positiv getestete Lehrkräfte gezählt, waren es letzte Woche 110 - mehr als 15 Mal so viele.

Bei den Schülerinnen und Schülern stieg die Zahl im gleichen Zeitraum von 18 auf 252. Das ist das 14-Fache. Noch höher liegt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Waren es Anfang Oktober noch 873, wurden zuletzt 6.554 Quarantänefälle an öffentlichen Schulen gemeldet.

Trotz der allgemein steigenden Fallzahlen sind bislang wenige Schulen geschlossen. In der letzten Wochenmeldung (KW 46) wurden sechs Schulen in ganz Sachsen geschlossen. In der Woche davor war es nur eine Schule.
Das Kultusministerium in Sachsen veröffentlicht seit dieser Woche ein tagesaktuelles Corona-Update.

Steigende Quarantänezahlen in Sachsen-Anhalt

Ähnlich ist der Trend in Sachsen-Anhalt. Doch das Bildungsministerium in Magdeburg zählt nicht die positiv getesteten Personen an Schulen, sondern die Quarantänefälle und die Zahl der betroffenen Schulen. Seit Anfang Oktober ist die Zahl der betroffenen öffentlichen Schulen gestiegen - von 16 auf zuletzt 120 Schulen. Das waren fast acht Mal so viele.

Zum ersten Mal wurde auch erhoben, wie viele Schulen geschlossen sind. Von 941 öffentlichen und freien Schulen wurden elf komplett geschlossen und 40 teilweise.

In einer Grundschule hängen Jacken an Haken
Bildrechte: MDR/Isabell Fleck

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Quarantäne nimmt seit den Herbstferien deutlich zu. So verdreifachte sich ihre Zahl in der ersten Woche nach den Ferien von 900 auf 2.795. Aktuell haben sich die Quarantänezahlen erneut fast verdoppelt - auf 5.490 Schülerinnen und Schüler. Allerdings gehen in diese neueste Statistik nicht nur öffentliche, sondern auch freie Schulen ein.
Das Bildungsministerium Sachsen-Anhalt veröffentlicht jeden Freitag tagesaktuelle Zahlen zur Quarantänelage.

Auch in Thüringen höhere Dynamik seit den Herbstferien

Das Bildungsministerium in Thüringen nennt in dieser Woche zum ersten Mal Zahlen zum Verlauf der Corona-Auswirkungen an den Schulen seit den Sommerferien. Das Ergebnis: Nach den Herbstferien werden neue Höchststände bei den wöchentlichen Zahlen erreicht.

So meldeten die Schulen zum Ende der Ferien am 1. November 14 positiv getestete Lehrkräfte. Aktuell sind es 26. Bei den Schülerinnen und Schülern stieg die Zahl im gleichen Zeitraum von 17 auf derzeit 75. Das ist der bisher höchste gemeldete Stand in Thüringen seit den Sommerferien.

Ähnlich der Trend bei den Quarantänezahlen. Zum Ende der Herbstferien waren 165 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Nach einer Woche Schule schon 1.225 und zuletzt sogar 2.123. Bei den Lehrkräften wurden zum Ende der Ferien 38 Quarantänefälle gemeldet, in der ersten Schulwoche 171 und zuletzt 333.
Zwei Schulen sind seit den Ferien geschlossen.

Das Bildungsministerium Thüringen informiert online zur aktuellen Lage der Schulen.

Meldepflicht in Mitteldeutschland

Welche Daten die einzelnen Bildungsministerien erheben und veröffentlichen, unterscheidet sich je nach Bundesland. So wird in Sachsen und Thüringen die Zahl positiv getesteter Personen erhoben. "Positive SARS-COV-2-Testergebnisse an staatlichen Schulen sind meldepflichtig. Sie gelten als 'besondere Vorkommnisse' (BV) und werden auf dem Dienstweg an staatliche Schulämter und an die Bildungsministerien gemeldet", erklärt Lisa Bönsel, Referentin im Bildungsministerium in Thüringen.

In Sachsen-Anhalt hingegen müssen Quarantänezahlen gemeldet werden, "um schulorganisatorisch auf die Umstände reagieren zu können", erklärt Michael Schulz, stellvertretender Pressesprecher des Bildungsministeriums in Magdeburg.

Detaillierte Infektionszahlen liegen den Schulbehörden nicht vor.

Ministerium für Bildung Sachsen-Anhalt
Lehrerin mit dicker Winterjacke und Mundschutzmaske
Bildrechte: imago images/Michael Weber


Die Schulen melden die Quarantänemaßnahmen als "besonderes Vorkommnis" an das Landesschulamt und dieses an das Bildungsministerium. Die Zahlen werden immer freitags veröffentlicht.

Schulen als "Treiber der Pandemie"?

Viel diskutiert wird die Frage, wie stark Schulen am Infektionsgeschehen teilnehmen und wie sich diese Zahlen nach Schularten und Altersgruppen unterscheiden.

So konstatierte der sächsische Kultusminister Christian Piwarz vor einer Woche gegenüber MDR AKTUELL, Kinder unter zehn Jahren nähmen am Infektionsgeschehen so gut wie gar nicht teil und erkrankten nur sehr selten an dem Virus. Bei Älteren sieht das dem Kultusminister zufolge anders aus, deshalb müssen Schüler der Sekundarstufe in Sachsen auch im Unterricht eine Alltagsmaske tragen.

Diese Aussage fußte nicht auf den aktuellen von den Schulen gemeldeten Zahlen, denn diese Details erhebt das Kultusminsterium laut eigener Aussage nicht. "Nach Schularten und Regionen unterscheiden wir bei der Erfassung der Daten nicht,“ erklärte eine Referentin im Ministerium.

Die Aussagen hinsichtlich des Infektionsgeschehens durch Kinder und Jugendliche treffen wir nicht aufgrund der Meldungen aus den Schulen, sondern aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, dem sich auch das RKI angeschlossen hat.

Staatsministerium für Kultus Sachsen

Wie die aktuellsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts zeigen, haben die nachgewiesenen Infektionen aber auch bei Kindern in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen.

RKI Übersicht Alterverteilung bei Coronainfektionen

Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht die COVID-19-Fälle in Deutschland nach Altersgruppen dienstags in seinem tagesaktuellen Bericht. Zur besseren Übersicht werden die Altersanteile in einer so genannten Heatmap dargestellt. Diese gibt einen kompakten Überblick über die altersspezifischen 7-Tage-Inzidenzen. Hier finden Sie die RKI-Übersicht über die Altersverteilung bei den Coronainfektionen.

RKI-Heatmap zu COVID-19-Fällen nach Altersgruppe und Meldewoche
Bildrechte: RKI

Interessant ist der Blick in die Statistik des Bildungsministeriums in Sachsen-Anhalt.
Dort wurden die Zahlen detaillierter nach Schularten erhoben. Die Auswertung zeigt in diesem Punkt eine deutliche Dynamik nach den Herbstferien. In der ersten Woche nach den Ferien waren  103 Grund- und Förderschüler in Quarantäne. Nur eine Woche später hat sich die Zahl verzehnfacht –  auf 1.140. Die Zahl der betroffenen Schulen stieg von 19 auf 39.

Maskenpflicht an einer Schule
Bildrechte: imago images/Rupert Oberhäuser

Anders die Entwicklung bei Älteren im gleichen Zeitraum. So fällt der Anstieg an Gymnasien und Gesamtschulen geringer aus - von 471 auf 667 Schülerinnen und Schülern in Quarantäne. Noch weniger Dynamik zeigt sich bei den Ältesten. So stieg die Zahl der betroffenen Berufsschulen moderat von 14 auf 17. Die Zahl der betroffenen Berufsschülerinnen und –schüler in Quarantäne von 267 auf 323.

Corona-Tests für Lehrkräfte

In Mitteldeutschland können sich Lehrerinnen und Lehrer verdachtsunabhängig auf eine Coronavirus-Infektion testen lassen.

In Sachsen besteht die Möglichkeit zum Test für alle rund 33.000 Lehrer öffentlicher Schulen einmal pro Woche. Wie stark diese Tests genutzt werden, konnte das Kultusministerium nicht beziffern. Mit aktuellen Zahlen wird erst Ende November gerechnet.

Aus Sachsen-Anhalt liegen bereits Zahlen vor. So werden laut Bildungsministerium an 26 Schulen Lehrkräfte wiederkehrend getestet. Dabei sind bislang 1.700 Testungen erfolgt. Bei sieben Personen fiel der Test positiv aus. "Dieses Verfahren soll in absehbarer Zeit um zusätzliche 28 Schulen erweitert werden", kündigt ein Sprecher des Bildungsministeriums in Magdeburg an.

Ein Klassenzimmer, Blick zu einer Tafel auf der Viren gemalt sind
Bildrechte: Imago/Panthermedia

In Thüringen können sich alle Beschäftigten testen lassen, die in staatlichen oder freien Schulen, in Kindertageseinrichtungen sowie als Kindertagespflegeperson tätig sind. Seit August wurden über 4.500 Tests durchgeführt. Im November wurden die Testmöglichkeiten ausgeweitet – auf eine freiwillige Testung pro Woche.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 19. November 2020 | 19:30 Uhr

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