Vermehrte Tests Kinder trotz hoher Inzidenzen keine Pandemie-Treiber

Die Corona-Fallzahlen steigen laut RKI bei den unter 15-Jährigen deutlich an. Jugendmediziner sind sich aber dennoch darüber einig, dass Kinder sich nicht häufiger anstecken als in früheren Stadien der Pandemie.

Ein Kind mit Mundschutz und Roller im Zoo von Wuhan
Welche Rolle spielen Kinder bei der Verbreitung von Corona? Bildrechte: imago images / Xinhua

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, warnte vergangene Woche: "Seit Mitte Februar steigt auch die Inzidenz bei den unter 15-Jährigen, und zwar sehr rasant." Das RKI stellt dazu im aktuellen Situationsbericht fest: Bundesweit hat sich die 7-Tage-Inzidenz bei den unter 15-Jährigen in den letzten vier Wochen verdoppelt. Bei den Fünf- bis Neunjährigen beispielsweise kletterte die Inzidenz gar um 136 Prozent. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung waren es rund 35 Prozent.

Warum das Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen zunimmt

Der Trend zeigt sich auch in Mitteldeutschland, teilen die Sozial- und Gesundheitsministerien auf Anfrage mit. Das Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen habe sich seit Mitte Februar deutlich intensiviert. Die Ministerien setzen auf Tests, um das Geschehen unter Kontrolle zu halten. Doch gerade die sind für die steigenden Inzidenzen verantwortlich, glaubt Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Leipziger Uniklinikum:

Im Moment wird sehr viel ungezielt getestet. Wir könnten also auch die Hypothese formulieren: Wir finden jetzt mehr positive Kinder, die aber nicht krank sind, weil wir halt sehr viel testen.

Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Leipziger Uniklinikum

Das sei ein methodischer Fehler, der gemacht würde, sagt Kiess. Das RKI sei sehr schnell mit seiner Interpretation.

RKI-Präsident Wieler hatte betont, der starke Anstieg sei nicht allein mit mehr Tests zu erklären und nannte Virus-Mutationen wie die britische Variante als mögliche Ursache. Reinhard Berner ist Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinikum in Dresden und im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin. Er sagt: Die Mutation sei definitiv ansteckender, aber das gelte für alle Altersgruppen gleichermaßen. "Das heißt, sie ist stärker infektiös, aber bei den Kindern nicht stärker als bei den Erwachsenen."

Kinder und Jugendliche trotzdem nicht Treiber des Infektionsgeschehens

Berner stimmt seinem Leipziger Kollegen Kiess daher zu. "Die absoluten Zahlen steigen mit der Zahl der durchgeführten Tests. Aber der Prozentsatz der infizierten Kinder hat nicht zugenommen und das hängt natürlich damit zusammen, dass mehr Kinder getestet werden, weil jetzt die Schulen geöffnet worden sind." Ein Blick in den RKI-Lagebericht bestätigt: Der Anteil der positiven Tests an den insgesamt bei Kindern und Jugendlichen durchgeführten Tests ist sogar leicht gesunken. Das bestätigt auch Jan-Henning Klusmann, Direktor der Pädiatrie am Uniklinikum Halle.

Dort hat man zuletzt nicht mehr Fälle verzeichnet. Natürlich dürfe man die Rolle von Kindern und Jugendlichen beim Infektionsgeschehen nicht vernachlässigen. "Aber es ist nach wie vor so – auch mit den Mutationen –, dass sie nicht der Treiber der Erkrankungen sind oder des Infektionsgeschehens." Auch schwere Krankheitsverläufe gebe es bei Kindern trotz steigender Inzidenzwerte und trotz der Virusmutationen weiterhin praktisch kaum.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. März 2021 | 06:09 Uhr

27 Kommentare

AlexLeipzig vor 19 Wochen

Liebe Kritische, mit ist aufgefallen, daß Sie noch vor kurzem zu einem Artikel über die Testpflicht in den Schulen einen Kommentar verfassten, der irgendwie so gar nicht zu diesem hier passt. Ich fand Ihren Kommentar zu den Schnelltests an Schulen Recht pragmatisch, so im Sinne von 'man kann sich ja mal zusammenreißen, wenn's uns alle weiterbringt'. Und hier schreiben Sie - für mich jetzt irgendwie übertrieben - von traumatisierten Kindern mit Kriegsassoziationen und verpasster Kindheit. Wie passt das eigentlich zusammen?

MDR-Team vor 19 Wochen

Hallo Wikreuz! Wer positiv getestet wurde, aber keine oder noch keine Krankheitssymptome aufweist, kann das Coronavirus weitergeben. Viele Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Wikreuz vor 19 Wochen

Wenn ich den Artikel richtiggelesen habe, werden durch das häufigere Testen mehr Kinder mit einem "Positiven Befund" gefunden. Das bedeutet es gibt mehr positive Befund, aber nicht mehr Kranke Kinder,
Frage: können auch "Postiv getestete Kinder" ohne Krankheitssymptome den Virus abends in der Familie weiter geben?
Man sollte immer Überlegen: Die Übertragungsrate ist um so größere je mehr Menschen in einem Raum um so länger Verweilen. Schule, Kindergarten Familie am Abend.

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