Verlängerter Lockdown Kitas rechnen mit steigender Nachfrage bei Notbetreuung

Porträtaufnahme einer weißen Frau mit zurückgebundenen Haaren, einer großen Brille und grüner Bluse
Bildrechte: Tobias Thiergen

Der Lockdown stellt viele Familien vor große organisatorische Schwierigkeiten – nicht nur die mit Schulkindern, sondern auch die ganz Kleinen. Denn die Kitas sind zu. Nur für bestimmte, systemrelevante Berufsgruppen gibt es eine Notbetreuung. Wer unverzichtbar ist und eine Betreuung für den Nachwuchs braucht, bekommt sie auch, so das Versprechen. Doch wie intensiv wird die Kita-Notbetreuung genutzt?

leere Schaukel auf Spielplatz
Kitas und Schulen bleiben weiterhin geschlossen, nur für bestimmte Berufsgruppen gibt es eine Notbetreuung. Bildrechte: imago images/Lichtgut

Es ist ruhig geworden in der Kita Gohliser Höfe in Leipzig. Wo sonst etwa 70 Kinder toben, spielen und neue Dinge entdecken, sind es jetzt deutlich weniger. Ihre Eltern arbeiteten unter anderem in der Pflege, Apotheke oder seien selbst Erzieherinnen und Erzieher, erzählt Kita-Leiterin Carolin Hellmuth: "Wir betreuen momentan um die zehn Notbetreuungskinder – ich sag' mal plus-minus fünf dadurch, dass die Eltern das selber doch noch ganz gut abdecken können."

Immer mehr Eltern wollen Notbetreuung

In ganz Leipzig sind der Stadt zufolge derzeit rund zwölf Prozent der Kita-Kinder in der Notbetreuung. In Dresden sind es laut "Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen" elf Prozent. Und auch in Chemnitz bewege es sich in diesem Bereich, sagt Stadtsprecher Matthias Nowak: "Also bei unseren Kitas reden wir im Moment von einer Notbetreuung von ungefähr zehn Prozent der Kinder. Das heißt, sonst haben wir so 22.000 Kinder in den Kitas und derzeit sind täglich rund 2.200 Kinder dort."

Doch je länger der Lockdown, desto mehr Anfragen von Eltern, heißt es aus den Kommunen. In Leipzig rechnet Felix Sauerbrey, der Zuständige für die Kindertagesstätten in der Stadt, mit einem leichten Anstieg in den kommenden Tagen: "Einige Familien haben vielleicht doch noch in der ersten Januarwoche Urlaub genommen und deswegen gehen wir von einem leichten Anstieg spätestens ab der zweiten Januarwoche aus."

Wer hat Anspruch auf die Notbetreuung?

Generell sind alle Kitas in den drei Städten für die Notbetreuung geöffnet. Wer berechtigt ist, hat das Land Sachsen aufgelistet. Diese Berechtigung muss mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers nachgewiesen werden. In den 14 Kitas der Volkssolidarität Leipzig seien die Anfragen schon deutlich gestiegen, berichtet Sprecher Martin Gey. Zu Beginn der Notbetreuung Anfang Dezember habe die Auslastung bei 15 Prozent gelegen, jetzt seien es schon knapp 20 Prozent.

Gey vermutet, dass das zum Teil an den Arbeitgebern liegt: "Manchmal stellen die Arbeitgeber die entsprechenden Bescheinigungen auch aus, einfach damit die Eltern erstmal was haben – unabhängig davon, ob es tatsächlich entsprechend der Vorgaben des Freistaates Sachsen ist oder nicht."

Je länger der Lockdown, desto mehr Diskussionen müssen die Kita-Leitungen darüber führen, ob ein Kind in die Notbetreuung darf oder nicht. Da sei die Liste teilweise etwas schwammig formuliert, so Gey. Da die Kitas die Berechtigungen prüfen müssten, belaste das das Verhältnis zwischen Kitas und Eltern. In Dresden können sich die Einrichtungen deshalb auch von der Stadt beraten lassen.

Keine Notbetreuung für alle

Auch Carolin Hellmuth in Leipzig-Gohlis bekommt immer wieder Anfragen von Eltern, die keinen Anspruch auf die Notbetreuung haben und zuhause überfordert sind. Ausnahmen macht sie aber keine: "Also ich halte mich da auch ganz strikt dran, weil es für mich auch wichtig ist, dass meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen diesen geschützten Rahmen haben. Anders funktioniert es leider nicht."

Generell würde die Notbetreuung in ihrer Einrichtung aber sehr gut klappen, ergänzt die Kita-Leiterin. Bleibt die Auslastung in etwa so, wie es jetzt ist, wäre das für die weitere Notbetreuung ideal.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Januar 2021 | 06:51 Uhr

8 Kommentare

Arbeitende Rentnerin vor 24 Wochen

Hat doch nichts mit Diskriminierung zu tun. Habe durchaus Verständnis, aber wenn alle betreut werden, kann man es mit dem Lockdown auch gleich lassen und wir wollen doch im Interesse aller von den hohen Zahlen runter oder?

Ricwei11 vor 24 Wochen

Das Problem welches mit d r notbetreuung einhergeht, ist tatsächlich die schwammige Auflistung der sogenannten"systemrelevanten Berufe", alle Berufe sind relevant. Und auch alle Kinder sind systemrelevant. Wie bereits im Frühjahr werden nach einer Woche die Kitas und Schulen, zumindest in unserer Region, brechend voll sein. Im Frühjahr waren 17 von 22 Kindern in der Klasse in der notbetreuung. Dadurch entsteht einfach bei den Eltern und Kindern eine Ungerechtigkeit, die Kinder wurden normal unterrichtet, die anderen mussten zu Hause kämpfen. Natürlich lieben wir alle unsere Kinder, aber das Problem ist die Perspektivlosigkeit. Wann geht es weiter? Irgendwann kommen wir an einen Punkt, sind es wahrscheinlich schon, wo wir abwägen müssen, was wichtiger ist. Eine ganze Generation wird im Stich gelassen. Aber sind es nicht die Kinder, die die Zukunft tragen müssen? Diesmal geht der lockdown zu weit. Vorher hätte schon besser kontrolliert werden müssen. Unsere Kinder müssen es nun ausbaden.

DS79 vor 24 Wochen

Notbetreuung verdient ihren Namen nicht! "Schwammige Vorgaben" sagt da schon alles. Systemrelevant ist die Reinigungskraft für den OP Saal genauso wie der Arzt welcher darin operiert und die Verkäuferin im Discounter genauso wie die Polizistin. Es gibt eine Vielzahl von Berufsgruppen, welche Ihre Tätigkeit nicht im Homeoffice ausführen können, da es sich um vertrauliche Daten handelt welche der MA nicht zu Hause haben darf. Zu dem ist Homeoffice und Kinderbetreuung nicht miteinander vereinbar, das gibt einem schon die Aufsichtspflicht lt. BGB vor. Unsere Tochter geht mit etwa 10 anderen Kindern zur Notbetreuung...ab 11.01. dann nicht mehr, da die Einrichtung das "Schwammige" anders auslegt. Das hat zur Folge das ein Sorgeberechtigter dann zu Lasten der Krankenkasse aufgrund von Kinderbetreuung zu Hause bleiben wird. Aber unser Finanzminister Scholz meinte ja "das halten wir noch lange durch". Na dann.....

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