Seit Oktober Sachsens Pflegeheime haben bundesweit höchste Sterberate

In Sachsen sind seit Oktober mehr Menschen in Pflegeheimen im Zusammenhang mit Corona gestorben als in allen anderen Bundesländern – 1.632 insgesamt. Das hat das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der Linkspartei bekannt gegeben. Wie erklärt sich diese Zahl? Und: Wäre das vermeidbar gewesen?

Eine Pflegekraft geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor.
Alten- und Pflegeheime hat die Corona-Krise besonders schlimm getroffen, nicht nur in Sachsen. Bildrechte: dpa

Ein Jahr lang lief alles gut – dann kam der Ausbruch. Das erzählt ein Altenpfleger aus Leipzig. Er möchte anonym bleiben, wir nennen ihn Paul. Den ersten Fall habe es Anfang des Jahres gegeben, sagt er. Was dann kam, beschreibt er als "gruselig". Blitzschnell habe sich das Coronavirus ausgebreitet.

Es war traurig zu sehen, dass man keine Chance hat, das irgendwie aufzuhalten. Man kommt auf Arbeit und hört immer wieder schlechte Meldungen: Dem geht's nicht gut und die stirbt. Da sind einem die Hände gebunden.

Altenpfleger aus Leipzig

Einige Bewohnerinnen und Bewohner seien mit Symptomen oder am Beatmungsgerät gestorben, erzählt er weiter. Bei wie vielen eine Corona-Infektion der Grund war, weiß er nicht.

Sachsen ist das "älteste" Bundesland

Auf Bundes- und Länderebene gibt es dazu inzwischen Zahlen. Diese hat die Linke-Bundestagsfraktion Mitte Februar beim Gesundheitsministerium erfragt. Knapp 7.300 Todesfälle in Verbindung mit Corona gab es demnach in Sachsen. Davon rund 1.600 in Pflegeeinrichtungen – mehr als in jedem anderen Bundesland. Hätte man diesen Negativrekord vermeiden können?

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Susanne Schaper, sagt dazu: "Klar kann man hier sagen, dass manche Maßnahmen gerade in den Pflegeheimen vielleicht zu lange gedauert haben, bis man das mit einer gewissen Stringenz, wie das dann ab Dezember gemacht wurde, umgesetzt hat. Zum Beispiel beim Thema Hygienemaßnahmen."

Ansonsten müsse man aber auch feststellen, dass Sachsen das älteste Bundesland sei und sich die Zahl auch dadurch erkläre, wirft Schaper ein. So erklärt auch das Sozialministerium auf Anfrage die Zahl – und gibt noch andere Gründe an: Das enge Zusammenleben in Pflegeheimen und die Tatsache, dass Personen mit Demenz nur schwer die Hygieneregeln einhalten könnten.

Stiftung Patientenschutz fordert Konsequenzen

Vom  Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kommt deutlich härtere Kritik: Es sei überfällig, dass die Staatsregierung in Sachsen darüber aufkläre, warum es so viele Tote in den Heimen gebe, und warum diese Menschen nicht die Krankenhäuser erreicht hätten. "Hat hier eine Vor-Triage stattgefunden? Das wäre ein entsetzliches politisches Versagen. Das heißt, das muss Konsequenzen geben, auch gegenüber der Landesgesundheitsministerin", sagt Brysch.

Altenpfleger Paul erinnert sich an nur eine Patientin, die mit Corona ins Krankenhaus gekommen ist. Üblicherweise würden die Bewohnerinnen und Bewohner von Hausärzten betreut – auch, weil es für sie einfacher wäre. Strengere Schutzmaßnahmen hält der Pfleger in seinem Heim nicht für nötig – eigentlich sei man gewappnet gewesen: "Dann haben wir angefangen mit Impfen und dachten wir haben es geschafft. Dass es genau dann ausbricht, das war natürlich blöd, aber wir haben uns gut geschlagen das Jahr. Meines Erachtens nach haben wir das getan, was zu machen ist."

Inzwischen seien alle, die kein Corona gehabt hätten, geimpft. Und auch für die anderen dauere es nicht mehr lange, sagt der Altenpfleger: Denn bei ihm im Heim ebbe die Welle inzwischen wieder ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Februar 2021 | 08:11 Uhr

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