Hörer machen Programm Wird die Stiko-Empfehlung zur Kreuzimpfung umgesetzt?

Astrid Wulf, Moderatorin und Autorin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Nach einer Astrazeneca-Erstimpfung empfiehlt die Stiko altersübergreifend den Wechsel zu einem mRNA-Impfstoff. Doch zahlreiche Betroffene berichteten MDR AKTUELL über Schwierigkeiten. So schreibt MDR-AKTUELL-Hörerin Dana Kuntz, dass sie zunächst beim Hausarzt keine zweite Impfung mit einem mRNA-Vakzin erhalten habe und danach auch im Impfzentrum und beim Betriebsarzt gescheitert sei. Wie wird die Empfehlung in Mitteldeutschland umgesetzt?

Möglichst schneller und effektiver Schutz – auch gegen die besonders ansteckende Delta-Variante des Corona-Virus: Dafür empfiehlt die Ständige Impfkommission nach einer Astrazeneca-Impfung eine zweite mit einem mRNA-Impfstoff, also Biontech/Pfizer oder Moderna. Das gilt seit Anfang Juli auch für die Über-60-Jährigen.

Kritik der Hausärzte lässt nach

Kritik daran kam umgehend. Hausärzte deutschlandweit befürchteten einen enormen Mehraufwand, aber auch ein logistisches Chaos. Diese Erfahrung hat Holger Fischer nicht gemacht. Er ist Hausarzt in Quedlinburg und Sprecher des Hausärzteverbands Sachsen-Anhalt:

Da momentan genügend Impfstoff der Firma Biontech verfügbar ist, bräuchten die Hausarztpraxen und Impfzentren diesen nur bestellen, um die Forderungen der Stiko umzusetzen.

Holger Fischer

So beschreibt es auch Sachsen-Anhalts Landesvorsitzende des Verbands der Betriebs- und Werksärzte, Ulrike Jendrezok. Ärztinnen und Ärzte bräuchten allerdings wegen der Bestellfrist knapp zwei Wochen Vorlauf.

Logistischer Mehraufwand

Ihre Amtskollegin in Thüringen hingegen beschreibt die Situation als sehr umständlich. Sie führt derzeit keine Kreuzimpfungen durch.

Und auch Jendrezok, Betriebsärztin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, kann sich vorstellen, dass es mancherorts Anlaufprobleme gab. Auch weil sich bei einer Kreuzimpfung der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung um bis zu zwei Monate verkürzt.

Sie erläutert, die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erfolge ja nach vier Wochen, bei der Astrazeneca-Zweitimpfung seien es neun bis zwölf Wochen gewesen. Daher habe man vielleicht nicht so kurzfristig auf alle Anfragen reagieren können. Nach Auffassung von Jendrozek hat sich das inzwischen aber sehr gut entwickelt, weil ja auch in den meisten Impfzentren Termine frei verfügbar seien.

Astrazeneca-Impfstoff droht zu verfallen

Laut Sozialministerium in Sachsen-Anhalt kann jeder nach einer Astrazeneca-Impfung im Impfzentrum auf Wunsch bei der Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff bekommen. Das ist auch in Sachsen und Thüringen möglich.

Für Hausarzt Holger Fischer ergibt sich aus der geänderten Stiko-Empfehlung vor allem ein Problem: AstraZeneca wird zum Ladenhüter – die eingelagerten Dosen drohen zu verfallen. Insgesamt stellt das Problem der Kreuzimpfung also ein logistisches Problem dar, für die Hausarztpraxen, Impfzentren und Betriebsärzte.

Schade nur, dass durch diesen Schritt wieder einmal Vertrauen in die gesamte Impfkampagne bei vielen Bürgern verloren geht.

Holger Fischer

Verunsichert sind teilweise auch diejenigen, die zwei Astrazeneca-Impfungen erhalten haben. Für sie gibt es aktuell aber keine Empfehlung für eine dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juli 2021 | 08:24 Uhr

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