Studie Junge Deutsche akzeptieren mehrheitlich Corona-Regeln

Jugendlichen wird häufig vorgeworfen, der Corona-Pandemie zu sorglos und zu egoistisch zu begegnen. Bilder von Partys und die Statistiken der Infektionszahlen sprechen dafür. Eine Studie kommt zu einem anderen Urteil.

Mädchen mit Mundschutz wartet in einer Haltestelle
Mädchen mit Mundschutz wartet in einer Haltestelle Bildrechte: imago images/Bernd Friedel

Trotz gegenteiliger Vermutungen ist die Akzeptanz für die Corona-Regeln unter jungen Menschen in Deutschland hoch. Das ergab eine Studie der Tui-Stiftung, für die das Meinungsforschungsinstitut YouGov 16- bis 26-Jährige befragt hatte.

Drei Viertel halten Regeln für angemessen oder ausbaufähig

Danach halten 52 Prozent der Befragten die Maßnahmen für angemessen, weiteren 23 Prozent gehen sie sogar nicht weit genug. 19 Prozent halten sie für übertrieben oder eher übertrieben.

Noch deutlicher ist die Mehrheit derer, die von sich sagen, sie hielten die Regeln ein. 83 Prozent bejahten die entsprechende Frage, zwei Prozent erklärten, sie würden sie missachten.

Hauptmotiv ist Schutz anderer

Jugendliche, die sich an die Corona-Regeln halten, tun dies der Befragung zufolge vor allem, um die Gesundheit der Mitmenschen zu schützen. 89 Prozent gaben diesen Aspekt als wichtig an. Der Schutz der eigenen Gesundheit (79 Prozent) und das Vermeiden von Strafen bei Missachtung (61 Prozent) sind für  junge Deutsche demnach etwas weniger wichtige persönliche Gründe.

"Junge Deutsche unterstützen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie", resümierte der Vorsitzende des Kuratoriums der TUI Stiftung, Thomas Ellerbeck. Sie seien sich ihrer Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitmenschen bewusst. Diese Einstellung sei ermutigend.

Umwelt- und Klimaschutz bleiben wichtiger

Gleichzeitig bleibt für junge Menschen trotz der Pandemie der Umwelt- und Klimaschutz das wichtigste politische Thema der EU. 51 Prozent wählten das zu den den drei wichtigsten Themen und damit nur etwas weniger als bei der letzten Befragung im Januar 2020 (55 Prozent). Zweitwichtigstes Thema mit 41 Prozent ist weiter die Migrations- und Asylpolitik (Januar 45 Prozent). Dahinter folgen mit großem Abstand Wirtschaft und Finanzen (23 Prozent), Bildung (20 Prozent) und Soziales (18 Prozent).

Generationenkonflikt wird stärker

Zugleich zeigt die Studie einen sich verstärkenden Generationenkonflikt auf. 56 Prozent der Befragten sagten, dass es einen Interessenkonflikt zwischen Jung und Alt gebe. Im Januar stimmten der Aussage 54 Prozent zu. 48 Prozent meinten, dass die Politiker vor allem die Interessen der älteren Generation vertreten würden, vier Prozentpunkte mehr als zu Beginn des Jahres.

Der Politikwissenschaftler Marcus Spittler, der Studie wissenschaftlich begleitet hat, warnt davor, die Generationen gegeneinander auszuspielen:"Junge Erwachsene, die aktuell ihre wichtigsten Sozialisationserfahrungen machen, wird die Pandemie langfristig prägen." Die Studie habe gezeigt, dass junge Deutsche bereit seien, sich an die Einschränkungen zu halten. Um das Verhältnis zwischen den Generationen in Deutschland sei es hingegen nicht besonders gut gestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Oktober 2020 | 12:15 Uhr

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