Unwetterwarnung Sturmtief "Kirsten" fegt mit Orkanböen über den Brocken

Sturmtief "Kirsten" ist mit Wucht in Deutschland eingefallen. Auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen traf es. Auf dem Brocken wurden Orkanböen von über 140 Kilometer pro Stunde gemessen. In Thüringen wurde die Eröffnung des Weimarer Kunstfestes verschoben. Im sachsen-anhaltischen Landkreis Anhalt-Bitterfeld waren 2.800 Haushalte wegen beschädigter Oberleitungen ohne Strom. Zugleich trieb "Kirsten" die deutschen Windparks kräftig an und sorgte so für einen Ökostromrekord.

26.08.2020, Sachsen-Anhalt, Wernigerode: Wanderer kämpfen sich gegen den Sturm auf den Brockengipfel.
Wanderer kämpfen auf dem Brocken gegen die Orkanböen an. Bildrechte: dpa

Sturmtief "Kirsten" hat in großen Teilen Deutschlands für sehr ungemütliches Wetter gesorgt. Auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bekamen die "stürmische Dame" zu spüren. Nach Angaben von MDR-Meteorologe Jörg Heidermann wurden auf dem Brocken im Harz Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 144,5 Kilometer pro Stunde erreicht.

Auch im Flachland fast 100 km/h

Auch auf dem Fichtelberg im Erzgebirge wehte es ordentlich: Orkanartige Sturmböen erreichten Spitzengeschwindigkeiten bis zu 106 km/h. Auch das Flachland musste teilweise schweren Sturm aushalten. In Erfurt erreichte eine Böe nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts ebenfalls 96,5 Kilometer pro Stunde, was immer noch Windstärke 10 entspricht. Ein ähnlicher Wert wurde mit 91 Kilometern pro Stunde im sächsischen Oschatz gemessen.

2.800 Haushalte in Anhalt-Bitterfeld ohne Strom

In Rochlitz Landkreis Mittelsachsen wurde ein geparkter PKW durch einen herabstürzenden Ast einer Kastanie beschädigt.
Im mittelsächsischen Rochlitz wurden mehrere Fahrzeuge durch herabstürzende Äste beschädigt. Bildrechte: imago images/Mario Hösel

In Sachsen-Anhalt berichtete die Polizei von einigen umgestürzten Bäumen und herabfallenden Dachziegeln. Im Landkreis Stendal wurde die Bundesstraße 188 bei Wust kurzzeitig von einem umgestürzten Baum blockiert. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld waren ab Mittwochmittag gut 2.800 Haushalte stundenlang ohne Strom. Wie der Engerieversorger EnviaM mitteilte, hatten zwischen Schlaitz und Bitterfeld umgestürtzte Bäume die Oberleitungen beschädigt. Durch Umschaltungen konnte bis zum Nachmittag der Großteil der Haushalte aber wieder mit Strom versorgt werden.

Thüringer Städte machen dicht

Wegen des Sturmtiefs wurde der Start des Weimarer Kunstfestes auf Donnerstag verschoben. Zuvor hatten in Thüringen Städte wie Erfurt, Gera, Jena oder Gotha wegen des Sturmtiefs Parks, Freibäder und Friedhöfe geschlossen. Auf dem Hauptfriedhof in Erfurt stürzte ein Baum um. In Weimar warnte die Klassikstiftung davor, ihre Gärten und Parks zu betreten. Schloss Belvedere, Goethes Gartenhaus, die Fürstengruft und die Parkhöhle wurden komplett geschlossen. In Erfurt waren es der Zoo und der egapark. In Bad Langensalza wurde der Baumkronenpfad nach gemessenen Windgeschwindigkeiten von um die 80 km/h gesperrt.

Verkehrsbehinderungen im Westen und Süden

Ein durch das Sturmtief "Kirsten" abgeknickter Baum liegt neben der Fahrbahn.
Abgeknickter Baum bei Elsterwerda. Bildrechte: dpa

Auch in anderen Teilen Deutschlands sorgten Windgeschwindigkeiten von 90 km/h und mehr für Verkehrsbehinderungen. In Elsterwerda im südlichen Brandenburg stürzte ein Baum auf die Bundesstraße 101. Bei Aachen musste die Autobahn 44 für mehrere Stunden gesperrt werden. Zuvor war ein Lkw umgekippt.

Im Bahnverkehr in NRW und Bayern sorgten entwurzelte Bäume zeitweilig für Streckensperrungen. Bei Dortmund ließ die Deutsche Bahn einen mit 100 Personen besetzten Regionalexpress evakuieren, der wegen eines auf dem Gleis liegenden Baumes nicht mehr weiterfahren konnte.

"Kirsten" sorgt für Ökostromrekord

Dunkle Wolken ziehen bei stürmischem Wetter über Windkraftanlagen.
Sturm über der Windkraftanlage bei Dornum in Ostfriesland. Bildrechte: dpa

Auf der anderen Seite sorgte Sturmtief "Kirsten" aber offenbar für einen Ökostromrekord in Deutschland. Wie der Energieversorger Eon mitteilte, trieben die für einen Sommer ungewöhnlich starken Böen die Windräder auf See und an Land kräftig an. Zugleich habe ein wolkenloser Himmel im Süden Deutschlands für viel Strom aus Solaranlagen gesorgt. Den Eon-Angaben zufolge erzeugten am Mittwoch Windräder und Photovoltaikanlagen in der Spitze mehr als 61 Gigawatt Strom. Dies sei so viel wie nie zuvor. Den bisherigen Spitzenwert hatte es im April mit 59 Gigawatt gegeben. Zum Vergleich: Ein Kernkraftwerk hat eine Leistung von gut einem Gigawatt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. August 2020 | 05:50 Uhr

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