Coronavirus-Pandemie Ticker vom Freitag: Russlands Statistikbehörde: Deutlich mehr Corona-Tote als offiziell

Die russische Statistikbehörde Rosstat geht von knapp doppelt so vielen Corona-Todesopfern aus wie von der Regierung offiziell angegeben. In Deutschland haben sich die Zahlen stabilisiert. Die WHO legt erstmals eine Definition für "Long Covid" fest. Die aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie im Ticker.

Ein medizinischer Mitarbeiter trägt einen Schutzanzug im City Clinical Hospital Nr. 7, wo COVID-19-Patienten behandelt werden.
Medizinische Mitarbeiter mit Schutzanzügen im Krankenhaus der Stadt Iwanow. Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Freitag, 8. Oktober 2021, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus finden Sie hier.

22:25 Uhr | Ungarn soll rumänische Covid-Patienten aufnehmen

Angesichts hoher Todeszahlen durch Covid-19 in Rumänien verhandelt die Regierung in Bukarest mit Ungarn über Hilfe bei der Behandlung von Patienten. Das teilte Vize-Innenminister Raed Arafat mit. Ungarn hatte die Aufnahme von Covid-Kranken angeboten. In den vergangenen 24 Stunden starben in Rumänien 357 Covid-Patienten. In dem EU-Land sind nur etwas über ein Drittel der Erwachsenen geimpft. Hintergrund sind fehlendes Vertrauen in die staatlichen Institutionen und Falschinformations-Kampagnen. Die Wochen-Inzidenz liegt aktuell bei mehr als 440 Ansteckungen je 100.000 Einwohner.

20:48 Uhr | Offenbar deutlich mehr Corona-Tote in Russland

Die russische Statistikbehörde Rosstat hat für August rund doppelt so viele Corona-Tote gemeldet wie die Regierung. Im August starben demnach knapp 50.000 Menschen in Verbindung mit dem Virus. Die Regierung hingegen hatte knapp 25.000 Corona-Tote gemeldet. Sie zählt nur primäre Todesfälle mit einer Covid-Erkrankung.

Nach Daten von Rosstat liegt die Zahl der Corona-Todesopfer insgesamt bei mehr als 400.000 und damit knapp doppelt so hoch wie offiziell. Russland zählt zu den am schwersten von der Pandemie getroffenen Ländern, zuletzt stiegen die Fallzahlen wieder. Die Wocheninzidenz liegt aktuell bei 120 Neuinfektionen je 100.000 Menschen, nur knapp ein Drittel der Bevölkerung ist komplett geimpft.

20:05 Uhr | Ab Montag keine kostenlosen Corona-Tests mehr

Ab 11. Oktober sind Corona-Schnelltests in Teststationen und Apotheken in der Regel kostenpflichtig. Aber es gibt Ausnahmen für Kinder und Menschen, die nicht geimpft werden können sowie eine Übergangsfrist für Jugendliche. Testzentren wollen dann Tests für je etwa 15 Euro anbieten, Apotheken veranschlagen etwa 20 Euro. Bund und Länder hatte die Abkehr von kostenlosen Bürgertests für alle beschlossen, da inzwischen ausreichend Impfmöglichkeiten bestehen. Mehr dazu im Grafik-Video.

18:37 Uhr | Schule in Mittelsachsen: Weitere Klassen in Quarantäne

Im Gymnasium in Brand-Erbisdorf (Mittelsachsen) sind mittlerweile sieben Klassen in Quarantäne. Nach positiven Testergebnissen von Schülerinnen und Schülern wurden im Wochenverlauf immer weitere Klassen nach Hause geschickt. Eine komplette Schließung soll nach Aussage von Schulleiter Dirk Barthel jedoch möglichst vermieden werden. Die Schule halte sich streng an die bestehenden Hygieneauflagen wie Maskenpflicht und Testungen, um bis zu den Herbstferien weiter zu unterrichten. Während der Quarantäne gebe es Aufgaben online. Barthel zufolge können sich die Klassen am Montag freitesten und in die Schule zurückkehren. Der Landkreis Mittelsachsen hat mit 153 aktuell die höchste Wocheninzidenz in Sachsen.

17:20 Uhr | Weimarer Zwiebelmarkt mit Maskenpflicht

In Weimar ist der 368. Zwiebelmarkt eröffnet worden. Der historische Markt ist das älteste und größte Stadtfest in Thüringen. Erneut gelten Infektionsschutzregeln. Statt 500 Händlern wie vor der Pandemie sind diesmal 200 dabei, etwas mehr als vor einem Jahr. Auf vier Bühnen gibt es bis Sonntag Live-Musik. Auf dem gesamten Zwiebelmarkt gilt Maskenpflicht, der Ausschank endet schon um 22 Uhr.

16:48 Uhr | Wocheninzidenz in Deutschland stabil über 60

Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat sich bei über 10.000 stabilisiert. Das Robert Koch-Institut registrierte 10.429 Neuansteckungen, etwa 300 mehr als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 63,8 (Vorwoche 64,3/Vormonat 82,7). In Sachsen und Thüringen liegen die Inzidenzen über 80, in Sachsen-Anhalt unter 50.

Auch bei der Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner gab es bundesweit wenig Veränderung: Sie lag am Donnerstag bei 1,61 und damit auf dem Niveau der Vorwoche. Die Hospitalisierungs-Inzidenz ist inzwischen der wichtigste Parameter für Corona-Schutzmaßnahmen. Die Länder regeln das im Detail unterschiedlich.

Dem RKI-Wochenbericht zufolge hat die Häufigkeit von Corona-Ausbrüchen an Schulen und Kitas in diesem Jahr etwa zwei Monate früher begonnen als im Vorjahr. Demnach wurden für die vergangenen vier Wochen 201 Kita- und 481 Schulausbrüche übermittelt. Bei einem Ausbruch gibt es mindestens zwei Infizierte in einer Einrichtung.

15:20 Uhr | Coronafall bei U21-Fußballern

Bei den deutschen U21-Fußballern ist nach dem 3:2-Sieg gegen Israel in der EM-Quali Mittelfeldspieler Roberto Massimo positiv auf das Coronavirus getestet worden. Damit müssen die DFB-Auswahl und Massimos Verein VfB Stuttgart vorerst auf den 20-Jährigen verzichten, der in häusliche Isolation geht. Bei den Schwaben hatte es in den letzten Tagen mehrere Corona-Fälle gegeben.

14:42 Uhr | Baltikum und Ukraine jetzt Hochrisiko-Regionen

Die Bundesregierung stuft Estland, Lettland und die Ukraine ab Sonntag als Corona-Hochrisikogebiete ein. Das teilte das Robert Koch-Institut mit. In den baltischen Staaten etwa liegt die Wocheninzidenz aktuell über 400. Für zahlreiche andere Länder gilt die Einstufung dann nicht mehr, unter anderem für Aserbaidschan, Kasachstan und Kolumbien. Für Einreisende aus diesen Gebieten fallen dann die Quarantäneregeln weg.

13:50 Uhr | Maske verweigert: Kündigung eines Lehrers rechtens

Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hat die außerordentliche Kündigung eines brandenburgischen Grundschullehrers für wirksam erklärt, der die Maskenpflicht abgelehnt hatte. Das geht aus einem Urteil vom Donnerstag hervor, wie das Gericht am Freitag mitteilte.

Damit änderte das Gericht eigenen Angaben zufolge eine vorherige Entscheidung des Arbeitsgerichtes Brandenburg an der Havel, das die Kündigung als unwirksam erklärt hatte. Zur Begründung hieß es, die Kündigung des Landes sei wegen Äußerungen des Lehrers in E-Mails an die Schulelternsprecherin gerechtfertigt. In einer E-Mail hatte der Mann laut Mitteilung die Maskenpflicht in der Schule als Nötigung, Kindesmissbrauch und Körperverletzung bezeichnet. Zudem habe er die Eltern aufgefordert, mit einem vorformulierten zweiseitigen Schreiben gegen die Schule vorzugehen.

13:30 Uhr | Intensivmediziner: Nächste Welle könnte letzte sein

Der Jenaer Intensivmediziner Michael Bauer sieht angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen eine sich aufbauende neue Corona-Welle. "Sie nimmt gerade Fahrt auf", sagte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena. "Das könnte voraussichtlich die letzte große Welle sein, die über uns rollt – aber es wird noch einmal unnötige Todesfälle geben."

Auf den Intensivstationen lägen zunehmend jüngere Menschen, die schwer an Covid-19 erkrankt seien. "Wir haben 29- und 32-Jährige auf der Station." Am Klinikum Jena etwa seien alle schwer Erkrankten nicht gegen Covid-19 geimpft. "Der Unterschied zu Geimpften ist eklatant."

10:20 Uhr | Kultusminister wollen Quarantäneregeln nicht verschärfen

Die Kultusministerinnen und -minister der Ländern wollen auch nach einer weitgehenden Aufhebung der Maskenpflicht in Schulen nur die Corona-Infizierten und engen Kontaktpersonen in Quarantäne schicken. Das sei im Interesse eines verlässlichen Präsenzunterrichts in den Schulen nötig, heißt es in einem Beschluss der Kultusministerkonferenz. "Um die gewonnene Sicherheit für den Schulbetrieb zu erhalten, können die regelmäßigen Testungen für Schülerinnen und Schüler bis auf Weiteres fortgeführt werden", heißt es weiter. Etliche Bundesländer haben die Maskenpflicht im Unterricht bereits aufgehoben, andere, wie Sachsen, planen eine Aufhebung.

09:37 Uhr | Israel will massenhafte Quarantäne von Schülern eindämmen

Israel bemüht sich in der Corona-Pandemie darum, die massenhafte Quarantäne von Schulkindern einzudämmen. In Städten mit niedrigen Infektionszahlen sollen künftig im Falle eines infizierten Schülers nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne, wie Ministerpräsident Naftali Bennett und Gesundheitsminister Nitzan Horowitz mitteilten. Stattdessen sollen die Schüler einer betroffenen Klasse eine Woche lang täglich auf das Corona-Virus getestet werden. Wer negativ ist, kann weiter zur Schule gehen. Am ersten und am siebten Tag sollen PCR-Tests gemacht werden, dazwischen Schnelltests zuhause. Medienberichten zufolge geht es dabei um rund 250 Schulen.

Bisher mussten in Israel grundsätzlich ganze Klassen in Quarantäne, wenn ein Schüler positiv auf Covid-19 getestet wurde. Ausgenommen waren nur geimpfte und vom Corona-Virus genesene Schüler. Das führte nach Medienberichten dazu, dass zeitweise etwa 100.000 Kinder und Jugendliche landesweit in Quarantäne waren – bei 2,4 Millionen Schülern insgesamt.

08:30 Uhr | WHO definiert "Long Covid"

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat erstmals eine Definition für die unter dem Schlagwort "Long Covid" bekannten Langzeitwirkungen einer Corona-Infektion fertiggestellt. Wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mitteilte, müssen die Beschwerden demnach innerhalb von drei Monaten nach einer Corona-Infektion auftreten, mindestens zwei Monate lang dauern und nicht durch eine andere Diagnose erklärbar sein.

Verbreitete Symptome sind demnach Erschöpfung, Kurzatmigkeit und kognitive Beeinträchtigungen. Die Beschwerden können der Definition zufolge von Beginn an oder erst nach dem akuten Stadium der Corona-Infektion auftreten und in ihrer Stärke im Laufe der Zeit ab- und zunehmen. Tedros erklärte, die WHO-Definition erleichtere die Diagnose und die Erforschung von Long Covid.

07:22 Uhr | Guterres: Horten von Corona-Vakzinen "unmoralisch"

UN-Generalsekretär António Guterres hat reiche Länder mit harschen Worten für das Horten von Corona-Impfstoffen kritisiert. Ärmeren Ländern Corona-Impfstoffe vorzuenthalten und damit eine gerechte Verteilung zu verhindern sei "nicht nur eine Frage des Unmoralischseins, es ist auch eine Frage der Dummheit", sagte Guterres bei einer Online-Pressekonferenz. Die ungleiche Impfstoffverteilung begünstige die Corona-Pandemie. Er warnte vor Millionen weiteren Todesopfern durch Covid-19 und einem durch die Pandemie verursachten wirtschaftlichen Abschwung, der "Billionen Dollar kosten" könnte.

Der Generalsekretär führte aus, bei der Ausbreitung des Coronavirus in Gebieten mit geringer Impfquote sei die Gefahr größer, dass sich Varianten entwickelten, gegen die die Impfstoffe nicht helfen. "Alle Impfbemühungen in den entwickelten Ländern, die ganze Bevölkerung ein, zwei oder drei Mal zu impfen, all diese Bemühungen werden in die Binsen gehen", warnte Guterres.

06:46 Uhr | Japan kauft Millionen weiterer Biontech/Pfizer-Impfdosen

Japan vereinbart mit Pfizer eine Lieferung von weiteren 120 Millionen Impfdosen ab Januar 2022. Das teilte das japanische Gesundheitsministerium mit. Nach einem späten Start der Impfkampagne sind nun etwa 63 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Das Land versucht nun jedoch, zusätzlichen Nachschub für Auffrischungsimpfungen zu sichern, da man befürchtet, dass die Wirksamkeit der Impfungen mit der Zeit nachlässt oder neue Varianten auftauchen könnten.

06:35 Uhr | Kassenärzte-Chef: "Freedom Day" rückt näher

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, erwartet nach der Korrektur der offiziellen Impfquote durch das Robert Koch-Institut (RKI) baldige Lockerungen von Corona-Restriktionen. "Mit einer zu niedrigen Impfquote kann man nun nicht mehr für Corona-Maßnahmen argumentieren", sagte Gassen der "Bild"-Zeitung. "Der Freedom-Day rückt näher."

Die Impfquote unter den Erwachsenen in Deutschland ist einer neuen Erhebung des RKI zufolge höher als bislang angenommen. Es sei "in der Erwachsenenbevölkerung von einem Anteil mindestens einmal Geimpfter von bis zu 84 Prozent und einem Anteil vollständig Geimpfter von bis zu 80 Prozent auszugehen", hieß es am Donnerstag in der Auswertung des neuen Impfquoten-Monitorings.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Donnerstag auf Grundlage der neuen RKI-Erhebung einen Teil der Corona-Regeln für verzichtbar erklärt. Deutschland könne nunmehr allein mit den 3G-Regeln für Innenräume sowie den Schutzmasken in Bus und Bahn gut durch Herbst und Winter kommen.

06:32 Uhr | Sachsen-Anhalt: Entscheidung über Maskenpflicht nach Herbstferien

In Sachsen-Anhalt soll die Entscheidung über die Maskenpflicht an Schulen erst nach den Herbstferien fallen. Bildungsministerin Eva Feußner begründete das bei MDR AKTUELL mit den derzeit steigenden Corona-Infektionszahlen. Man wolle zumindest die Ferien noch abwarten und sehen, wie sich die Inzidenzen in den Schulen entwickelten. Mit einer Entscheidung sei Anfang November zu rechnen. Die CDU-Politikerin wies darauf hin, dass man seit Beginn des Schuljahres bereits keine Maskenpflicht mehr im Unterricht und auf dem Schulhof habe.

06:00 Uhr | Der Ticker am Freitag, 8. Oktober 2021

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 08. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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