Coronavirus-Pandemie Ticker vom Mittwoch: Spahn und die Stiko werben für parallele Grippe- und Corona-Impfung

Bundesgesundheitsminister Spahn und die Stiko werben für eine Grippeschutzimpfung, am besten parallel, wenn noch kein Covid-Schutz besteht. Bayerns Corona-Verordnung vom Beginn der Pandemie war laut Gerichtsurteil unverhältnismäßig. Weltweit hat die Zahl der Corona-Toten die Marke von fünf Millionen übersprungen. Thüringen verzichtet auf die Abfrage beim Lehr- und Kita-Personal nach dem Impfstatus. Aktuelle Entwicklungen im Coronavirus-Ticker.

Unser Ticker am Mittwoch, 6. Oktober 2021, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus finden Sie hier.

22:30 Uhr | OECD drängt auf Impftempo

Die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise verläuft nach Ansicht der OECD unausgewogen. Generalsekretär Mathias Cormann macht dafür den weltweit unterschiedlichen Impffortschritt verantwortlich. Auf einem Ministerratstreffen der Organisation sagte er, das Tempo müsse gesteigert werden. In einer Abschlusserklärung hieß es, die Produktionskapazitäten von Impfstoff müssten auch in den Entwicklungsländern gesteigert werden. Die Überwindung der Corona-Pandemie sei neben dem Entwickeln von Strategien in der Klima-Krise die drängendste Zukunftsfrage.

19:23 Uhr | Italien: Impfschutz bei mRNA-Stoffen hält lange

Nach einer Studie aus Italien hält der Schutz durch mRNA-Impfstoffe wie von Biontech/Pfizer und Moderna lange an. Das Nationale Gesundheitsinstitut teilte in Rom mit, auch sieben Monate nach der zweiten Impfung seien Menschen mit normalen Gesundheits-Status zu 89 Prozent gegen Ansteckung immun. Das Ergebnis basiere auf Daten von mehr als 29 Millionen Personen. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem habe die Wirkung allerdings vier Wochen nach der zweiten Impfung nachgelassen.

18:50 Uhr | Disziplinarverfahren gegen Saalekreis-Landrat eingestellt

Das Landesverwaltungsamt in Halle hat das Disziplinarverfahren gegen den Landrat des Saalekreises, Hartmut Handschak, eingestellt. Die Behörde teilte mit, der Verdacht eines Verstoßes gegen die in der Corona-Impfverordnung festgelegte Impfreihenfolge habe sich nicht erwiesen. Weitere Angaben machte das Amt nicht.   

Hartmut Handschak
Landrat Hartmut Handschak Bildrechte: Hartmut Handschak

Der Landrat hatte Ende Dezember 2020 seine erste Impfung erhalten, als der Impfstoff noch knapp war. Der Merseburger Landrat, Jahrgang 1961, hatte seine Impfung in einem Zeitungsinterview damit begründet, dass er damals wegen eines Beratungstermins in einer Klinik gewesen sei. Als dort eine Dosis übrig geblieben sei, für die es weder impfwillige Beschäftigte noch geeignete Patienten gegeben habe, habe er das "Impfangebot" angenommen. Handschak räumte später ein, er würde so nicht mehr handeln.

18:36 Uhr | Unternehmen können weitere Hilfen beantragen

Unternehmen, die weiterhin unter der Corona-Krise leiden, können ab sofort Überbrückungshilfen für die Monate Oktober bis Dezember beantragen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, müssen sie dazu einen Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent nachweisen können. Anträge könnten bis Silvester gestellt werden. Auch Selbstständige können für den Zeitraum Oktober bis Dezember weitere Gelder bekommen.

16:52 Uhr | Tschechien mit höchster Infektionszahl seit Mai

In Tschechien hat die Zahl der täglichen Neuinfektionen erstmals seit Mitte Mai wieder die 1.000 überschritten. Das Gesundheitsministerium meldete heute 1.108 positive Testergebnisse. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg innerhalb eines Tages von 43 auf 49. Die Zahl der Krankenhauspatienten ist mit 267 weiter gering.

15:48 Uhr | Urteil: Bayerns erste Corona-Verordnung unwirksam

Bayern hat nach Ansicht des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zu Beginn der Pandemie unverhältnismäßig die Rechte von Bürgern eingeschränkt. Das Gericht erklärte eine Verordnung der bayerischen Landesregierung vom März 2020 im Nachhinein für unwirksam.

Markus Soeder, Ministerpräsident Bayern und CSU-Vorsitzender, angespannt
Muss juristische Niederlage bei Corona-Verordnung hinnehmen. Bildrechte: imago images/Sven Simon

Das bayerische Gesundheitsministerium hatte damals verfügt, dass das Verlassen der eigenen Wohnung in Bayern nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt sei. Triftige Gründe waren etwa die Arbeit, Arztbesuche oder die Versorgung von Tieren. Die Regelung galt drei Wochen.

Nach Auffassung des Verwaltungsgerichtshofs war die Verordnung bereits formal unwirksam, weil sie erst eine Woche nach dem Inkrafttreten ordnungsgemäß veröffentlicht wurde. Dem Urteil zufolge verstieß die bayerische Regierung aber auch gegen das sogenannte Übermaßverbot. Die Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheit seien unverhältnismäßig gewesen. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht möglich.

15:29 Uhr | Pfizer lässt brasilianische Stadt durchimpfen

Das US-Unternehmen Pfizer will alle Einwohner der brasilianischen Stadt Toledo über zwölf Jahre mit seinem Covid-19-Impfstoff impfen, um dessen Wirksamkeit weiter zu untersuchen. Die Studie in der 143.000-Einwohner-Stadt findet in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Impfprogramm Brasiliens, den örtlichen Gesundheitsbehörden, einem Krankenhaus und der staatlichen Universität statt.

Pfizer erklärte, Ziel sei es, die Entwicklung von Covid-19 zu untersuchen, wenn die Bevölkerung komplett geimpft worden sei.

15:15 Uhr | Schweden setzt Moderna-Impfung für Unter-30-Jährige aus

Schweden setzt Impfungen mit Moderna für unter 30-Jährige aus. Die schwedische Gesundheitsbehörde begründete den Schritt mit einem Verweis auf Berichte über seltene Nebeneffekte wie Myokarditis. Die Behörde betonte, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, das Risiko von Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen sei sehr gering.

14:05 Uhr | Drohbriefe gegen Impfärzte

Mehrere Ärzte in Thüringen, die gegen Covid-19 impfen, haben Drohbriefe erhalten. Das teilte der Pandemiestab der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) mit. Auch beim KV seien solche Briefe mit einer "gewissen Radikalität, die wir so nicht kennen" eingegangen. Der Absender habe Namen und Adresse hinterlassen. Die KV prüfe jetzt rechtliche Schritte. Demnach sind vor allem Ärzte aus Nordthüringen betroffen. Nach Angaben der KV melden sich aktuell weitere betroffene Mediziner. Anfang September war in Thüringen ein Impfteam in Gera von einem Mann angegriffen worden, er verletzte zwei medizinische Fachangestellte. 

12:40 Uhr | Hirnforscher: Einsamkeit kann tödlich sein  

Einsamkeit kann nach Aussage des Hirnforschers Manfred Spitzer tödlich enden. Einsamkeit sei etwas anderes als soziale Isolation, erklärt der Leiter der Psychiatrischen Uni-Klinik Ulm. Man könne sich auch mitten unter Menschen einsam fühlen. Wenn das als dauerhafter Stress erlebt werde, drohten körperliche und seelische Krankheiten bis hin zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Depression. Eine Studie habe sogar nachgewiesen, dass Einsamkeit ansteckend sei. Wer mit einsamen Menschen befreundet sei, laufe Gefahr, selbst zu vereinsamen.

Spitzer zufolge wächst mit der Vereinzelung in der Gesellschaft die Einsamkeit, quer durch die Gesellschaft. Am stärksten seien jedoch junge Frauen betroffen. Die Lockdowns während der Corona-Pandemie haben demnach das subjektive Einsamkeitsgefühl vielfach verstärkt. Der Hirnforscher rät als Gegenmittel zur Kommunikation: Telefonate, Chats oder reale Begegnungen.

11:32 Uhr | Dramatische Fallzahlen in Russland

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie hat Russland mehr als 900 Todesfälle an einem Tag verzeichnet. Der offiziellen Statistik zufolge starben 929 Menschen mit einer Infektion. Seit Tagen meldet das Land mit rund 146 Millionen Einwohnern steigende Todeszahlen. Auch die Zahl der Neuinfektionen steigt - zuletzt auf 25.100. 90 Prozent der Intensivbetten sind belegt. Der Kreml machte dafür die schleppend verlaufende Impfkampagne verantwortlich. Nur knapp ein Drittel der Menschen sind vollständig geimpft.

10:45 Uhr | Spahn wirbt für Doppel-Impfung gegen Covid-19 und Grippe

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Bevölkerung aufgerufen, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Wer noch nicht gegen Covid-19 geimpft sei, könne das auch parallel an einem Termin machen. Spahn betonte, in diesem Jahr sei das Gripperisiko höher, da die Grippewelle im letzten Winter durch die Corona-Maßnahmen quasi ausgefallen sei und somit eine geringere Grundimmunität bestehe. Spahn versicherte, 27 Millionen Dosen Influenza-Impfstoff stünden zeitnah zur Verfügung. Es gebe keine Lieferverzögerungen wie im letzten Jahr.

Jens Spahn nimmt neben Lothar Wieler und Thomas Mertens an einer Pressekonferenz teil.
Spahn (re), Wieler (mi) und Mertens bei der Pressekonferenz in Berlin. Bildrechte: dpa

RKI-Chef Lothar Wieler mahnte, im Winter seien steigende Corana- und Grippe-Fallzahlen wahrscheinlich. Beide Atemwegserkrankungen gefährdeten besonders Ältere und Risikopatienten. Man müsse versuchen, die Belastung für die Kliniken gering zu halten. Auch die AHA-Regeln behielten ihre Notwendigkeit und Wirksamkeit. Er verwies darauf, dass das auch Kinder und Jugendliche schütze, da diese bislang nicht gegen Covid-19 geimpft werden können, denn auch diese könnten schwer erkranken, wenn auch seltener. Wieler sprach sich gegen die Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen aus. Zumindest bis zum Frühjahr sollte nicht an den Empfehlungen zum Infektionsschutz an Schulen, Kitas und in Alten- und Pflegeheimen gerüttelt werden.

Stiko-Chef Thomas Mertens ergänzte, die Covid-Impfungen und der Rückgang der Infektionszahlen hätten gezeigt, wie wirksam Impfungen seien. Das gelte auch für Influenza-Impfungen. Mertens bestätigte die Empfehlung zur Co-Impfung gegen Covid-19 und Grippe parallel am rechten und linken Oberarm. Das gelte für sogenannte Totimpfstoffe, ebenso wie die gängigen mRNA-Vakzine gegen Covid-19.

09:26 Uhr | Schülerrat Sachsen gegen Ende der Maskenpflicht

Der Landesschülerrat in Sachsen hat sich gegen eine Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen. Vizevorsitzender Oliver Sachsze sagte, die Mehrheit der Schülerschaft habe sich mit der Maskenpflicht abgefunden. Man setze lieber im Unterricht Masken auf und sei sicher vor Corona, als zu Hause unterrichtet zu werden. Das habe auch Kultusminister Christian Piwarz schon so gesagt. Dennoch wird ein Ende der Maskenpflicht im Unterricht diskutiert. Eine Entscheidung des Kabinetts steht noch aus.

08:50 Uhr | Mehr als 5 Millionen Corona-Tote weltweit

Weltweit haben sich nachweislich knapp 236 Millionen Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt sich aus offiziellen Daten und Berechnungen von Reuters. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. Mehr als 5,02 Millionen Menschen starben mit oder an dem Virus seit den ersten nachgewiesenen Fällen Ende 2019 in China. Mehr in unserer Pandemie-Chronik.

Die weltweit höchsten Zahlen weisen die USA auf. Hier steigen die Infektionszahlen binnen eines Tages um knapp 93.000 auf über 44 Millionen. Die Wocheninzidenz liegt über 200. Mindestens 2.090 weitere Infizierte starben, die Gesamtzahl erhöhte sich auf 707.400. Die Impfquote mit Vollschutz liegt in den USA bei gut 55 Prozent.

08:17 Uhr | Guatemala: Impfgegner nehmen Impfteam als Geiseln

In Guatemala haben radikale Impfgegner ein mobiles Impfteam angegriffen. Wie lokale Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium meldeten, blockierten etwa 500 Bewohner im Norden des Landes eine Straße und zerstörten die Fahrzeuge und Impfdosen des Impfteams. Erst nach stundenlangen Verhandlungen gelang es demnach, das medizinische Personal frei zu bekommen. Als Grund für die Gewalt vermutet die Regierung Falschinformationen zu Corona-Impfungen in sozialen Netzwerken. Bislang sind nur 2,5 Millionen Menschen oder ein Viertel der Bevölkerung komplett geimpft. Damit liegt Guatemala am Ende der lateinamerikanischen Impfstatistik.

07:44 Uhr | J&J beantragt Zulassung für Booster-Impfung

Der Arzneimittelkonzern Johnson & Johnson hat bei der US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung von Auffrischungsimpfungen mit seinem Corona-Impfstoff für Menschen über 18 Jahren beantragt. Konzerneigene Untersuchungen hätten ergeben, dass eine Booster-Impfung die Schutzwirkung auf 94 Prozent erhöhe, teilte die Forschungsabteilung mit. Im Gegensatz zu anderen Vakzinen genügt beim Impfstoff von J&J offiziell eine Dosis für den Vollschutz.

Die klinische Studie in den USA zeigte demnach, dass eine zweite Dosis zwei Monate nach der ersten Dosis zu 94 Prozent wirksam gegen mittelschwere bis schwere Fälle und 14 Tage nach der zweiten Injektion zu 100 Prozent wirksam gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung war.

07:00 Uhr | Thüringen fragt Impfstatus von Schulpersonal nicht ab

Das Thüringer Bildungsministerium verzichtet weiterhin auf die Abfrage des Impfstatus der Beschäftigten an Schulen und Kitas. Man gehe von einer hohen Impfrate bei Pädagoginnen und Pädagogen aus, sagte ein Sprecher. Darauf deuteten punktuelle Rückfragen hin. Bislang habe "keine zentrale Abfrage des Impfstatus stattgefunden". Jüngsten Daten zufolge sind zuletzt gerade in den Schulen die Infektionszahlen gestiegen. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft Covid-19 in der Regel jedoch mild.

Seit Mitte September erlaubt eine Neuregelung des Bundes in bestimmten Bereichen eine Impfstatus-Abfrage bei Beschäftigten unter anderem in Schulen und Kindergärten. Das Bildungsministerium wies darauf hin, dass ab Warnstufe 3 auch in Schulen die 3G-Regelung greife (geimpft, genesen oder negativ getestet).

06:42 Uhr | Inzidenz in Deutschland leicht gesunken

In Deutschland ist binnen eines Tages die Zahl der bekannten Infektionen um 11.547 auf nun insgesamt 4,27 Millionen gestiegen. Das Robert Koch-Institut gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Mittwochmorgen mit 62,3 an. Am Vortag hatte der Wert bei 63,6 gelegen, vor einer Woche bei 61,0. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen 24 Stunden 11.547 Corona-Neuinfektionen.

06:25 Uhr | Generation Z von Lockerungen auch gestresst

Viele junge Menschen in Deutschland fühlen sich von den Lockerungen der Corona-Maßnahmen gestresst. Der Aussage "Ich fühle mich unter Druck gesetzt, viele Dinge zu unternehmen, wenn es wieder möglich ist" stimmten im September 34 Prozent der nach 1995 Geborenen zu, wie aus Daten des Instituts für Generationenforschung in Augsburg hervorgeht.

Seit Beginn der Pandemie fragt das Institut alle zwei Wochen mindestens 1.500 repräsentativ ausgewählte Menschen, wie sie die Corona-Pandemie erleben. Im Mai hatte die Zustimmung zu der oben genannten Aussage bei der Generation Z noch 54 Prozent betragen.

06:00 Uhr | Der Ticker am Mittwoch, 6. Oktober 2021

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 06. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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