Coronavirus-Pandemie Ticker vom Mittwoch: Kretschmer gegen Ende der epidemischen Notlage

Sachsens Ministerpräsident spricht sich gegen ein Ende der epidemischen Notlage aus und wirbt für eine Ausweitung von 2G. Einer Studie zufolge sind genesene Covid-19-Patienten anfälliger für andere Erkrankungen. In den USA haben Experten eine Notfallzulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren empfohlen. Auch in Deutschland wird darauf gesetzt, bald jüngere Kinder impfen zu können. Doch die Ständige Impfkommission bleibt vorsichtig.

 Im Fenster einer Kiez-Kneipe hängt ein Zettel mit dem Text «2G, Einlass nur für Geimpfte und Genesene».
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Unser Ticker am Mittwoch, 27. Oktober 2021, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus finden Sie hier.

22:40 Uhr | Mediziner rufen zu Auffrischungsimpfung auf

Mediziner haben angesichts der steigenden Zahl von Corona-Fällen dazu aufgerufen, die Möglichkeiten für eine Auffrischungsimpfung zu nutzen. Der Allgemeinmediziner Malik Böttcher sagte dem RBB, es müsse eine Diskussion losgehen über die Drittimpfung. Ähnlich äußerte sich der Amtsarzt Patrick Larscheid. "Je weniger ihr geimpft seid, desto größer wird das Problem für euch."

Auch der Virologe Klaus Stöhr rief dazu auf, sich die sogenannte Booster-Impfung zu überlegen. Der Impfstoff sei da, auch gebe es genügend Betriebsärzte, Hausärzte und es gebe Impfzentren.

20:45 Uhr | Update: Ampel-Parteien für Ende der Notlage

SPD, Grüne und FDP wollen die Feststellung einer "pandemischen Lage von nationaler Tragweite" durch den Bundestag 25. November auslaufen lassen und sie durch eine bis 20. März 2022 geltende Übergangsregelung ersetzen. Die möglichen Regierungspartner präsentierten am Mittwoch ein Eckpunktepapier. Danach sollen die Länder weiter Maskenpflichten und Hygienekonzepte vorschreiben können, Regelungen für Innenräume und Kontaktverfolgungen, nicht aber pauschale Schließungen.

Schulschließungen, Lockdowns und Ausgangssperren wird es jedenfalls mit uns nicht mehr geben.

Es werde nun ein Gesetzentwurf vorbereitet, der vor allem eine Änderung von Paragraf 28a des Infektionsschutzgesetzes vorsehe, konkret die Streichung der umfangreichen Maßnahmenliste, die Grundlage für weitgehende Eingriffe der Länder war.

Der Bundestag soll demnach am 10. oder 11. November beraten, sagte Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt. Eine Sondersitzung des Bundesrats wäre laut Wiese dann vor dem 25. November nötig. Das Gesundheitsministerium unter dem jetzt geschäftsführenden Minister Jens Spahn (CDU) bot an, helfend zur Seite zu stehen.

17:17 Uhr | Piwarz schließt erneute Schulschließungen aus

Trotz steigender Corona-Zahlen hält Sachsens Kultusminister Christian Piwarz daran fest, dass es keine flächendeckenden Schulschließungen im Freistaat geben wird. Piwarz sagte bei MDR AKTUELL, wenn nötig, würden einzelne Schulen für eine gewisse Zeit geschlossen. Das habe es vor den Herbstferien gegeben und werde sicherlich auch danach passieren. Im schlimmsten Fall würde in Sachsen wieder der Wechselunterricht eingeführt.

Piwarz verteidigte seine Entscheidung, dass Schüler ab dem 8. November im Unterricht an ihrem Platz keine Maske mehr tragen müssen. Das sei eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Entscheidend sei aber das Infektionsgeschehen.

16:58 Uhr | Flugangebot nähert sich deutlich dem Vor-Pandemie-Niveau

Mit dem Winterflugplan ab kommenden Sonntag steigt das Angebot an deutschen Flughäfen auf fast 70 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. Das teilte der Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft in Berlin mit. Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow sagte, man sehe wieder Licht am Ende des Tunnels. Allerdings seien wichtige Verbindungen nach wie vor durch Reisebeschränkungen blockiert. Das betreffe inbesondere die asiatischen Länder.

In der Pandemie war der Luftverkehr in weiten Teilen zum Erliegen gekommen.

15:54 Uhr | Kretschmer gegen Ende der epidemischen Lage

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer drängt zu einer Fortsetzung der epidemischen Lage nationaler Tragweite. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen schrieb der CDU-Politiker bei Twitter, die Pandemie sei noch nicht zu Ende. "Im Gegenteil: Sie gewinnt gerade wieder an Kraft und Gefährlichkeit." Damit widersprach er Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der die bundesweite Corona-Notlage nach dem 25. November nicht weiter verlängern will. Auch SPD, Grüne und FDP sprachen sich heute am Rande ihrer Koalitionsverhandlungen dafür aus, die Notlage auslaufen zu lassen.

Kretschmer warb zugleich für eine Ausweitung der 2G-Regel. Andernfalls gebe es in einigen Wochen nicht mehr die Möglichkeit, Einschränkungen auf die Risikogruppen der Ungeimpften zu konzentrieren. Bei der 2G-Regel erhalten nur geimpfte und genesene Menschen Zutritt zu bestimmten Räumen und Veranstaltungen, ein negativer Test wird dann nicht mehr akzeptiert.

15:23 Uhr | BGH: Familiengerichte nicht für Corona-Maßnahmen zuständig

Familiengerichte sind nicht befugt, Corona-Regeln an Schulen außer Kraft zu setzen. Das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe grundsätzlich entschieden. Familienrichter können demnach gegenüber schulischen Behörden prinzipiell keine Anordnungen zur Durchsetzung des Kindeswohls erlassen. Dafür seien ausschließlich die Verwaltungsgerichte zuständig.

Im Jahresverlauf hatten mehrere Entscheidungen von Familienrichtern zu Corona-Maßnahmen für Schlagzeilen gesorgt. So hatte in Weimar ein Familienrichter im Frühjahr zwei Schulkinder auf Antrag ihrer Eltern von der Maskenpflicht freigestellt.

12:39 Uhr | Höhere Anfälligkeit für andere Erkrankungen

Genesene Covid-19-Patienten sind einer Studie zufolge anfälliger für andere Erkrankungen. Nach einer Analyse von Daten der Krankenversicherungen haben sie drei Monate nach der akuten Infektion häufiger ärztliche Diagnosen physischer und psychischer Symptome erhalten als andere Menschen. Wie die Universitätsklinik Dresden mitteilte, geht es bei Kindern und Jugendlichen häufiger um Unwohlsein und rasche Erschöpfung, Husten, Schmerzen im Hals- und Brustbereich, um Angststörungen und Depressionen. Bei den Erwachsenen waren es demnach eher Geschmacksstörungen, Fieber, Husten und Atembeschwerden. An der Studie waren mehrere gesetzliche Krankenkassen und das Robert Koch-Institut beteiligt.

12:23 Uhr | Erhöhte Nachfrage nach Schuldnerberatung

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie drücken aus Sicht von Schuldnerberatungen etwa der Caritas und der Diakonie immer mehr Menschen in Deutschland in finanzielle Not. Die Stellen verzeichneten im ersten Halbjahr 2021 eine deutliche Zunahme der Zahl der Anfragen. Laut einer Umfrage ihrer Arbeitsgemeinschaft meldeten mehr als zwei Drittel der befragten Beratungsstellen zehn bis 30 Prozent mehr Anfragen als vor der Pandemie.

10:36 Uhr | 3G-Regel keine Bedingung für Behandlung

Das Bundesgesundheitsministerium hat klargestellt, dass die 3G-Regel keine Voraussetzung für medizinische Behandlungen sein kann. Der Zeitung "Die Welt" sagte ein Sprecher des Ministeriums: "Vertragsärzte sind verpflichtet, Patientinnen und Patienten zu behandeln. Die Behandlung dürfen sie nicht von der Einhaltung der 3G-Regel abhängig machen." Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wies darauf hin, dass es für einen sicheren Praxisbetrieb auch Alternativen gebe, etwa speziell eingerichtete Sprechzeiten.

09:01 Uhr | Viele Infektionen in Tschechien und Bulgarien

Aus Tschechien melden die Behörden heute mit zuletzt 6.274 neuen Sars-CoV-2-Infektionen den höchsten Wert seit dem 7. April. Damit haben sich die Zahlen im Nachbarland mit seinen gut 10,7 Millionen Einwohnern binnen einer Woche fast verdoppelt. Die Zahl der Covid-19-Patienten war bis Dienstag auf 1.146 gestiegen, von 249 Anfang des Monats. Davon lagen nach Daten des Gesundheitsministeriums jetzt 166 Patienten auf Intensivstationen. Vollständig geimpft waren in Tschechien zuletzt fast 6,1 Millionen Menschen.

Auch Bulgarien verzeichnet mit 6.813 Neuinfektionen einen neuen Höchstwert. Zudem melden die Behörden binnen 24 Stunden 124 Todesfälle. Erst am Vortag war hier mit 243 Todesfällen ein Rekord registriert worden. Bulgariens Gesundheitssystem gilt als überlastet. Die Zahl der Covid-19-Patienten in Kliniken ist auf mehr als 7.300 gestiegen. Die Impfskepsis in dem EU-Land mit seinen rund sieben Millionen Einwohnern ist hoch. Vollständig geimpft waren gerade einmal 24 Prozent der Erwachsenen.

08:54 Uhr | Auch das UKE erwartet mehr Patienten

Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Stefan Kluge, warnt vor steigenden Patienten-Zahlen in den kommenden Wochen. Als Grund nannte er in einem "Bild"-Interview die Reiserückkehrer und die kältere Witterung. Das werde auch eine Herausforderung, "weil das Pflegepersonal immer knapper wird", sagte Kluge. Hinzu komme, dass viele Menschen sich in scheinbarer Sicherheit wiegen. Derzeit werden laut Kluge am UKE neun Patienten von Ende 20 bis 70 Jahren intensiv behandelt, sechs von ihnen beatmet. Fast alle Patienten seien nicht geimpft.

08:12 Uhr | Tote in Norderstedter Pflegeheim

Im Zusammenhang mit dem Coronavirus-Ausbruch in einem Pflegeheim in Norderstedt sind zwei weitere Menschen gestorben. Dabei handelt es sich um einen 94 Jahre alten Bewohner und eine 74 Jahre alte Frau, die Kontaktperson eines oder einer Infizierten war. Wie der Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein mitteilte, waren in den vergangenen Tagen bereits zwei infizierte Bewohner der Einrichtung im Alter von 95 und 80 Jahren gestorben. Insgesamt seien 66 der 76 Heimbewohner und 22 der rund 70 Beschäftigten positiv getestet worden. Sechs von ihnen liegen demnach im Krankenhaus, aber niemand auf der Intensivstation.

07:15 Uhr | Sachsens Krankenhäuser sind besorgt

Die sächsischen Krankenhäuser sehen die steigende Zahl ihrer Covid-19 Patienten mit Sorge. Friedrich München, Vize-Chef der Krankenhausgesellschaft in Sachsen, sagte jetzt der dpa, in den vergangenen fünf Tagen sei ihre Zahl von 328 auf 461 und die der Patienten auf Intensivstationen von 117 auf 134 gestiegen. Gehe das so weiter, "könnten wir Kapazitätsprobleme haben". Weiter sagte München, es gebe "eine Infektiosität in der Gesellschaft, über die wir nur wenig Erkenntnisse haben". Geimpfte ließen sich nicht mehr testen. Auch deshalb sei die weitere Entwicklung ungewiss.

Das Problem seien weniger die Betten als vielmehr das Personal, sagte München. Es gebe einen gesetzlichen Personalschlüssel für Fachkräfte der Intensivpflege. Der Krankenhausgesellschaft lägen zwar keine Daten vor, wie viele Pflegekräfte ihren Beruf wegen der hohen Belastungen aufgegeben haben, bestimmt aber einige.

07:00 Uhr | Ärzteverbände mahnen Impf-Kampagne an

In der Debatte um die Auffrischungsimpfungen sieht der Vize-Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Stephan Hofmeister, die Politik in der Pflicht: "Es kann nicht sein, dass die Politik sich beim Thema Auffrischimpfung herausgezogen hat und sich nicht mehr kümmert", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gezielte Einladungen oder zumindest Medienkampagnen seien nötig.

Die Deutschen Gesellschaft für Immunologie unterstützt die Entscheidung der Ständigen Impfkommission, zunächst mal nur Auffrischungsimpfungen für Menschen ab 70 Jahren zu empfehlen. Wie DGFI-Vize Reinhold Förster dem RND sagte, braucht es jedoch vermutlich bald auch eine weitere Impfempfehlung für Menschen über 60 Jahren, "vielleicht sogar über 50 Jahren."

06:30 Uhr | Kinder: Stiko-Chef bleibt zurückhaltend

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, steht Covid-19-Impfungen für Kinder ab fünf Jahren weiter zurückhaltend gegenüber. "Je geringer die Krankheitslast in einer Gruppe, umso sicherer muss die Impfung sein", sagte Mertens der "Rheinischen Post". Die Krankheitslast bei Kindern in den USA "ist offenbar höher als in Deutschland".

Für eine abwägende Entscheidung zu Empfehlungen müssten erwartbare positive Effekte – klinisch oder psychosozial – für die Kinder und mögliche Restrisiken bei noch im Wachstum befindlichen Kindern "einigermaßen quantitativ fassbar" sein, sagte Mertens der Zeitung weiter. Nach bisherigen Angaben liegen allerdings nur die Studien-Daten von 2.268 Teilnehmern vor. Seltener auftretende mögliche Probleme lassen sich damit kaum ausschließen.

06:30 Uhr | Lehrerverband für Grundschul-Maskenpflicht

Angesichts der steigenden Infektionszahlen unter Kindern und Jugendlichen und eines fehlenden Covid-19-Impfstoffs für Kinder unter zwölf Jahren fordert der Deutsche Lehrerverband bundesweit die Wiedereinführung der Maskenpflicht vor allem an Grundschulen. Präsident Heinz-Peter Meidinger sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, bei dieser Entwicklung erwartbare Schulschließungen im Winter seien "unter allen Umständen zu vermeiden".

06:01 Uhr | US-Ausschuss empfiehlt Biontech für Kinder

In den USA hat der Impf-Ausschuss der FDA eine Notfall-Zulassung des Covid-19-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für fünf bis elf Jahre alte Kinder empfohlen. Die Experten erklärten, dass auch jüngere Kinder erkrankten. In den USA seien in dieser Altersgruppe 1,9 Millionen Infektionen, mehr als 8.300 Krankenhauseinweisungen und rund 100 Todesfälle registriert worden. Die Entscheidung liegt nun bei der Arzneimittelbehörde FDA, die meist den Empfehlungen ihres Experten-Gremiums folgt. Biontech und Pfizer streben auch in der EU eine Zulassung des Impfstoffs für Fünf- bis Elfjährige an.

06:00 Uhr | Der Ticker am Mittwoch, 27. Oktober 2021

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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