Coronavirus-Pandemie Ticker vom Samstag: Gauck attackiert Impfgegner

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck hat die Gegner einer Impfung gegen das Coronavirus scharf angegriffen. Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt ist gegen mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene. Thüringen prüft den Stopp der Entschädigung bei Lohnausfall durch Quarantäne für Ungeimpfte. Sachsen-Anhalt plant die Einführung der 2G-Regel. Neue Entwicklungen zur Pandemie in unserem Corona-Ticker.

Joachim Gauck
Alt-Bundespräsident Joachim Gauck (Archivaufnahme) hat eine klare Botschaft für Impfgegner. Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Samstag, 11. September 2021, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus finden Sie hier.

22:20 Uhr | China will 100 Millionen Impfdosen spenden

Chinas Präsident Xi Jinping hat angekündigt, sein Land werde noch in diesem Jahr 100 Millionen Impfdosen an Entwicklungsländer spenden. Das berichtet der staatliche Sender CCTV. Die Schenkung ist zusätzlich zu weiteren 100 Millionen Impfdosen geplant, die der Präsident vergangenen Monat für die Covax-Initiative zur weltweit gerechten Verteilung der Vakzine angekündigt hat.

22:01 Uhr | Impfverweigerer randalieren in Thessaloniki

Hunderte Gegner von Corona-Schutzimpfungen haben am Samstagabend vor dem Eingang des Messegeländes der Hafenstadt Thessaloniki Steine und andere Gegenstände auf die Polizei geschleudert. Die Sicherheitskräfte setzen Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Randalierer auseinander zu treiben, wie das Staatsfernsehen zeigte. Unter den Randaliereren waren nach Berichten von Reportern zahlreiche religiöse Eiferer, die Ikonen trugen sowie nationalistisch und rechtsextremistisch orientierte Menschen. Zum Zeitpunkt der Ausschreitungen hielt der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis eine Rede in einer Halle des Geländes dieser größten griechischen Handelsmesse über die Wirtschafts-und Finanzpolitik der nächsten Monate in Griechenland.

Ein Feuer brennt hinter Bereitschaftspolizisten während einer Kundgebung von Impfgegnern.
Ausschreitungen von Impfgegnern am Rande einer Messe in Thessaloniki, Griechenland. Bildrechte: dpa

21:46 Uhr | Warschau: Tausende Beschäftige des Gesundheitssektors demonstrieren

In Warschau haben mehrere Tausend Beschäftigte des polnischen Gesundheitssektors für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Die Ärzte, Pflege- und Rettungskräfte marschierten am Samstag durch das Zentrum der Hauptstadt. Der Regierung warfen sie vor, ihnen Ausgleichszahlungen für ihre erhöhte Arbeitsbelastung während der Corona-Pandemie zu verweigern. Auf Transparenten war etwa zu lesen: "Wir leben nicht lange, denn wir arbeiten hart" und "Wir verlangen anständige Löhne".

In einer Schweigeminute vor dem Präsidentenpalast gedachten die Protestierenden der etwa 500 Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die im Zusammenhang mit der Pandemie gestorben sind.
Das polnische Gesundheitswesen ist durch die Pandemie weiterhin stark belastet. Bislang sind nur 59 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

21:10 Uhr | Zehntausende Niederländer protestieren gegen Party-Verbote

In den Niederlanden haben Zehntausende Demonstranten gemeinsam mit Djs und Musikern die Aufhebung der Corona-Beschränkungen für die Veranstaltungsbranche gefordert. Proteste gab es in zehn Städten, darunter in Amsterdam, Den Haag, Groningen und Maastricht. In mehreren Orten wurden die Umzüge nach Angaben der Nachrichtenagentur ANP von Musikwagen begleitet, Djs legten auf und Demonstranten tanzten auf den Straßen. 

Clubs und Discos durften in den Niederlanden zwar Ende Juni wieder öffnen, es gab auch wieder Festivals und Studentenpartys. Doch wenig später stiegen die Corona-Infektionen erneut stark an, woraufhin die Regierung in Den Haag die Notbremse zog. Inzwischen lässt sie ein Beratergremium prüfen, ob die Nachtgastronomie Ende September wieder öffnen könnte. 

20:01 Uhr | Bad Liebenstein: Corona-Regeln bei Kundgebung nicht eingehalten

Bei einer Kundgebung in Bad Liebenstein im Wartburgkreis haben sich die meisten Teilnehmer nicht an die Corona-Regeln gehalten. Nach Angaben der Polizei beachteten sie die zurzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregeln nicht und müssen deshalb mit Anzeigen rechnen. Die 150 Menschen hatten sich bei einer Veranstaltung mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn versammelt. Er war Gast bei einem Bürgergespräch.

19:35 Uhr | Türkei: Tausende demonstrieren gegen Corona-Politik

In der Türkei ist es zum bislang größten Protest gegen die Corona-Politik der Regierung gekommen. Dabei sollen mehr als 2.000 Menschen in Istanbul auf die Straße gegangen sein. Der Protest richtet sich gegen neue Auflagen im öffentlichen Raum. So müssen Flug- und Bahnreisende einen Impfnachweis oder Negativ-Test vorweisen, genau wie Besucher von Großveranstaltungen. Die Demonstranten beklagen eine Zunahme der Freiheitsbeschränkungen. In der Türkei sind nach offiziellen Angaben 64 Prozent der Bevölkerung zweifach geimpft.

19:06 Uhr | Werden Impfstoffe an Babys getestet?

Wie entstehen Impfstudien mit Babys? Sollte der Genesenen-Status länger als sechs Monate gelten? Verlieren auch Kinder durch eine Infektion den Geschmackssinn? Prof. Kekulé beantwortet Fragen von Hörerinnen und Hörern im MDR Aktuell-Podcast "Kekulés Corona-Kompass":

18:20 Uhr | Konzert in Kopenhagen mit 50.000 Zuschauern

In Kopenhagen findet am Abend ein Konzert mit 50.000 Zuschauern statt. Nach der Aufhebung der letzten verbliebenen Corona-Beschränkungen in Dänemark hat die Rockband "The Minds of 99" zu einem ausverkauften Konzert ins Stadion Parken geladen. Nach Angaben des Veranstalters ist die Band damit die erste, die seit Pandemiebeginn in Europa eine Stadion-Show mit voller Zuschauerauslastung spielt. In den Stunden vor dem Konzert konnte man sich vor Ort nahe dem Stadion gegen das Coronavirus impfen lassen. Wie das dänische Kulturministerium mitteilte, sollen solche Pop-up-Impfstationen in der kommenden Zeit auch vor anderen größeren Konzerten und Veranstaltungen aufgebaut werden.

16:23 Uhr | Karnevalsaktion in Düsseldorf: Piks um 11:11 Uhr

In Düsseldorf wollen Karnevalisten mit einer Aktion die Impfquote in die Höhe treiben. Wie der Sprecher des Comitee Carneval, Hans-Peter Suchand, mitteilte, wurde in der Wagenbauhalle um 11:11 Uhr mit der ersten Spritze gestartet. Suchand sagte: "Jeder geimpfte Mensch ist ein Erfolg gegen das Coronavirus." Insgesamt 45 Menschen hätten sich immunisieren lassen – von einem 13-jährigen Mädchen bis zu einem Senior von fast 80 Jahren. Zur Impfung gebe es Führungen durch die Wagenbauhalle, Live-Musik und Gratis-Würstchen. In Köln hatten sich bei einer ähnlichen Aktion Ende August 185 Menschen impfen lassen.

14:55 Uhr | Gauck kritisiert Impfgegner

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck hat die Gegner einer Impfung gegen das Coronavirus scharf angegriffen. Auf einer Tagung für Lehrer am Samstag in Rostock sagte er: "Dann ist ja auch schrecklich, dass wir in einem Land leben, in dem nicht nur Bildungswillige leben, sondern auch hinreichende Zahlen von Bekloppten. Also Entschuldigung: Das darf ich mal so locker formulieren, ich bin ja jetzt Rentner und muss nicht mehr auf jedes Wort achten."

Gauck erklärte, dass Menschen mit der Einsicht "Impfen sei schädlich" nicht für sich selbst, sondern für ihr Umfeld Probleme schafften. "Das ist ja alles unglaublich", so der 81-Jährige.

11:21 Uhr | Bundesärztekammer gegen mehr Freiheiten

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, ist gegen mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene. Reinhardt sagte der "Passauer Neuen Presse", im Moment sei er dagegen. Es gehe um die Angemessenheit der Maßnahmen zur rechten Zeit am rechten Ort. Noch mehr Druck auf Nicht-Geimpfte auszuüben wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht angebracht.

Der Ärztepräsident sprach sich dafür aus, stärker und gezielter bestehende Zweifel an den Impfungen zu zerstreuen und Fake News über das Impfen, zum Beispiel in sozialen Netzwerken, "konsequent zu korrigieren". Auch einen Stopp der Lohnfortzahlung bei Quarantäne von Nicht-Geimpften hält der Präsident der Bundesärztekammer für nicht angemessen.

Reinhardt sagte: "Diese Debatte ist überzogen." Zudem löse sie die daraus folgende Frage aus, wie mit anderen Menschen umgegangen werde, die Raubbau an ihrem Körper betrieben.

11:10 Uhr | Sonneberg am stärksten betroffen

Der Landkreis Sonneberg bleibt mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 103,4 die am stärksten von Corona-Infektionen betroffene Region in Thüringen. Im Landkreis Hildburghausen lag die Inzidenz laut RKI bei 75, im Ilm-Kreis bei 56,8. Auch die ostthüringer Stadt Gera wies mit 65,1 einen im Landesvergleich höheren Wert aus.

Im neuen Thüringer Warnstufensystem gelten Inzidenzen von mehr als 35, 100 und 200 als wichtige Schwellenwerte für Infektionsschutzmaßnahmen. Allerdings spielt auch die Krankenhausbelegung und die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten eine Rolle für das Erreichen einer Warnstufe. Mit Stand vom Samstag waren nur der Kreis Hildburghausen und die Stadt Suhl in der Warnstufe eins. Alle anderen Regionen waren in der sogenannten Basisstufe, bei der keine zusätzlichen Infektionsschutzmaßnahmen vorgesehen sind.

11:03 Uhr | Hohe Infektionszahlen in den USA

In den USA verzeichnen die Gesundheitsbehörden offenbar mehr als 265.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, die Zahl komme auf Basis offizieller Daten zusammen. Insgesamt seien bislang mehr als 41,06 Millionen Ansteckungsfälle nachgewiesen worden. Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus stieg binnen eines Tages demnach um mindestens 4.416 auf 661.133. Die USA weisen weltweit die höchsten Infektions- und Totenzahlen auf.

10:07 Uhr | Kaum Booster-Impfungen in Deutschland

Die seit Anfang September in den meisten Bundesländern angebotenen Auffrischungsimpfungen gegen Covid-19 laufen bislang nur langsam an. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte der "Welt am Sonntag": "Die Zahlen zeigen, dass derzeit weder besonders viele Ärzte bei den Auffrischimpfungen mitmachen noch in der Bevölkerung der Bedarf nach einer weiteren Dosis groß ist." Gassen sieht den Grund darin, dass die Ständige Impfkommission bislang keine Empfehlung abgegeben hat.

07:00 Uhr | West-Ost-Gefälle bei der Inzidenz

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut 11.214 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das sind 379 mehr als am Samstag vor einer Woche, aber etwas weniger als am Freitag. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt leicht auf 82,8.

Das Risklayerprojekt mit permanent aktualisierten Meldungen der Gesundheitsämter kommt hingegen auf eine bundesweite Inzidenz von 90. Im Ländervergleich am besten steht demnach Sachsen-Anhalt mit einem Wert von 28 da. Doch Sachsen mit einer Wocheninzidenz von 42 und Thüringen mit 48 sind inzwischen hinter Mecklenburg-Vorpommern (39) und Brandenburg (46) zurückgefallen. Dreistellige Inzidenzwerte haben Rheinland-Pfalz, NRW, Baden-Württemberg und Berlin, bundesweit Spitzenreiter ist laut Risklayer der Stadtstaat Bremen mit 129.

06:40 Uhr | Thüringen will keine Entschädigungen an Ungeimpfte zahlen

Auch Thüringen wird voraussichtlich bald keine Entschädigung für Verdienstausfälle mehr zahlen, wenn Ungeimpfte in Corona-Quarantäne müssen. Gesundheitsministerin Heike Werner sagte MDR AKTUELL, derzeit werde das geprüft. Es sei aber so gut wie sicher, dass die Zahlung eingestellt werde – wahrscheinlich ab Mitte Oktober. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne sprach sich für eine länderübergreifende Regelung aus. Sie forderte klare Kriterien, wann im Quarantänefall kein Lohnausgleich mehr gezahlt werde. Die sächsische Regierung will am Dienstag dazu beraten. Mehrere Bundesländer wie NRW und Rheinland-Pfalz habe die Entschädigung Ungeimpfter bereits gestoppt. So soll auch der Druck erhöht werden, damit die Impfquote steigt.

06:20 Uhr | Zeitung: Sachsen-Anhalt plant 2G-Regel

In Sachsen-Anhalt soll in der Gastronomie und bei Veranstaltungen das sogenannte 2G-Modell möglich sein. Das berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung" unter Berufung auf Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne. Die SPD-Politikerin sagte, die Neuregelung solle in der kommenden Woche in Kraft treten. Ziel sei es, mehr Menschen zu einer Impfung zu bewegen. Hamburg hatte das 2G-Modell im August eingeführt. Es sieht vor, dass es spezielle Angebote ausschließlich für Geimpfte und Genesene gibt. Für sie entfallen dann andere Corona-Auflagen. Ein Negativtest genügt demnach nicht.

06:00 Uhr | Der Ticker am Samstag, 11. September 2021

Guten Morgen, auch heute halten wir Sie hier in unserem Ticker über die aktuellen Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier, die Ticker der vergangenen Tage finden Sie unten:

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. September 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Screenshot 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland