Coronavirus-Pandemie Ticker vom Samstag: Oberbürgermeister warnen vor Radikalisierung

Nach dem tödlichen Schuss in einer Tankstelle im Streit um die Maskenpflicht warnen Kommunalpolitiker vor einer Verrohung der Gesellschaft. Stiko-Chef Mertens ist unzufrieden mit der stockenden Impfkampagne. In Magdeburg hat das Impfzentrum geschlossen. In den USA müssen sich Staatsbedienstete impfen lassen. Alle Nachrichten zur Pandemie hier im Ticker.

Ein Polizist sichert am frühen Morgen eine Tankstelle.
Nach dem tödlichen Streit um die Maskenpflicht in Idar-Oberstein warnen Kommunalpolitiker vor einer Verrohung der Gesellschaft. Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Samstag, 25. September 2021, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus finden Sie hier.

20:10 Uhr | Impfquote – Sachsen einziges Bundesland unter 60 Prozent

Sachsen ist mit 57,4 Prozent mindestens einmal Geimpften das einzige Bundesland mit einer Quote unter 60 Prozent. Knapp davor liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts Thüringen mit einer Impfquote von 60,2 Prozent, dann folgen Brandenburg (61 Prozent) und Sachsen-Anhalt (63 Prozent). Der Bundesdurchschnittswert bei Erstimpfungen liegt bei 67,7 Prozent und mit Vollschutz bei knapp 64 Prozent. Die höchste Rate bei Erstimpfungen haben Bremen (78,4 %) und das Saarland (73,8 %).

18:06 Uhr | Niederlande: Weiter Streit um Impfpass

In den Niederlanden hat Premierminister Mark Rutte die Wirtschaftsstaatssekretärin Mona Keijzer fristlos entlassen. Grund sind ablehnende Aussagen Keijzers zum kürzlich von der Regierung beschlossenen Corona-Pass. Demnach muss im Nachbarland seit heute jeder ab 13 Jahren vor dem Besuch von Gaststätten, Kultur- oder Sportveranstaltungen nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist. In Den Haag demonstrierten Tausende Menschen gegen die Corona-Politik der Regierung und die Einführung des Passes.

16:53 Uhr | Oberbürgermeister warnen vor Radikalisierung

Nach dem tödlichen Schuss im Streit um die Maskenpflicht in Idar-Oberstein warnen mehrere Oberbürgermeister deutscher Kommunen vor einer Radikalisierung in der Gesellschaft. Leipzigs OB Burkhard Jung sprach im "Tagesspiegel" von einer bislang nicht gekannten Verrohung. Das habe 2015 mit der Flüchtlingsdebatte begonnen und sich in der Pandemie fortgesetzt von Reichsbürgern bis zu Corona-Leugnern. Der SPD-Politiker und Präsident des Deutschen Städtetags kritisiert den Umgang der Justiz mit solchen Taten als oft zu luschig.

Die Bonner Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) forderte, klar zu benennen, dass die Tat in Idar-Oberstein "im gewissen Sinne ein politisch motivierter Mord war, ausgeübt von einem Täter mit rechtem, verschwörungstheoretischem Hintergrund und Netzwerk". Der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), René Wilke (Linke), äußerte Sorge um die Fähigkeit der Gesellschaft, in den nächsten Jahren die notwendigen Diskussionen respektvoll führen zu können.

Viele Kommunalpolitikerinnen und -politiker sehen sich nur unzureichend vor Beleidigungen und Bedrohungen geschützt: Die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) sagte, sie fühle sich ausgeliefert, weil sie keine Möglichkeit habe, sich zur Wehr zu setzen. Wenn sie Anzeige erstatte, würden die Verfahren oft eingestellt.

16:02 Uhr | Impfzentrum in Magdeburg geschlossen

Die Landeshauptstadt Magdeburg hat ihr Impfzentrum geschlossen.

Messehalle 1 (l) und 2 (r) sowie Messehalle 3 (vorne) der Messe Magdeburg. In der Messehalle 3 befindet sich das Impfzentrum der Stadt.
Das Magdeburger Impfzentrum wurde in drei Messehallen untergebracht. Bildrechte: dpa

Nach Angaben der Stadt wurden zum Abschluss am Freitag noch einmal 506 Menschen gegen Covid-19 geimpft. Mit einer Feier wurde den rund 350 Mitarbeitenden des Impfzentrums gedankt, unter ihnen Mediziner, Bundeswehrsoldaten, Sanitäter, Sicherheitspersonal und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Das Impfzentrum in Magdeburg und die mobilen Teams haben demnach seit Februar fast 160.000 Impfungen verabreicht.

15:14 Uhr | Uni Hannover mit Armbändern für Geimpfte

Studenten und Mitarbeiter der Leibniz-Universität Hannover können künftig bunte Armbänder als Impf- und Genesenen-Nachweis nutzen. Das Angebot sei freiwillig, berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Ziel sei, die Einlasskontrollen zu beschleunigen. Demnach wurden 50.000 Bändchen bestellt. Vom 4. Oktober an sollten die Bänder ausgegeben werden, ab dann werde auch kontrolliert.

14:20 Uhr | Zahl der Flugreisenden wieder gestiegen

In diesem Jahr sind während der Sommermonate wieder mehr Menschen mit dem Flugzeug verreist als im Vorjahr. Das teilte der Flughafenverband ADV mit. Danach haben von Juni bis September mehr als 28 Millionen Menschen einen deutschen Flughafen als Start- oder Zielpunkt ihrer Reise genutzt. Das seien mehr als doppelt so viele gewesen wie in der Sommerferienzeit im Vorjahr. Das Niveau vor der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2019 sei aber noch nicht wieder erreicht. Verbandschef Ralph Beisel erwartet erneut ein Verlustgeschäft. Eine Herausforderung sei, dass Reisen in der Pandemie eher kurzfristig gebucht würden. Das erschwere die Steuerung der Flughafenprozesse.

14:10 Uhr | Kritik an brasilianischer Präsidenten-Gattin wegen Impfung

Die brasilianische First Lady hat sich in den USA gegen das Coronavirus impfen lassen und erntet dafür in ihrer Heimat Kritik. Wie die brasilianische Regierung mitteilte, war die Frau von Präsident Jair Bolsonaro wegen der UN-Generalversammlung in New York. Vor ihrer Rückkehr in die Heimat habe sie einen PCR-Test gemacht. Bei der Gelegenheit habe ein Arzt sie gefragt, ob sie sich nicht auch gleich impfen lassen wolle. Das habe sie getan.

Jair Bolsonaro und seine Frau Michelle treffen im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York ein.
Michelle und Jair Bolsonaro bei ihrer Ankunft in New York. Bildrechte: dpa

Der brasilianische Senator Omar Aziz warf Bolsonaro mangelnden Patriotismus vor. Das in den USA verimpfte Vakzin sei das gleiche wie das in Brasilien. Michelle Bolsonaro hätte sich hier impfen lassen können und den Brasilianern "ein gutes Beispiel" geben können. Präsident Bolsonaro selbst sagte zur Impfung seiner Frau, das sei eine persönliche Entscheidung gewesen. Für sich selbst schloss er eine Impfung erneut aus.

12:25 Uhr | Update: Masken-Mitnahme im Auto wird Pflicht

Autofahrer sollen künftig verpflichtet werden, zwei Mund-Nase-Bedeckungen dabei zu haben. Das bestätigte eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums dem Evangelischen Pressedienst und der Nachrichtenagentur dpa. Demnach sollen die Schutzmasken in den Verbandskasten gelegt werden. Es sei beabsichtigt, die Vorgabe mit der nächsten Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung umzusetzen. Greifen soll die neue Regelung voraussichtlich im kommenden Jahr. Wer nach Inkrafttreten der neuen Regelung keine Masken dabei hat, muss dem Bericht zufolge mit einem Bußgeld rechnen. Bisher sind fünf Euro fällig, wenn die Erste-Hilfe-Ausrüstung unvollständig ist.

09:41 Uhr | Stiko-Chef unzufrieden mit Impfkampagne

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, ist unzufrieden mit dem Verlauf der Impfkampagne in Deutschland. Im Interview mit dem BR nannte er es betrüblich, dass sich gerade die entscheidende Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen nicht so impfen lasse, wie die Stiko das gerne sehen würde. Dabei werde diese Altersgruppe aller Berechnung zufolge entscheidend sein für den Verlauf der vierten Corona-Welle. Bei den Impfunwilligen sei einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. In Deutschland sind etwa 64 Prozent der Menschen inzwischen vollständig geimpft.

08:28 Uhr | Kekulé zu Schutzmaßnahmen trotz Impfung

Ist eine Infektion nach einer Impfung noch nachweisbar? Lohnt sich eine vierte Impfung, wenn sich nach drei Impfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer noch keine Antikörper gebildet haben? Und braucht es trotz Impfung in der Familie oder bei der Arbeit Schutzmaßnahmen? Diese und andere Fragen beantwortet der Virologe und Epidemiologe Alexander Kekulé in einer neuen Folge des Corona-Kompass Spezial:

08:00 Uhr | Angriffe auf Impfzentren vor allem in Bayern und Sachsen

In Bayern und Sachsen hat es seit Beginn der Impfungen bundesweit die meisten Angriffe auf Impfzentren gegeben. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes bei den Innenministerien der Länder, bei Landeskriminalämtern und einer Kassenärztlichen Vereinigung.

Demnach wurden in Bayern 56 Vorfälle registriert, in Sachsen waren es 54. Die meisten Attacken in Sachsen richteten sich gegen das Impfzentrum Löbau im Landkreis Görlitz. Mit Abstand folgten Mittweida und Chemnitz. Zu den häufigsten Delikten zählten Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch, gefolgt von Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahl. In Sachsen-Anhalt gab es bislang zwölf Angriffe auf Impfzentren.

07:11 Uhr | Sozialverband: Urlaubs-Förderprogramm geht besser

Der Sozialverband VdK sieht beim Urlaubs-Förderprogramm für ärmere Familien noch Verbesserungsbedarf. Verbandspräsidentin Verena Bentele sagte MDR AKTUELL, es sei gut, dass es so ein Programm gebe. Die Familien seien in der Pandemie extrem belastet gewesen. Sie sei aber gespannt, ob das Programm wirklich in Anspruch genommen werde. Menschen mit wenig Geld hätten oft auch wenig Zeit, sich für so etwas zu bewerben. Häufig fehlten außerdem die Kenntnisse, um mit dem Bürokratiedschungel zurechtzukommen. Zudem müssten die Familien die Kosten für An- und Abreise selbst tragen. Das könne für ärmere Menschen schon zu viel sein.

Mit dem Förderprogramm "Corona-Auszeit für Familien" will das Bundesfamilienministerium Familien mit kleinen und mittleren Einkommen einen Kurzurlaub ermöglichen. Sie müssen dafür nur zehn Prozent der Kosten tragen. Den Rest zahlt der Bund.

06:27 Uhr | US-Staatsbedienstete müssen sich impfen lassen

Das Weiße Haus in Washington hat Staatsbedienstete angewiesen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Gleiches gilt für Mitarbeiter von US-Unternehmen, die mit Regierungsaufträgen verpflichtet sind. Sie müssen bis zum 8. Dezember geimpft sein. US-Präsident Joe Biden hatte dazu bereits Anfang September ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Nun gab das Weiße Haus die formelle Anweisung bekannt. Die US-Regierung kündigte auch an, eine Impf-Klausel in zukünftige Arbeitsverträge aufzunehmen. Eine Regierungssprecherin sagte, man wolle so zum Vorbild für andere Organisationen und Unternehmen im Land werden, die Impfquote gegen Covid-19 zu erhöhen.

06:15 Uhr | Rund 230.000 Maskenpflicht-Verstöße im Bahnverkehr

In den Zügen in Deutschland hat es in diesem Jahr bislang rund 230.000 Verstöße gegen die Maskenpflicht gegeben. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die Bundespolizei. Demnach konnten es die Beamten in den allermeisten Fällen bei einer Belehrung belassen. In rund 11.300 Fällen seien die Behörden vor Ort informiert worden, um ein Bußgeldverfahren einzuleiten. 745 Mal wurden dem Bericht zufolge sogenannte Beförderungsausschlüsse verhängt – die Verweigerer mussten also den Zug verlassen.

Der Betriebsrat der Deutschen Bahn wies erneut darauf hin, dass seit der Einführung der Maskenpflicht in Zügen und anderer Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie die Übergriffe auf Mitarbeiter des Konzerns zugenommen haben. Bahn-Konzernbetriebsrat Jens Schwarz sagte, neben Beleidigungen und anderen verbalen Angriffen gebe es oft auch körperliche Angriffe.

06:00 Uhr | Der Ticker am Sonnabend, 25. September 2021

Guten Morgen, auch heute halten wir Sie hier in unserem Ticker über die aktuellen Entwicklungen der Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier, die Ticker der vergangenen Tage finden Sie unten:

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 25. September 2021 | 06:30 Uhr

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