Coronavirus-Pandemie Ticker vom Samstag: Spahn für "richtiges Runterfahren"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plädiert angesichts rasch steigender Infektionenszahlen für einen erneuten Lockdown. Großbritannien will ab Herbst besonders gefährdete Gruppen ein drittes Mal impfen - zum Schutz vor Virusvarianten. Bildungsministerin Anja Karliczek will ein bundesweites Nachhilfeprogramm für Schüler auflegen. Die aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie im Ticker.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit Maske
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Bildrechte: imago images/photothek

Unser Ticker am Samstag, 27. März 2021, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

21:13 Uhr | Bundeswehr bringt Beatmungsgeräte nach Brasilien

Mit einem Hilfsflug der Bundeswehr sind 80 Beatmungsgeräte aus Deutschland in Brasilien eingetroffen. Wie die Luftwaffe und das Auswärtige Amt mitteilten, wurden die Hilfsgüter in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, entladen. Dort gibt es besonders viele Corona-Fälle. In Brasilien wurden in der zurückliegenden Woche erstmals mehr als 100.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Die im Land grassierende Virus-Mutation ist deutlich ansteckender als der ursprüngliche Corona-Erreger.

19:42 Uhr | Corona-Proteste in mehreren Städten

In Sachsen hat es in mehreren Städten Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gegeben. In Zwickau versammelten sich nach Polizeiangaben rund 250 Personen. In Dresden kamen mehrere hundert Menschen auf dem Neumarkt zusammen und liefen anschließend durch die Innenstadt. Die Aktion war nicht angemeldet gewesen. In Chemnitz waren Kundgebungen untersagt worden. Mutmaßliche Rechtsextremisten warfen Flaschen auf Polizisten. In Schwarzenberg hatten die Behörden eine Demonstration der rechtsgerichteten Bewegung "Freie Sachsen" verboten.

17:37 Uhr | Selbsttests zu 90 Prozent sicher

Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist die Qualität vieler Corona-Selbsttests in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Institutspräsident Karl Broich sagte, die Empfindlichkeit der Schnelltests sei besser geworden. 22 der geprüften Produkte hätten eine Zuverlässigkeit von weit mehr als 90 Prozent aufgewiesen. Dadurch gebe es auch weniger falsch-positive oder falsch-negative Testergebnisse. Goldstandard für den Nachweis einer Corona-Erkrankung sei aber nach wie vor ein PCR-Test.

16:44 Uhr | Spahn für härteren Lockdown

Angesichts schnell steigender Infektionszahlen plädiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für einen erneuten Lockdown. In einer Online-Diskussion mit Bürgerinnen und Bürgern sagte der CDU-Politiker, angesichts der derzeitigen Entwicklungen müssten eigentlich zehn bis 14 Tage lang die Kontakte und die Mobilität richtig heruntergefahren werden. Auch der Deutsche Verband der Intensivmediziner hatte sich angesichts steigender Infektionszahlen für einen harten Lockdown ausgesprochen.

Spahn geht zudem davon aus, dass im Laufe des Aprils die Impfkampagne wesentlich beschleunigt werden kann. Bis Anfang Mai wolle man 80.000 bis 100.000 Hausarzt-Praxen einbeziehen. Betriebsärzte seien erst danach an der Reihe.

15:15 Uhr | Saale-Orla-Kreis neuer bundesweiter Hotspot

Der Landrat des Saale-Orla-Kreises, Thomas Fügmann, hat den bundesweiten Höchstwert bei der Corona-Inzidenz als traurigen Rekord bezeichnet. Laut Robert Koch-Institut liegt in dem Landkreis die Wochenrate der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner aktuell bei 514.

Landrat Fügmann sagte dem MDR, dies liege auch an der engen Nachbarschaft zu Tschechien. Durch den kleinen Grenzverkehr habe sich die dort verbreitete britische Variante auch im Saale-Orla-Kreis angesiedelt. Ihr Anteil an den Neuinfektionen liege mittlerweile bei rund 80 Prozent. Es werde aber auch viel häufiger getestet.

Eine Verschärfung der Corona-Auflagen schließt Fügmann aus. In der Region gelte bereits ein harter Lockdown mit nächtlicher Ausgangssperre und strengen Kontaktbeschränkungen. Eine weitere Verschärfung würde nichts bringen. Bisher stand der Thüringer Landkreis Greiz auf der Liste der Corona-Hotspots ganz oben. Dort ging die Inzidenz auf 421 zurück.

14:40 Uhr | Gericht bestätigt Demo-Verbot in Chemnitz

Die für heute geplante Kundgebung des Bündnisses "Chemnitz steht auf" gegen die Corona-Schutzmaßnahmen bleibt untersagt. Nach dem Chemnitzer Verwaltungsgericht bestätigte auch das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen das von der Stadt Chemnitz verhängte Versammlungsverbot. Ausschlaggebend sei die besondere Gefährdungslage mit hohen Corona-Inzidenzwerten in der Stadt, hieß es zur Begründung.

Trotz des Verbots versammelten sich Reportern zufolge etwa 50 bis 60 Menschen auf dem Marktplatz. Die Polizei versuchte, mögliche Versammlungen sorfort aufzulösen. Dabei kam es im Verlauf des Nachmittags auch zu Auseinandersetzungen.

13:17 Uhr | Wöller: Infektionsschutz auf Demos nicht immer durchsetzbar

Sachsens Innenminister Roland Wöller sieht die Polizei nicht dazu in der Lage, den Infektionsschutz bei Corona-Kundgebungen immer durchzusetzen. Wöller sagte der "Freien Presse", die Beamten müssten das Versammlungsrecht gewährleisten, Auflagen und Verbote durchsetzen und dann noch den Infektionsschutz berücksichtigen. Das sei nicht immer und überall möglich. Wöller kritisierte, von der Polizei werde erwartet, dass sie gewaltsam gegen die sogenannten Querdenker vorgehe. Man dürfe aber nicht in die Gewaltfalle tappen. Die Polizei werde keine Wasserwerfer gegen Familien und Senioren einsetzen.

12:35 Uhr | Knapp 22.000 Neuinfektionen

Die Kreise und Städte haben am Freitag 21.935 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das geht aus der Datenbank des Risklayer-Projekts hervor. In Sachsen waren es demnach am Freitag 1.544 Fälle, die neu registriert wurden, in Sachsen-Anhalt 768 und in Thüringen 830.

Die Inzidenz stieg in Deutschland laut Risklayer auf 130,8 neue Fälle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. In Sachsen liegt dieser Wert aktuell bei 202,4, in Sachsen-Anhalt bei 159,9 und in Thüringen bei 229,4.

11:54 Uhr | Virologen standen Rede und Antwort

Nach der jährlichen Fachtagung der Gesellschaft für Virologie haben sich am Freitagabend neun prominente deutsche Virologen den Fragen von Nutzerinnen und Nutzern von MDR WISSEN gestellt. Dabei haben sich die Wissenschaftler verhalten optimistisch gezeigt: Impfungen würden Sterbezahlen und schwere Verläufe trotz Mutanten drastisch senken, prognostizierten sie. Ob aber schon im Sommer alles gelockert werden könne, erscheint ihnen fraglich.

11:15 Uhr | Großbritannien plant dritte Impfung gegen Mutanten

Großbritannien will im Herbst mit einer dritten, verstärkenden Impfung beginnen. Wie der zuständige Staatssekretär Nadhim Zahawi sagte, würden ab September die vier Gruppen mit der höchsten Priorität sogenannte "Booster"-Impfungen erhalten: über 70-Jährige, medizinisches Personal, Pflegekräfte sowie Menschen, die beispielweise durch Vorerkrankungen besonders stark gefährdet seien. Sie sollen damit vor den Varianten des Coronavirus geschützt werden. Zahawi sagte, er rechne damit, dass im Herbst acht Impfstoffe in Großbritannien zugelassen sein werden - darunter auch einer, der mit nur einer einzigen Dosis vor den Mutanten schütze.

Unterdessen berichten britische Medien, dass die Regierung offenbar über eine Verschärfung der Einreisebestimmungen nach Großbritannien berät. So soll die "Rote Liste" der Risikostaaten erweitert werden, aus Angst vor weiteren eingeschleppten Virusvarianten. Derzeit müssen sich Briten, die aus einem Land auf der "Roten Liste" einreisen, für zehn Tage in einem Flughafen-Hotel in Qarantäne begeben und die Unterbringungskosten in Höhe von umgerechnet gut 2.000 Euro selbst tragen. Ferienreisen sind in Großbritannien nach wie vor verboten.

10:39 Uhr | Ramelow: Gespräche über Sputnik V angelaufen

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow fordert, im Kampf gegen Corona auch auf den russischen Impfstoff Sputnik V zu setzen. Der Linke-Politiker sagte der Zeitung "Die Welt", Deutschland sollte alle Impfstoffe kaufen, die es haben könne. Jedoch registriere er in Westdeutschland ideologische Befindlichkeiten. Sputnik müsse wie alle anderen Impfstoffe auch geprüft werden. Den Rahmenvertrag aber hätte man längst abschließen können. Von der Kanzlerin wisse er, dass die Gespräche dazu angelaufen seien. Bayerns Regierungschef Markus Söder forderte die EU auf, zügig alle nötigen Verträge abzuschließen. Man sollte aus schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit gelernt haben.

10:07 Uhr | Verstoß gegen Quarantäne-Anordnung: Dessaus OB zeigt sich selbst an

Der Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau, Peter Kuras, steht in der Kritik: Er wurde in Quarantäne geschickt – und ging trotzdem einkaufen. Inzwischen hat sich Kuras einem Zeitungsbericht zufolge selbst angezeigt. Ihm droht eine Geldstrafe in dreistelliger Höhe.

09:16 Uhr | Blick in die Welt

In Tschechien wird der Corona-Notstand um zwei weitere Wochen verlängert. Ministerpräsident Andrej Babiš sagte, es gebe Hoffnung, dass dies die letzte Verlängerung sei. In Tschechien darf man seinen Wohnbezirk derzeit nur in Ausnahmefällen verlassen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt noch immer bei mehr als 500.

Das Internationale Olympische Komitee hat die Sicherheitsmaßnahmen für die Sommerspiele in Tokio, Japan, weiter verschärft. Die Zahl der Gäste soll ebenso verringert werden wie das benötigte Personal. Das IOC erklärte, akkreditiert werde nur noch, wer bei den Spielen eine wesentliche Aufgabe übernehme.

Facebook schränkt die Seite von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro wegen möglicher Falschinformationen ein. Der US-Konzern löschte ein Video, in dem Maduro ein Heilmittel für Covid-19 anpreist. Eine Facebook-Sprecherin sagte, "wir halten uns an die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach es derzeit kein Mittel zur Heilung gibt."

08:35 Uhr | Größere Nachfrage bei Anonymen Alkoholikern

Dass in der Corona-Krise viele Veranstaltungen online stattfinden müssen, erleichtert offenbar Menschen, Hilfe bei den Anonymen Alkoholikern zu suchen. Ein Sprecher der bundesweit agierenden Selbsthilfegruppe sagte, das senke die Hemmschwelle, sich zu beteiligen. Zwar gebe es keine konkreten Zahlen, weil keine Mitgliederlisten geführt würden, jedoch sei mehr Zulauf spürbar. Insbesondere mehr junge Menschen nähmen an den Online-Treffen teil, aber auch Menschen auf dem Land mit schlechter Verkehrsanbindung, ohne Führerschein beziehungsweise Auto oder Menschen mit Gehbehinderung.

Ein solches Meeting ersetze nicht wirklich ein persönliches Treffen, so der Sprecher. Deswegen sollen nach der Pandemie wieder mehr Präsenzveranstaltungen angeboten werden. Bundesweit gibt es zurzeit den Angaben nach mindestens 260 Gruppen der Anonymen Alkoholiker, die sich per Videoschalten treffen. Vor der Pandemie habe es etwa 1.800 Gruppen und 20.000 Betroffene gegeben, die die Angebote nutzten.

07:47 Uhr | Deutsche Bahn erwägt Rückkehr zu Abteilen

Fahrgäste der Deutschen Bahn könnten in Zukunft wieder häufiger in Abteilen Platz nehmen. Das Unternehmen denkt darüber nach, die Waggons wieder stärker zu untergliedern. "Unsere Kunden wünschen sich mehr Rückzugsmöglichkeiten und dafür wieder mehr abteilähnliche Räume", sagte Bahn-Vorstandsmitglied Berthold Huber der Deutschen Presse-Agentur. Die Bahn tue alles dafür, dass Reisen mit dem Zug so sicher sei wie möglich. Sonderrechte für Geimpfte werde es dabei aber nicht geben. Wie in künftigen Zügen Abstände gewahrt werden können, sollen Konzeptstudien bis zum Herbst ergeben.

07:33 Uhr | Experten: "Impfstoff-Egoismus" könnte zu mehr Migration führen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Staatengemeinschaft aufgerufen, Impfstoff für ärmere Länder bereitzustellen. Etwa 20 Länder seien bislang ohne jeden Impfstoff. Sofort benötigt würden zehn Millionen Dosen. In den meisten Herkunftsländern von Flüchtlingen werde bisher wenig bis gar nicht geimpft.

Unterdessen erwarten EU-Behörden eine Zunahme der Flüchtlingszahlen. Der "Spiegel" verweist auf ein vertrauliches Protokoll eines EU-Videogipfels. Darin wird als Hauptgrund die schlechte wirtschaftliche und medizinische Situation in den Herkunftsländern genannt. Das werde im Sommer zu einem Anstieg der Migrationszahlen im Mittelmeerraum führen. Der WHO zufolge hat die EU dem Impfprogramm Covax zwar eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, Impfstoff bisher aber vor allem in Industrieländer exportiert.

06:58 Uhr | Karliczek verspricht Nachhilfe für Schüler

Zur Unterstützung lernschwacher Schüler plant Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ein bundesweites Nachhilfeprogramm. Die CDU-Politikerin sagte den Funke-Medien, am Ende des Schuljahres solle es in allen Bundesländern Erhebungen über den Lernstand in den Kernfächern geben. "20 bis 25 Prozent der Schüler" hätten vermutlich große oder sogar dramatische Rückstände, so die Ministerin.

In den Sommerferien oder spätestens zum neuen Schuljahr sollten zusätzliche Förderangebote bereitgestellt werden. Dafür wolle Karliczek auf Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte, Bildungsstiftungen und private Nachhilfeanbieter zurückgreifen. Zielgruppe seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe - entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung. Die Kosten für das Programm bezifferte die Ministerin auf eine Milliarde Euro.

06:16 Uhr | Intensivmediziner für harten Lockdown

Die deutschen Intensivmediziner fordern angesichts steigender Infektionszahlen einen harten Lockdown und den sofortigen Stopp aller geplanten Öffnungsschritte. Der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, warnte in der "Rheinischen Post" vor einer historischen Spitzenbelastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten. Man stehe erst am Anfang eines massiven Anstiegs von Intensivpatienten.

Prof. Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin
Bildrechte: MDR/Felix Schmitt

Die Beschlüsse für Modellprojekte nach Ostern sind völlig unpassend und müssen von Bund und Ländern sofort zurückgenommen werden.

Christian Karagiannidis Verband Intensivmedizin

Es brauche eine Mischung aus hartem Lockdown, vielen Impfungen und Tests. Nur so lasse sich ein Überlaufen der Intensivstationen noch verhindern. Ein harter Lockdown müsse bundesweit gelten und zwei Wochen dauern. "Ich bitte die Politik, das Krankenhauspersonal nicht im Stich zu lassen", so Karagiannidis.

06:00 Uhr | Der Ticker am Samstag, 27. März 2021

Guten Morgen, auch heute halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten dazu erscheinen im Laufe des Tages hier.

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. März 2021 | 06:30 Uhr

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