Coronavirus-Pandemie Ticker: Fast so viele Intensivpatienten wie im Frühjahr

In Deutschland hat die Zahl der Patienten auf Intenstivstationen fast den Höchstwert von April erreicht. Es gibt einen Corona-Fall in der sächsischen Regierung. Leipzigs Oberbürgermeister Jung muss in Quarantäne. Im Umfeld der Kundgebungen der "Querdenken"-Bewegung am Samstag in Leipzig ist es zu Gewalt gekommen. Bundespräsident Steinmeier äußerte sich besorgt über derartige Auswüchse. Mehr zur aktuellen Entwicklung im Coronavirus-Ticker.

Mitarbeiterinnen der Pflege in Schutzausrüstung betreuen einen Corona-Patienten auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Essen.
Mitarbeiterinnen der Pflege in Schutzausrüstung betreuen einen Corona-Patienten auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Essen. Bildrechte: dpa

Unser Ticker am Sonntag, 8. November 2020, endet hiermit. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

20:10 Uhr | Weltweit mehr als 50 Millionen Infektionen

Weltweit gibt es nach Angaben der Johns Hopkins-Universität mehr als 50 Millionen bestätigte Coronavirus-Infektionen. Allein am Samstag war die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen demnach um gut eine halbe Million angestiegen.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus liege seit Beginn der Pandemie bei 1,25 Millionen.

Die Zahlen der Universität Johns Hopkins werden regelmäßiger aktualisiert und liegen daher oft etwas höher als amtliche Daten. Den US-Experten zufolge wurden bis Sonntag weltweit knapp 50,1 Millionen bestätigte Infektionen gemeldet. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge waren es 49,6 Millionen Infektionen. Die meisten bestätigten Infektionen gibt es mit 9,9 Millionen in den USA.

18:30 Uhr | Kompletter Jahrgang eines Thüringer Gymnasiums muss in Quarantäne

In Meiningen hat das Gesundheitsamt den gesamten Abiturjahrgang eines Gymnasiums unter Quarantäne gestellt. Zuvor war eine Schülerin positiv getestet worden. Recherchen hätten ergeben, dass diese wesentlich mehr Kontakte zu anderen Schülern gehabt hatte als ursprünglich angenommen.

17:56 Uhr | Slowakei testet wieder Millionen Bürger

Die Slowakei hat am Wochenende ihre Bevölkerung zum zweiten Mal einem Corona-Massentest unterzogen. Bis zum Sonntagmittag seien bereits 1,6 Millionen Menschen über zehn Jahre getestet worden, teilte Verteidigungsminister Jaroslav Nad mit. Der Anteil an positiv Getesteten sei dabei mit 0,6 Prozent deutlich geringer ausgefallen als noch vor einer Woche. Vergangenes Wochenende wurden 3,6 Millionen Menschen in der Slowakei getestet. Damals war rund ein Prozent der Menschen positiv.

Die Slowakei geht mit ihren knapp 5,5 Millionen Einwohnern einen beispiellosen Sonderweg. Der Test ist kostenlos und wird als freiwillig bezeichnet. Wer jedoch keinen negativen Coronatest vorweisen kann, darf ab Montag nicht mehr aus dem Haus.

Eine Person macht Corona-Test, während im Hintergrund noch viele weitere in einer Schlange warten.
Vor den Test-Einrichtungen in der Slowakei, wie hier in Pezinok, bildeten sich teils lange Schlangen. Bildrechte: dpa

16:34 Uhr | Corona-Fall im Sächsischen Kabinett

Eigentlich wollte das Sächsische Staatskabinett heute über die Eckpunkte des kommenden Doppelhaushalts beraten. Nun gibt es aber einen Corona-Fall in der Regierung: Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt ist positiv getestet worden.

Thomas Schmidt (CDU), Sächsischer Regionalentwicklungsminister
Thomas Schmidt (CDU), Sächsischer Regionalentwicklungsminister Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie Ministerpräsident Michael Kretschmer mitteilte, war am Vormittag die Nachricht eingetroffen, dass sich Schmidt mit "schweren Symptomen" auf den Weg zu einem Corona-Test gemacht habe. Der Schnelltest sei dann positiv gewesen. Kretschmer zufolge unterbrach das Kabinett deshalb seine Sitzung und ließ alle Anwesenden einen Schnelltest machen. "Die Kollegen sind alle bis jetzt negativ", sagte der Ministerpräsident. Aus Vorsicht habe man aber die Sitzung nicht fortgesetzt.

15:23 Uhr | Leipzigs OBM in Quarantäne - "stinksauer" nach Demogeschehen

Burkhard Jung, der Oberbürgermeister von Leipzig, hat sich in Quarantäne begeben. Wie Jung mitteilte, war ein enger Mitarbeiter von ihm, mit dem er täglich mehrere Stunden verbracht hatte, positiv getestet worden. Er habe am Samstagmorgen davon erfahren und sich in häusliche Isolation begeben. Ihm selbst gehe es gut, er werde in der kommenden Woche aber mehrere Corona-Tests machen.

Jung äußerte sich auch zur "Querdenken"-Demonstration am Samstag in Leipzig:

Burkhard Jung
Bildrechte: dpa

Ich bin stinksauer, wie man die kommunale Ebene wieder einmal alleine gelassen hat.

Burkhard Jung Leipziger Oberbürgermeister

Der OBM übte harsche Kritik an Bund, Land und dem sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen. Jung sagte, in einer Pandemie müsse eine Einschränkung der Versammlungsfreiheit möglich sein. Das müsse der Bund sauber klären. Die Landesregierung kritisierte er für eine "halbgewalkte Coronaschutzverordnung". Und er sei "empört" über die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Bautzen. Das hatte gegen den Wunsch der Stadt die "Querdenken"-Kundgebung in der Innenstadt zugelassen.

14:55 Uhr | Fast so viele Intensivpatienten in Deutschland wie im Frühjahr

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen hat in Deutschland fast wieder den Höchstwert vom Frühjahr erreicht. Wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) mitteilte, werden derzeit 2.904 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Davon müssen etwas mehr als die Hälfte, 1.605 invasiv beatmet werden. Der bisherige Höchststand war der DIVI zufolge am 18. April mit 2.933 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen erreicht worden.

DIVI-Präsident Uwe Janssens sagte, die Infektionslage sei nicht mit der im April vergleichbar. Es werde anders als bei der Spitze im April kein Abflauen folgen, der Anstieg werde sich erst einmal fortsetzen. Der Grund: Es gebe wesentlich mehr infizierte Patienten auf den anderen Stationen, von denen ein Teil noch auf den Intensivstationen landen werde.

13:45 Uhr | Steinmeier besorgt über Auseinandersetzungen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich besorgt über die wachsende Schärfe der Auseinandersetzungen um die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie geäußert: "Mir macht Sorgen, dass das Gespräch zwischen Gegnern und Befürwortern schwieriger geworden ist", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft zur Eröffnung der Synode der Evangelischen Kirche. Die Pandemie-Krise sei "eine Bewährungsprobe für unsere Gesellschaft, für unsere Demokratie".

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte nach den Ereignissen in Leipzig gestern, die Auflagen der Behörden seien zu beachten. Zu dem kritisierten Polizeieinsatz in Leipzig wollte er sich aber noch nicht äußern, "weil ich die Details nicht kenne". Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte, was in Leipzig passiert sei, "ist durch nichts zu rechtfertigen". Die Demonstrationsfreiheit sei "keine Freiheit zur Gewalt und zur massiven Gefährdung anderer" Menschen. Sie sprach von einem "Gipfel der Verantwortungslosigkeit und des Egoismus." Die Polizei müsse dagegen das staatliche Gewaltmonopol verteidigen. Wie die Lage derart eskalieren konnte, "bedarf jetzt gründlicher Aufklärung."

13:09 Uhr | Merkel setzt Präferenzen für Impfungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht davon aus, dass nach Zulassung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus zunächst Pflegekräfte, Ärzte und Menschen aus Risikogruppen geimpft werden. Diese Frage werde mit der Ständigen Impfkommission, der Wissenschaftsakademie Leopoldina und der Ethik-Kommission diskutiert, sagte Merkel in einem Video zum virtuellen Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Der Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, und der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sprachen sich dafür aus, diese Frage im Bundestag zu diskutieren und zu entschieden.

12:24 Uhr | Israel lockert Beschränkungen vorsichtig

Israel hat seine Beschränkungen weiter gelockert. Straßengeschäfte durften seit Sonntag wieder öffnen, erstmals seit der Verhängung eines zweiten Lockdowns Mitte September. In diesen kleinen Läden, die von der Straße aus zugänglich sind, dürfen sich allerdings nicht mehr als vier Kunden gleichzeitig aufhalten. Geschäfte in Einkaufszentren müssen weiter geschlossen bleiben. Seit dem 18. September gilt in Israel ein zweiter landesweiter Lockdown. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen konnte von mehr als 9.000 am 30. September auf 207 am Sonntag gedrückt werden. In Relation zu den Einwohnerzahlen ist das etwa ein Zehntel des aktuellen Infektionsgeschehens in Deutschland. Zuletzt genehmigte die Regierung neue Lockerungen nur ganz allmählich.

12:01 Uhr | Neue Rekordwerte in den USA

Die USA verzeichnen mit mindestens 131.420 Corona-Neuinfektionen den vierten Tag in Folge einen Rekordwert. Damit stieg die Gesamtzahl der Ansteckungen nach Erhebungen der Agentur Reuters seit Beginn der Pandemie auf fast zehn Millionen, die Zahl der Todesfälle um mehr als 1.000 auf fast 237.300 bis zum Wochenende. Texas mit seinen rund 29 Millionen Einwohnern überschritt demnach als erster US-Bundesstaat die Schwelle von einer Million Infektionen.

11:30 Uhr | Lockerungen seit heute in Thüringen

In Thüringen ist heute eine gelockerte Pandemie-Schutzverordnung in Kraft getreten. Knapp eine Woche nach Beginn des bundesweiten Teil-Lockdowns auch in Thüringen greifen hier nun Anpassungen, mit denen vom Landtag vorgeschlagene Änderungen umgesetzt werden. Über die weiteren aktuellen Entwicklungen im Land informieren unsere MDR-Kollegen in Erfurt auch am Sonntag in einem eigenen Ticker:

10:45 Uhr | Mehr als 16.000 neue Infektionen

Gesundheitsämter in Deutschland haben am Samstag 16.937 Neuinfektionen gemeldet. Nach den Daten des Risklayer-Projekts am Institut für Technologie in Karlsruhe lag der Sieben-Tage-Durchschnitt bei 18.087 täglich neu bestätigten Fällen. In Sachsen kamen demnach 721 neue Fälle hinzu, in Thüringen 210 und 68 in Sachsen-Anhalt.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Samstagabend lag der Sieben-Tage-R-Wert bei 1,04, nach 0,99 am Vortag. Das bedeutet, dass eine infizierte Person eine weitere ansteckt. Der Wert bildet jeweils das Geschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, kann das als Abflauen des Infektionsgeschehen gedeutet werden.

09:15 Uhr | Kritik an Sicherheitsbehörden in Sachsen

Nach Ausschreitungen im Umfeld der "Querdenken"-Demonstration in Leipzig gibt es Kritik an den Sicherheitsbehörden in Sachsen. Die im Land mitregierenden Grünen und die Linke aus der Opposition sprachen auf Twitter etwa von "Staatsversagen" und forderten Konsequenzen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Albrecht Pallas verlangte, dass sich in einer Sondersitzung der Innenausschuss mit den Ereignissen befasst.

Sachens Innenminister Roland Wöller (CDU) bezeichnete es als vom Oberverwaltungsgericht unverantwortlich, diese Großveranstaltung in der Innenstadt zugelassen zu haben. Die Stadt hatte sie wegen vieler Verstöße gegen Pandemie-Auflagen auflösen lassen. Tausende der Teilnehmer zogen daraufhin unkontrolliert durch Leipzig. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei und Sachbeschädigungen.

09:00 Uhr | Digitale Einreiseanmeldung in Deutschland

In Deutschland müssen Rückkehrer aus ausländischen Risikogebieten seit heute eine digitale Einreiseanmeldung ausfüllen. Diese geht an die Gesundheitsämter am Zielort des Reisenden, damit diese kontrollieren können, ob Quarantänepflichten eingehalten werden.

08:34 Uhr | Scholz: Mehrwertsteuer steigt bald wieder

Die Senkung der Mehrwertsteuersätze auf 16 Prozent und fünf Prozent wird Bundesfinanzminister Olaf Scholz zufolge nicht verlängert. Es werde bei den vereinbarten sechs Monaten bleiben, sagte der SPD-Politiker: "Das endet mit diesem Jahr, weil wir gesagt haben, wir wollen alle davon abhalten, dass sie auf bessere Zeiten warten" beim Geld ausgeben. Und das habe "geklappt, wie wir an den Zahlen sehen", meinte Scholz in einer Videobotschaft zum "Tag der offenen Tür" der Bundesregierung im Internet. Die Wirkung dieser temporären Maßnahme zur Konjunktur-Stützung ist umstritten, allerdings auch schwer messbar.

08:30 Uhr | Grütters appelliert an die Länder

Mit einem Appell an ihre Kollegen in den Ländern hat sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters für die Beibehaltung der geplanten Hilfen für Soloselbstständige in der Kulturszene eingesetzt. Die CDU-Politikerin wirbt in dem Brief dafür, die Regelungen wie auf Bundesebene geplant umzusetzen. Demnach sollen freie Künstler und Musiker für den November bis zu 5.000 Euro direkt und ohne bürokratischen Aufwand beantragen können, um ihre wegen des Teil-Lockdowns ausfallenden Einkommen zu ersetzen.

07:00 Uhr | Portugal verschärft Auflagen

Die portugiesische Regierung hat Schutzmaßnahmen verschärft. Ministerpräsident António Costa teilte nach einer Kabinettsitzung gestern Abend mit, dass eine nächtliche Ausgangssperre verhängt werde. An Wochenenden sollten die Menschen schon ab 13:00 Uhr zu Hause bleiben. Das gelte zunächst für zwei Wochen. Der Verzicht auf Zusammenkünfte sei der einzige Weg, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, sagte der Regierungschef. Auch solle mit den neuen Auflagen ein strengerer Lockdown wie der im Frühjahr vermieden werden.

06:30 Uhr | Zusammenstöße in Leipzig

In Leipzig ist es im Umfeld der "Querdenken"-Demonstration zu Krawallen gekommen. Dabei wurden Polizisten und Medienvertreter verletzt. Die Polizei leitete 32 Verfahren ein, unter anderem wegen Beleidigung und Widerstands gegen Beamte. Die Situation eskalierte, als die Kundgebung wegen Nichteinhaltung der Pandemie-Auflagen aufgelöst werden sollte. Im Stadtteil Connewitz errichteten mutmaßlich linke Demonstranten später Barrikaden. Die Polizei rückte daraufhin mit Wasserwerfern und Räumpanzern an. Mehrere Randalierer wurden vorläufig festgenommen. Unklar ist noch, ob es einen Zusammenhang mit der "Querdenken"-Demonstration gab.

06:00 Uhr | Der Ticker am Sonntag, 8. November 2020

Guten Morgen! Auch heute halten wir Sie in diesem Ticker über die aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier, die Ticker der vergangenen Tage finden Sie direkt hier unten. 

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. November 2020 | 10:00 Uhr

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