Coronavirus-Ticker 21. Juni: R-Wert steigt weiter – deutlich über kritischer Schwelle

Der sogenannte R-Wert ist am Sonntag erneut deutlich gestiegen. Bei über 1.000 Mitarbeitern des Schlachtbetriebs Tönnies im Kreis Gütersloh ist eine Coronavirus-Infektion festgestellt worden. 19 von ihnen müssen medizinisch behandelt werden. Für Grünen-Fraktionschef Hofreiter Grund genug, zum Boykott der Firma aufzurufen. Aktuelle Informationen in unserem Ticker:

Corona-Test
Der sogennante "R-Wert" ist zuletzt stark gestiegen. Bildrechte: dpa

Unser Ticker vom Sonntag endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse! Aktuelle Meldungen zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie in unserem Ticker am Montag.

21:54 Uhr | Dubai öffnet sich wieder für Touristen

Nach mehr als drei Monaten geschlossener Grenzen will das Golfemirat Dubai ab dem 7. Juli wieder ausländische Touristen empfangen. Alle Ankommenden müssten einen negativen Corona-Test nachweisen oder einen solchen Test gleich am Flughafen absolvieren, hieß es am Sonntagabend in einer offiziellen Erklärung. Sollte der Test positiv ausfallen, müssten die Betroffenen für zwei Wochen in Quarantäne. Außerdem müssen sich alle Touristen eine spezielle Corona-App aufs Handy laden.

Dubai ist Teil der Vereinigten Arabischen Emirate, es hatte im vergangenen Jahr eine Rekordzahl an Touristen verzeichnet. Insgesamt kamen 2019 rund 16,7 Millionen Besucher nach Dubai. In den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich offiziellen Angaben zufolge bisher knapp 45.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert.

21:23 Uhr | Viele Neuinfektionen in den USA

Die Zahl der Neuinfektionen in den USA liegt weiter auf dem höchsten Niveau seit Wochen. Nach Angaben der Seuchenschutz-Behörde CDC kletterte die Zahl der Infizierten zuletzt um 32.411 auf knapp 2,25 Millionen. Schon am Samstag hatte sie bei rund 32.000 gelegen, nachdem sie seit Mitte Mai teils deutlich unter diesem Wert gelegen hatte.

Die Zahl der neuen Virus-Toten lag mit 560 indes erneut etwas niedriger als an den Vortagen. Insgesamt sind bislang nach amtlichen Angaben 119.615 Menschen in den USA an Covid-19 gestorben.

20:16 Uhr | Ausschreitungen in Den Haag

Bei Protesten gegen die Corona-Beschränkungen ist es in der holländischen Stadt Den Haag zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und berittene Beamte ein.

Wie die Polizei mitteilte, hatten sich hunderte Menschen in der Stadt versammelt, um unter anderem gegen die Abstandsregel von 1,50 Metern zu protestieren. Zunächst verlief nach Polizeiangaben alles friedlich, bis Fußballfans am nahegelegenen Bahnhof Steine und Flaschen gegen Polizisten schleuderten. Bürgermeister Johan Remkes hatte die Demonstration zunächst verboten, dann aber eine zeitlich begrenzte Kundgebung erlaubt.

19:22 Uhr | R-Wert steigt auf über 2

Der als "R-Wert" bezeichnete Reproduktionsfaktor ist erneut deutlich gestiegen. Der "4-Tage-R" werde nun auf 2,88 geschätzt, der "7-Tage-R" auf 2,03, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntagabend in seinem täglichen Lagebericht mit. Am Samstag war der "7-Tage-R" auf 1,55, am Freitag auf 1,17, am Donnerstag auf 1,00 und am Mittwoch auf 0,89 geschätzt worden. Der R-Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt.

Die Steigerung sei vor allem auf lokal begrenzte Ausbrüche unter anderem auf einem Schlachthof in Gütersloh zurückzuführen, hieß es vom RKI. "Da die Fallzahlen in Deutschland insgesamt auf niedrigem Niveau liegen, beeinflussen diese lokalen Ausbrüche den Wert der Reproduktionszahl relativ stark", schrieb das RKI. "Die weitere Entwicklung muss in den nächsten Tagen beobachtet werden, insbesondere in Bezug auf die Frage, ob es auch außerhalb der beschriebenen Ausbrüche zu einem Anstieg der Fallzahlen kommt."

18:02 Uhr | Laschet will keinen Lockdown

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hält einen regionalen Lockdown trotz der vielen Corona-Infektionen beim Fleischkonzern Tönnies nicht für nötig. Allerdings wurden Tausende Mitarbeiter und ihre Familien unter Quarantäne gestellt.

17:41 Uhr | Neue Infektionen in Grundschule und Kita

In Sachsen und Thüringen gibt es neue Coronavirusfälle in einer Schule und einer Kita: In einer Grundschule im sächsischen Penig wurde ein Grundschüler positiv gestestet. Auch in einem Kindergarten im Landkreis Sonneberg in Thüringen gab es drei neue Fälle.

17:12 Uhr | Corona-Krise drückt Forschungsausgaben der Unternehmen

Die Corona-Krise schlägt einer Umfrage zufolge auf die Forschungsausgaben der Unternehmen durch. 38 Prozent haben ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten reduziert oder sogar ganz gestoppt, geht aus der Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) unter 250 Betrieben hervor, die dem "Handelsblatt" am Sonntag vorlag. Vor der Krise gaben lediglich 13 Prozent an, ihre Forschungsausgaben gegenüber dem Vorjahr senken zu wollen. In der kriselnden Automobilindustrie sind es mittlerweile sogar vier Fünftel.

Die Bundesregierung sieht in ihrem kürzlich beschlossenen Konjukturpaket auch Fördermöglichkeiten für Unternehmen vor, die weiter in Forschung investieren.

16:07 Uhr | Acht Polizisten bei Randale an Quarantäne-Wohnanlage in Göttingen verletzt

Bei Ausschreitungen an einem unter Quarantäne stehenden Wohnkomplex in Göttingen sind am Samstag acht Polizeibeamte verletzt worden. Die Einsatzkräfte seien mit Flaschen, Steinen, Metallstangen, Haushaltsgegenständen und Pyrotechnik beworfen worden, sagte der Einsatzleiter am Sonntag. Zuvor hätten sich am Samstagnachmittag etwa 80 bis 100 Bewohner an der Absperrung des Gebäudekomplexes versammelt. Mit "massivem Einsatz von Pfefferspray" hätten die Beamten verhindert, dass die Absperrung durchbrochen wurde.

Am Donnerstag waren die rund 700 Bewohner der Wohnanlage unter Quarantäne gestellt worden. In den nur 19 bis 37 Quadratmeter großen Wohnungen leben nach Angaben der Stadt teils sechsköpfige Familien in prekären Verhältnissen. Nach ersten Testergebnissen sind nach Behördenangaben rund 17 Prozent der dort Wohnenden mit dem neuartigen Coronavirus infiziert.

15:55 Uhr | Steuerausfälle: Ramelow kündigt Kassensturz für Thüringen an

Die Corona-Krise hat für massive Steuerausfälle gesorgt, Thüringens Landesregierung hat deshalb einen erneuten Kassensturz angekündigt. Er gebe ungern Geld aus, dass nicht da sei, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow.

13:30 Uhr | 19 Tönnies-Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies werden im Kreis Gütersloh derzeit insgesamt 19 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt. Es handele sich "fast ausschließlich" um Mitarbeiter von Tönnies, sagte eine Sprecherin des Kreises. Sechs würden intensivmedizinisch behandelt, darunter seien fünf bei Tönnies beschäftigt. Zwei der sechs Patienten würden beatmet. Am Samstagnachmittag hatte die Zahl der positiv getesteten Tönnies-Mitarbeiter in der Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück bei 1.029 gelegen. Die Behörden haben alle rund 6.500 Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt. 40 Mobile Teams sollen am heutigen Sonntag weitere Tests von den Mitarbeitern nehmen. Sie werden teils von Dolmetschern begleitet, teils von Polizisten.

13:00 Uhr | Papst: Lockdown hat Umweltverschmutzung verringert

Papst Franziskus hat mit dem Ende der Pandemie-Einschränkungen zu sorgsamem Umweltschutz aufgerufen. Der Lockdown habe Umweltverschmutzung verringert und "die Schönheit vieler verkehrs- und lärmfreier Orte wiederentdecken lassen", sagte er am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Mit der Wiederaufnahme wirtschaftlicher Aktivitäten, sollten die Menschen "mehr Verantwortung für die Sorge um das gemeinsame Haus übernehmen". Das Kirchenoberhaupt lobte ausdrücklich die zahlreichen Basisinitiativen, die es weltweit für die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt gebe.

11:30 Uhr | Reproduktionsfaktor deutlich gestiegen

Der Virus-Reproduktionsfaktor "R" in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts deutlich über den kritischen Wert von "1" gestiegen. Das sei aber vor allem auf lokal begrenzte Ausbrüche unter anderem im Tönnies-Schlachthof im Kreis Gütersloh zurückzuführen, erklärte das RKI am Samstagabend in seinem täglichen Lagebericht. Ein bundesweiter Anstieg der Fallzahlen sei daraus bisher nicht abzuleiten. Das Robert-Koch-Institut gibt den R-Wert aktuell mit 1,79 an. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Den 7-Tage-R-Wert, der weniger täglichen Schwankungen unterliegt, gab das RKI mit 1,55 an. Am Freitag hatte der "7-Tage-R", bei 1,17 gelegen, am Donnerstag bei 1,00 und am Mittwoch bei 0,89.

Am Samstag haben die Kreise und Städte in Deutschland 556 neue Infektionen gemeldet. Das geht aus der Datenbank des am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angesiedelten Projekts "Risklayer" hervor.

Institutionen wie "Risklayer" oder die Johns-Hopkins-Universität stützen sich auf die durch die Gesundheitsämter oder andere staatliche Behörden vermeldeten Infektionsfälle. Diese Daten sind oftmals aktueller als jene des Robert Koch-Instituts, das seine Daten über eine längere Meldekette erfasst und nur einmal am Tag aktualisiert veröffentlicht.

10:30 Uhr | Stadt Göttingen will sich zu Quarantäne-Komplex äußern

Die Stadt Göttingen will mit der Polizei am Nachmittag zur Lage einer unter Quarantäne stehenden Wohnanlage Stellung nehmen. Polizeiangaben zufolge hatten Bewohner am Samstag versucht, die von der Stadt aufgestellten Zäune zu überwinden. Auch seien die Beamten mit Gegenständen beworfen worden. In der Nacht sei die Lage aber ruhig gewesen, hieß es von der Polizei am Vormittag. Nachdem innerhalb von zwei Tagen knapp 120 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt worden waren, hatte die Stadt die Wohnanlage in der Innenstadt am Donnerstag vollständig unter Quarantäne gestellt und abgeriegelt. Rund 700 Bewohner sind betroffen. Erst im Mai war es in einem nur wenige hundert Meter entfernten 18-geschossigen Wohnhaus zu einem Corona-Ausbruch gekommen, weil nach Darstellung der Stadtverwaltung dort Mitglieder mehrerer Familien bei privaten Feiern die Hygiene- und Abstandsregeln verletzt hatten.

09:30 Uhr | Laschet vor Ort in Gütersloh

Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies will sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet heute vor Ort im Kreis Güterslohn ein Bild von der Lage machen. Auf dem Werksgelände von Tönnies werden im Laufe des Tages die Tests der Beschäftigten auf eine Corona-Infektion fortgesetzt. Bislang liegen rund 3.100 Befunde vor, die Zahl der Infizierten im Werk liegt derzeit bei 1.029. Tönnies hat im Stammwerk im Kreis Gütersloh insgesamt 6.500 Mitarbeiter. Laschet schloss zuletzt einen "flächendeckenden Lockdown in der Region" nicht aus, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Am Sonntag ist dazu ein Krisentreffen der Landesregierung geplant.

08:30 Uhr | Hofreiter ruft zum Boykott von Tönnies-Fleisch auf

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat die Supermarktketten aufgerufen, Tönnies-Produkte zu boykottieren. Hofreiter sagte der "Bild am Sonntag", die Fleischbarone setzten nur auf Profit und hielten sich an keine Regeln. Dieses Gebaren sei ein Skandal. Es sei an der Zeit, dass sich die großen Supermarktketten nicht länger mitschuldig machten. Sie sollten die Tönnies-Produkte aus ihrem Angebot nehmen. In dem Tönnies-Fleischbetrieb im Stammsitz Rheda-Wiedenbrück wurden bislang mehr als 1.000 Mitarbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet. Weitere Tausend Menschen wurden daraufhin im Kreis Gütersloh unter Quarantäne gestellt. Tönnies ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb.

08:00 Uhr | Gysi: Einschränkungen der Grundrechte zurücknehmen

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi fordert, dass alle in der Corona-Krise beschlossenen Einschränkungen der Grundrechte wieder aufgehoben werden. Dabei geht es etwa um Recht auf Freizügigkeit und die Versammlungsfreiheit. Gysi betonte bei MDR AKTUELL, alles, was in der Not beschlossen worden sei, müsse die Regierung wieder zurücknehmen. Das gelte auch für Maßnahmen, die sich bewährt hätten. Diese könnten ja auf demokratischem Weg wieder eingeführt werden. Mehrere Oppositionspolitiker hatten der Bundesregierung vorgeworfen, viele Anti-Corona-Maßnahmen an den Parlamenten vorbei beschlossen zu haben.

06:45 Uhr | Linke - Kredite nicht bei Dividenden

Fabio De Masi (Die Linke) spricht bei der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude.
Bundesabgeordneter Fabio de Masi Bildrechte: dpa

Die Linke im Bundestag fordert härtere Bedingungen für Unternehmen, die wegen der Corona-Pandemie Staatshilfen beantragen. Fraktionsvize Fabio De Masi sagte, die Regeln seien zu weich. Derzeit könnten auch solche Konzerne Kredite der staatlichen Förderbank KfW bekommen, die während der Krise Dividenden ausgeschüttet hätten. Er forderte die Bundesregierung auf, in diesen Fällen keine Staatshilfen mehr zu gewähren. Auch Firmen, die Kurzarbeitergeld beantragten, müssten auf Dividenden verzichten. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums ist maßgeblich entscheidend, dass die Ausschüttungen nicht nach dem Kreditantrag vollzogen werden.

06:30 Uhr | Ministerin zweifelt an Rückkehr zum normalen Schulbetrieb

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hält die vollständige Rückkehr zu einem normalen Schulbetrieb nach den Sommerferien noch längst nicht für gesichert. Sie sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", das Virus sei nicht weg. Man müsse immer wieder damit rechnen, dass Schulen geschlossen werden müssten, wenn sich dort jemand infiziere. Es müsse weiter umsichtig gehandelt werden. Karliczek sagte weiter, die Länder strebten inzwischen die Rückkehr zum Regelbetrieb nach den Sommerferien an. Sie hoffe, dass das Infektionsgeschehen das zulasse. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie wichtig der regelmäßige und persönliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern sei. Homeschooling habe ganz klare Grenzen.

Die Ticker der vergangenen Tage:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Juni 2020 | 13:00 Uhr

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