Coronavirus-Pandemie Ticker vom Sonntag: Thüringen plant Frühwarnsystem zur Pandemie-Eindämmung

Thüringen will mit neuen Früherkennungssystemen gegen einen Anstieg der Corona-Infektionen im Herbst vorgehen. So sollen etwa Virenkonzentration im Abwasser gemessen werden. Trotz Rufen nach Strafen für Impftermin-Schwänzer hält CDU-Chef Laschet nichts davon. CSU-Chef Söder fordert eine Impfempfehlung der Stiko für Jugendliche. In England soll derweil die Maskenpflicht wie geplant fallen. Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Ticker.

Ministerpräsident Bodo Ramelow lässt sich vor der Bugaeröffnung testen
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow lässt sich vor der Buga-Eröffnung in Erfurt auf das Coronavirus testen. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Unser Ticker am Sonntag, 4. Juli 2021, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Aktuelle Meldungen und Hintergründe zum Coronavirus und zu Covid-19 finden Sie unter mdr.de/coronavirus.

22:20 Uhr | Gastronomie leidet nach Lockdowns unter Personalmangel

Restaurants und Kneipen sind wieder geöffnet, das Wetter spielt die meiste Zeit über auch mit. Es könnten also gute Zeiten sein für die pandemiegeplagte Gastronomie. Doch vielen mangelt es an Personal.

21:42 Uhr | Frankreichs Gesundheitsminister warnt vor vierter Welle

Der französische Gesundheitsminister Olivier Veran warnt vor einer vierten Infektionswelle in der Corona-Pandemie. Wegen der Delta-Variante seien die Infektionszahlen fünf Tage lang nicht zurückgegangen. "Das britische Beispiel zeigt, dass eine vierte Welle ab Ende Juli möglich ist", erklärte Veran. Die Impfkampagne müsse beschleunigt werden. Frankreich befinde sich in einem Rennen gegen die Zeit.

21:30 Uhr | Geldstrafen bei versäumten Impfterminen gefordert

Aus Politik und Gesellschaft werden Stimmen laut, das Verstreichenlassen von Impfterminen ohne Absage mit Geldstrafen zu belegen. Die Menschen nähmen anderen die Chance zur "Immunisierung" und Impfstoffe landeten im Müll, so das Argument.

19:59 Uhr | Luxemburgs geimpfter Regierungschef nach Positiv-Test im Krankenhaus

Luxemburgs Regierungschef Xavier Bettel ist eine Woche nach einem positiven Corona-Test zur Beobachtung ins Krankenhaus gekommen. Wie die Regierung des kleinsten EU-Landes mitteilte, wird er dort vorsorglich für 24 Stunden bleiben.

Xavier Bettel
Xavier Bettel während eines EU-Treffens in Brüssel. Bildrechte: imago images/Belga

Bettel hatte am 6. Mai eine erste Dosis des Covid-19-Impfstoffs von Astrazeneca erhalten. Noch am 24. und 25. Juni hatte Bettel am EU-Gipfel teilgenommen. Zwei Tage später hatte er sich in eine zehntägige Quarantäne begeben, nachdem er positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Bettel litt unter leichten Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen.

19:30 Uhr | Steinmeier: Deutsche haben sich voneinander entfernt

Die Deutschen haben sich nach Ansicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) in der Pandemie voneinander entfernt. Bei einer Wanderung an der früheren innerdeutschen Grenze im Harz erklärte Steinmeier, nicht nur die Hygiene-Regeln hätten für Abstand gesorgt, sondern auch die Diskussionen um die Corona-Politik. Er hoffe, dass sich die Deutschen wieder aufeinander zubewegten, wenn man Schritt für Schritt aus der Krise komme.

Steinmeier wurde bei seiner Wanderung vom sachsen-anhaltischen Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) und dessen niedersächsischem Amtskollegen Stephan Weil (SPD) begleitet. Unterwegs gab es Gespräche mit Bürgern und Kommunalpolitikern aus Wernigerode, Schierke und Braunlage.

Etwa 20 Menschen in Wanderkleidung gehen entlang eines Weges vor einer Panorama-Aussicht mit Feldern und Hügeln
Steinmeier, Haseloff und Weil bei ihrer Wanderung auf dem Brocken. Bildrechte: dpa

16:56 Uhr | Griechenlands Regierungschef schließt weiteren Lockdown aus

Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat einen erneuten Komplett-Lockdown für sein Land ausgeschlossen. Mitsotakis sagte der Zeitung "Kathimerini", Griechenland werde seine Wirtschaft nicht für eine ungeimpfte Minderheit erneut vollständig herunterfahren. Anders als bei früheren Lockdowns gebe es jetzt Impfstoffe. Er könne Impfungen nicht zur Pflicht machen. "Aber jeder übernimmt seine Verantwortung." Etwa 35 Prozent der elf Millionen Einwohner Griechenlands sind vollständig gegen einen schweren Verlauf von Covid-19 geimpft.

16:30 Uhr | Laschet gegen Bußgelder für Impftermin-Schwänzer

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet lehnt Bußgelder für Menschen ab, die nicht zu Corona-Impfterminen erscheinen. Der CDU-Politiker sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", Solidarität erzwinge man nicht durch Strafen. Andere Politiker wie der SPD-Politiker Karl Lauterbach plädierten dagegen für Bußgelder. Auch Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei sieht das so. In der FDP und bei den Kassenärzten hält man davon nichts.

15:52 Uhr | Thüringen plant Frühwarnsystem

Thüringen will mit neuen Früherkennungssystemen gezielt gegen einen Anstieg der Corona-Infektionen im Herbst vorgehen. Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte, dazu solle etwa die Virenkonzentration im Abwasser gemessen werden. Der Einsatz des Messsystems werde gerade vorbereitet. Außerdem wolle man mit anlasslosen Tests in Kindereinrichtungen und Unternehmen Infektionsherde frühzeitig erkennen. Der Linkenpolitiker betonte, ein ruhiger Sommer sei kein Grund zur Entwarnung. Er rechne mit einer vierten Corona-Welle im Herbst, wenn sich die Menschen wieder mehr in geschlossenen Räumen aufhielten. Zugleich hoffe er aber, dass sich durch die steigende Zahl an geimpften Menschen ein Lockdown vermeiden lasse. Thüringen war im Frühjahr zeitweise das Bundesland mit dem höchsten Infektionsgeschehen.

15:12 Uhr | Söder fordert von Stiko Impfempfehlung für Jugendliche

CSU-Chef Markus Söder setzt im Kampf gegen die Delta-Variante des Coronavirus auf die Impfung von Schülerinnen und Schülern. Bayerns Ministerpräsident schrieb auf Twitter: "Die Stiko sollte dringend überlegen, wann sie das Impfen von Jugendlichen empfiehlt." Eine Impfung würde den Schutz für alle erhöhen und einer Generation, die auf viel verzichten musste, wieder Freiheiten zurückgeben.

Die Ständige Impfkommission hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Lediglich Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen sollten demnach geimpft werden. Allerdings können sich Kinder und Jugendliche ab 12 Jahre dennoch impfen lassen. Voraussetzung dafür ist ein Beratungsgespräch.

13:25 Uhr | Mehr als 500 Tote in Indonesien am Tag

In Indonesien sind an einem Tag 555 Menschen nachweislich am Coronavirus gestorben. Das ist nach offiziellen Angaben der höchste Anstieg seit Ausbruch der Pandemie. Die Gesamtzahl der Todesfälle stieg damit auf 60.582 – bei zuletzt 27.233 Neuinfektionen in 24 Stunden. In dem Land leben rund 270 Millionen Menschen.

11:58 Uhr | England lockert bei Inzidenz 200

Trotz hoher Infektionszahlen kündigt die britische Regierung für England die weitgehende Aufhebung der Maskenpflicht an. Masken - in Geschäften, Bussen und Bahnen aktuell verpflichtend – würden bald zur "persönlichen Entscheidung", sagte Wohnungsbauminister Robert Jenrick am Sonntag bei Sky News. Das ist Teil einer geplanten weitgehenden Aufhebung von Schutzmaßnahmen am 19. Juli, die von der Regierung demnächst wohl bestätigt werden soll.

Der neue britische Gesundheitsminister Sajid Javid verteidigte das und appellierte heute an die Eigenverantwortung der Menschen. Das Land könne so "freier" und "auch gesünder werden", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Mail on Sunday".

Die infektiöse Delta-Variante lässt die Coronavirus-Fallzahlen in Großbritannien schnell steigen, die Inzidenz lag zuletzt bei knapp 200. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle nahm jedoch nicht im gleichen Maß zu wie bei den vorherigen Pandemie-Wellen. Daher setzt die Regierung nun ganz auf die Impfungen.

11:00 Uhr | Sachsens Finanzämter öffnen wieder

Nach etwa sieben Monaten empfangen die 24 Finanzämter in Sachsen ab Montag auch wieder Besucher. Die digitalen Angebote seien zwar gut genutzt worden, aber es gebe Anliegen, "die sich am besten in einem persönlichen Gespräch vor Ort klären lassen", sagte der Präsident des Landesamts für Steuern und Finanzen, Karl Köll. Um Infektionsrisiken zu minimieren, bittet die Behörde aber bei Besuchen um Einhaltung des Mindestabstands und um das Tragen einer medizinischen oder einer FFP-2-Maske. Der Besucherverkehr war Mitte Dezember 2020 eingestellt worden.

10:44 Uhr | Englische Fußballfans umgehen Quarantäne

Italienische Behörden haben etwa 50 englische Fußballfans in einigen Hotels in Rom identifiziert, die sich nach der Einreise nicht fünf Tage in Quarantäne begeben haben. Ihnen seien die Tickets für das Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft gegen die Ukraine abgenommen worden, teilten die Behörden mit. Die Tageszeitung "Il Messaggero" schätzt, dass mindestens 1.600 Engländer nach Italien gereist waren, ohne sich an die Quarantäne-Vorschriften zu halten. Viele seien wohl über Frankreich gekommen. Journalisten des britischen Boulevard-Blatts "The Sun" dokumentierten, wie einfach es gewesen sei, die italienischen Kontrollen zu umgehen.

09:30 Uhr | Hamburger Fischmarkt wieder geöffnet

Der Hamburger Fischmarkt ist nach 15 Monaten Pandemie-Pause heute Morgen erstmals wieder geöffnet gewesen. Von 5 bis 9.30 Uhr konnte die beliebte Attraktion wieder besucht werden, mit Auflagen im Testbetrieb. Marktschreier und Musiker sind noch nicht wieder erlaubt. Besucher müssen eine medizinische Maske tragen und dürfen nur außerhalb des Geländes essen. Auch durften vorerst nur rund 60 Händler dabei sein, etwa halb so viele wie sonst.

08:00 Uhr | Braun rechnet nicht mit Lockdown im Herbst

Kanzleramtsminister Helge Braun rechnet nicht mit einem neuen Lockdown im Herbst. Was getan werden kann, wenn im Herbst die Infektionszahlen wieder steigen sollten, hat André Seifert den CDU-Politiker im Interview der Woche bei MDR AKTUELL gefragt.

07:30 Uhr | Baerbock fordert Investitionen in Schulen

Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, fordert massive Investitionen, um alle Schulen in Deutschland gegen das Coronavirus zu wappnen.

Zu Beginn des Bundesparteitags der Grünen sitzen Annalena Baerbock (r) und Robert Habeck, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, auf der Bühne.
Annalena Baerbock und Robert Habeck, die Bundesvorsitzenden der Grünen Bildrechte: dpa

"Es muss eine Luftfilteranlage für jeden Klassenraum zur Verfügung gestellt werden", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Trotz der Kosten dürfe es nicht sein, "dass wir wieder in eine Situation geraten, wo ein Teil der Kinder von Zuhause aus lernen muss, nur weil keine Vorsorge geleistet wurde".

Der Sommer müsse dafür genutzt werden, dass Schulen sicher seien, sagte Baerbock. Es müsse Impfangebote an alle Eltern und Lehrkräfte geben, um ein sicheres Umfeld zu schaffen, nicht "dass die Kinder und Eltern nach dem Ende der Sommerferien feststellen, dass sich an den Schulen wieder nichts geändert hat".

07:00 Uhr | Virologin für neues Testkonzept an Schulen

Die Virologin Melanie Brinkmann fordert neue Testkonzepte für Schulen. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte sie, das sei jetzt nötig, "denn die Delta-Variante wird nach den Sommerferien sehr schnell durch die Schulen rauschen, wenn wir keine Vorsorge treffen". Statt der weniger präzisen Antigen-Schnelltests spricht sich Brinkmann für sogenannte Lolli- oder Gurgeltests aus. "Das spart Kosten und kann per PCR ausgewertet werden", sagte die Virologin vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

Brinkmann warb auch für das Tragen von Masken in Schulen und direkt in Fensterscheiben eingebaute Ventilatoren für die Lüftung: "Ohne zusätzliche Maßnahmen werden die Infektionen wieder zunehmen, es wird zu Quarantäneschleifen kommen, wie man es jetzt schon in Großbritanniens Schulen beobachten kann."

06:30 Uhr | Politiker wollen Strafen für Impfschwänzer

Politiker von Union und SPD wollen Menschen belangen, die Impftermine nicht wahrnehmen. Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei sagte, wer zu bequem sei, zum Hörer zu greifen oder mit wenigen Klicks online einen Termin abzusagen, sollte für die Ausfallkosten aufkommen. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich dafür aus. Termin-Ausfälle führten dazu, dass langsamer geimpft werde und Impfstoff weggeworfen werden müsse. Zuvor hatte unter anderem das Berliner Rote Kreuz dafür geworben, Impfschwänzer zur Kasse zu bitten. Demnach werden mittlerweile fünf bis zehn Prozent der Termine nicht wahrgenommen.

06:10 Uhr | Zypern und Katalonien jetzt Risikogebiete

Deutschland stuft Zypern sowie die Regionen Kantabrien und Katalonien mit Barcelona in Spanien seit heute als Coronavirus-Risikogebiete ein. Auch zwei Provinzen in Norwegen wurden auf die Liste gesetzt. Als Risikogebiete gelten Länder und Regionen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz über 50 liegt. Das bedeutet, dass das Auswärtige Amt von Reisen in solche Gebiete abrät. Wer von dort einreist, muss eine digitale Anmeldung ausfüllen und vor Abflug einen negativen Test oder einen Impf- bzw. Genesungsnachweis vorlegen. Von der Liste gestrichen wurden eine Region in Kroatien sowie Katar und die Karibik-Inseln Guadeloupe und Aruba.

06:00 Uhr | Der Ticker am Sonntag, 4. Juli

Guten Morgen, auch heute halten wir Sie in diesem Ticker über aktuelle Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier, die Ticker der vergangenen Tage finden Sie unten.

Die Corona-Ticker der vergangenen Tage:

Quelle: dpa, AFP, MDR Aktuell

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juli 2021 | 06:00 Uhr

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