Übersicht Die spektakulärsten Kunstdiebstähle Deutschlands

In Dresdens Schatzkammer, dem Grünen Gewölbe, ist eingebrochen worden. Der historisch wertvolle Teil der Sammlung ist betroffen. Es ist nicht der erste große Diebstahl in Sachsen.

Der Festsaal im Schloss Friedenstein.
Schloss Friedenstein in Gotha. Diebe stahlen hier 1979 Gemälde im Wert von 50 Millionen Euro. Bildrechte: dpa

1977: Dresden – Millionen-Diebstahl am helllichten Tag

Beim dreistesten Kunstraub der DDR-Geschichte stehlen Diebe am 20. September 1977 zahlreiche Schmuckstücke in Dresden. Am helllichten Tag und während des regulären Besucherbetriebes brechen sie eine große Vitrine im Stadtmuseum auf. Darin befindet sich der sogenannte Sophienschatz, welcher die Schmuckstücke aus den Grabkammern der Sophienkirche umfasst, die 1963 zerstört wurde. Der Wert: etwa 2,5 Millionen Euro.

Der Raub des Sophienschatzes aus dem Stadtmuseum wird nie aufgeklärt. Die Ermittlungen ergeben, dass der Schatz unzureichend gesichert war. Das Schloss der Vitrine ließ sich mit einem einfachen Klappmesser öffnen, eine Überwachungskamera wurde einfach weggedreht.

Der Schatz taucht inzwischen Stück für Stück wieder auf und das Dresdner Stadtmuseum kauft Teile davon zurück.

1979: Gotha – Gemälde im Wert von 50 Millionen Euro gestohlen

In Gotha stehlen Diebe 1979 fünf Gemälde im Wert von etwa 50 Millionen Euro. Der Einbruch ins Schloss Friedenstein in der Nacht auf den 14. Dezember gilt als spektakulärster Kunstraub der DDR. Fünf wertvolle Ölbilder verschwinden. Die Bilder hingen in der zweiten Etage. Um dorthin zu gelangen, nutzten die Diebe speziell angefertigte "Steigeisen", die sie hinter die Befestigungsschellen des Blitzableiters hingen. Auf diese "Steigeisen" tretend bewegten sich die Täter zur zweiten Etage empor.

Die wertvollen Cranach-Gemälde des Museums ließen die Einbrecher hängen. Stattdessen nahmen sie die Bilder "Brustbild eines jungen Mannes" von Frans Hals, "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren, "Selbstbildnis mit Sonnenblume" von Anthonis van Dyck, "Alter Mann" von Jan Lievens sowie "Heilige Katharina" von Hans Holbein dem Älteren mit.

Thüringen

Diese Gemälde wurden 1979 in Gotha entwendet

Das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens
Das Werk "Alter Mann" von Jan Lievens gelangte unter Ernst II. nach Gotha. Das Gemälde ist eine Rembrandt-Kopie. Das Original befindet sich heute in der Sammlung der Universität Harvard in den USA. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens
Das Werk "Alter Mann" von Jan Lievens gelangte unter Ernst II. nach Gotha. Das Gemälde ist eine Rembrandt-Kopie. Das Original befindet sich heute in der Sammlung der Universität Harvard in den USA. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" von Frans Hals
Das "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" ist ein Werk des Niederländers Frans Hals und seiner Werkstatt. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Heilige Katherina" von Hans Holbein dem Älteren
Die "Heilige Katherina" von Hans Holbein dem Älteren entstandt um 1509/1510. Dargestellt ist vermutlich die Tochter eines 1478 hingerichteten Ratsherrn. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Selbstbildnis mit Sonne" von Anthonis van Dyck
Das "Selbstbildnis mit Sonnenblume" von Anthonis van Dyck. Bei dem Werk handelt es sich um eine Kopie des 1632 bis 1633 entstandenen Selbstportraits. Das Original befindet sich in der privaten Sammlung des Duke of Westminster. Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein
Das Gemälde "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren
Die "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren kam unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg in die Kunstkammer. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein
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In der Eile ließen die Täter zwei der handgefertigen "Steigeisen" am Tatort zurück. Die kriminaltechnische Untersuchung ergab, dass die eingesetzten Materialien weder in der DDR, noch im Wirtschaftsbereich des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zum Einsatz kamen. Die tatsächliche Herkunft der Materialien blieb ungeklärt.

Im Dezember 2019 – etwa 40 Jahre später – tauchten die in Gotha entwendeten Gemälde wieder auf. Die alten Meister wurden nach monatelangen Verhandlungen an die Stiftung Schloss Friedenstein übergeben.

1992: Weimar – viele Zufälle ermöglichen Millionen-Diebstahl

Aus einer der bedeutendsten Cranach-Sammlungen stehlen Diebe am 12. Oktober 1992 acht Gemälde. Damaliger Schätzwert der Gemälde aus den Weimarer Sammlungen: rund 63 Millionen D-Mark. Darunter die weltberühmten Portraits von Martin Luther und Prinzessin Sibylle von Cleve.

Mehrere Zufälle haben den Einbruch ermöglicht, wie die Ermittlungen ergaben. Der Wachmann reagiert nicht, weil er glaubte, dass Tauben den Außenalarm ausgelöst hätten, wie schon einige Male zuvor. Doch dann geht auch der Alarm im Inneren des Gebäudes an. Vor Aufregung kann der Wachmann kaum seine Waffe laden – und geht in die falsche Richtung. Der Alarm wird im Westflügel ausgelöst, er patrouilliert im Ostflügel. Die Diebe haben so einen ordentlichen Vorsprung.

Anschließend nimmt ein 20-köpfiges Sondereinsatzkommando die Arbeit auf. Die Ermittlungen führen zu einer polizeibekannten Bande aus Niedersachsen. Die Polizei plant eine fingierte Übergabe: Geld gegen Gemälde. Dabei tappen die Diebe den Beamten nach nur drei Wochen in die Falle.

2002: Berlin – neun Gemälde auf einen Streich

Im April 2002 stehlen Einbrecher aus dem Berliner Brücke-Museum neun expressionistische Gemälde im Wert von 3,6 Millionen Euro. Die Einbrecher haben an jenem Tag die Alarmanlage lahmgelegt und sind durch ein Fenster in das Gebäude eingestiegen. Nur wenige Wochen später werden die Täter geschnappt und die Bilder sichergestellt.

2017: Berlin – 100-Kilo-Goldmünze auf Rollbrett rausgeschoben

Im März 2017 stehlen Diebe eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze. Die Einbrecher gelangen über die Hochbahntrasse der Berliner S-Bahn und mithilfe einer Leiter durch ein Fenster in das Bode-Museum. So haben es die Ermittler später rekonstruiert. Demnach schlugen die Täter eine Glasvitrine ein und nahmen die Sondermünze mit einem Durchmesser von 53 Zentimetern auf einem Rollbrett mit.

Die Ermittler sind überzeugt, dass es die Tat eines Berliner Clans war. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter läuft derzeit. Im Bode-Museum, das zum Weltkulturerbe Museumsinsel gehört, wurden nach dem Diebstahl die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Mehr zum Kunstraub im Grünen Gewölbe

Hinweis: In einer früheren Version war zum Gemäldediebstahl in Gotha von einer dritten Etage die Rede. Richtig ist die zweite Etage. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 25. November 2019 | 12:00 Uhr

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