Folgen des russischen Kriegs Bislang rund 3.600 Geflüchtete aus der Ukraine in Mitteldeutschland aufgenommen

Aufgrund der Invasion Russlands in die Ukraine sind bereits mehr als zwei Millionen Menschen aus ihrer ukrainischen Heimat geflüchtet, auch nach Deutschland. Ein Überblick zu den aufgenommenen Flüchtlingen in Mitteldeutschland.

Mit Gepäck gehen zwei Frauen durch eine Aufnahmeeinrichtung für Geflüchtete aus der Ukraine in Leipzig.
Die Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig-Mockau erwartet täglich die Ankunft mehrerer hundert Menschen. Bildrechte: dpa

Das sind die offiziellen Zahlen zu geflüchteten Menschen, die in Mitteldeutschland angekommen und aufgenommen wurden. Die wirklichen Zahlen sind wahrscheinlich, auch wegen der vielen privaten Hilfsangebote und -transporte, deutlich höher.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt leben laut Innenministerium des Landes aktuell rund 3.200 ukrainische Staatsangehörige (Stand: 31. Januar 2022). Laut Staatskanzlei sind bisher rund 1.570 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine direkt von den Kommunen aufgenommen worden. 129 von ihnen sind Kinder im schulpflichtigen Alter. Nicht erfasst sind darin Menschen aus der Ukraine, die bei Freunden, Verwandten oder anderen privat untergekommen sind. Das Land selbst hat bisher 170 Menschen untergebracht.

Die Staatskanzlei weist darauf hin, dass nach dem Ratsbeschluss auf EU-Ebene die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine vereinfacht wurde. Es greife §24 des Aufenthaltsgesetzes. Das bedeutet laut Innenministerin Dr. Tamara Zieschang (CDU): "Jeder wird untergebracht, erhält bei Bedarf finanzielle Unterstützung und darf arbeiten." Eine Prognose für die kommenden Tage oder Wochen, wie viele Menschen erwartet werden, ist nicht mitgeteilt worden.

Sachsen

Im Freistaat leben laut Innenministerium aktuell 8.867 Staatsbürger der Ukraine (Ausländerzentralregister, Stichtag 31.12.2021). Anders als Sachsen-Anhalt hat Sachsen nur Zahlen zu jetzt Geflüchteten, die in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht sind. Mit Stand von Dienstag, dem 8 März, sind es 1.944 Menschen. In vielen Fällen seien das "Mütter mit ihren Kindern, in manchen Fällen auch ältere Angehörige, selten die Väter", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dazu am Dienstag in einer Kabinettspressekonferenz.

Diese Menschen sollten vorrangig dezentral in Wohnungen und nicht in Erstaufnahmeeinrichtungen und Massenunterkünften untergebracht werden. Laut Flüchtlingsrat Sachsen ist die Zahl der Geflüchteten in Sachsen wohl deutlich höher als offiziell registriert. Flüchtlingsrat-Sprecher Dave Schmidtke sagte dem MDR: "Wir wissen allein von Initiativen in Dresden und Leipzig, dass diese im hohen dreistelligen Bereich Menschen vermittelt haben. Daher gehen wir von mindestens 1.000 zusätzlichen Personen in Sachsen aus." Wirklich seriöse Schätzungen seien Stand jetzt aber nicht möglich.

Prognose: Deutlich mehr Flüchtlinge als 2015

Eine Prognose für die kommenden Tage oder Wochen, wie viele Menschen erwartet werden, wollte das sächsische Innenministerium auf MDR-Anfrage nicht abgeben. "Wir haben für uns heute in der Kabinettssitzung mal angenommen, dass es pro Landkreis 4.000 bis 5.000 Menschen werden", sagte Ministerpräsident Kretschmer in der Pressekonferenz am Dienstag.

Diese Zahl an Flüchtlingen sei deutlich höher als 2015. "Uns wurde am Dienstag über das Sozialministerium mitgeteilt, dass die Landesregierung aktuell mit mindestens 70.000 ankommenden Menschen aus der Ukraine rechnet", sagte Dave Schmidtke vom Flüchtlingsrat Sachsen.

Thüringen

In Thüringen leben laut Innenministerium aktuell rund 2.800 Menschen mit ukrainischem Pass. Bisher seien rund 100 geflüchtete Menschen aus der Ukraine über die Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl aufgenommen worden. Das Innenministerium und auch andere Behörden im Freistaat haben keine Angaben dazu, wie viele Menschen bisher in Thüringen von Verwandten, Freunden oder Bekannten aufgenommen wurden. Auch eine Prognose für die Zahl der Flüchtlinge für die kommenden Tage und Wochen sei nicht möglich.

Laut Martin Arnold vom Flüchtlingsrat Thüringen ist die Zahl der in Thüringen privat untergebrachten Menschen aus der Ukraine aber deutlich höher. "In der Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl kommen nur die Menschen an, die nach ihrer Ankunft in Berlin umverteilt wurden oder die hier in Thüringen keinen Ansprechpartner haben."

Er weist auf die vielen Hilfstransporte hin, die in den vergangenen Tagen auch aus Thüringen an die Grenze der Ukraine gefahren sind und dort Menschen in den Freistaat geholt haben. Eine genauere Zahl zu privat untergebrachten und nicht offiziell registrierten Menschen kann der Flüchtlingsrat Thüringen nicht liefern. Das sei erst in den nächsten zwei, drei Wochen möglich, wenn sich die Menschen für den Aufenthaltstitel offiziell melden.

Gesamtzahl der Geflüchteten

Vom 24.2. bis Dienstag sind laut Bundesinnenministerium 80.035 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland eingereist. Zumindest ist das die offizielle Zahl. Diese Menschen wurden von der Bundespolizei registriert. An den EU-Binnengrenzen gibt es aber keine stationären Kontrollen. Daher kann die Zahl der aus der Ukraine eingereisten Menschen deutlich höher sein. Laut dem "Mediendienst Integration" leben aktuell rund 331.000 Menschen mit einem ukrainischen Migrationshintergrund in Deutschland – rund 15.000 von ihnen laut den Innenministerien in Mitteldeutschland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. März 2022 | 10:00 Uhr

Mehr aus Panorama

Mehr aus Deutschland

Zwei Männer knieen neben einem Moped 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK