MDRfragt Mehr als die Hälfte findet Christopher Street Day heute nicht mehr wichtig

Der Christopher Street Day ist der Fest- und Demonstrationstag für die Rechte der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender-Personen und Intersexuellen. In vielen Städten weltweit, darunter auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, gibt es alljährliche CSD-Paraden. Bei den MDRfragt-Mitgliedern ist die Meinung zur Relevanz dieses Tages verhalten: Eine knappe Mehrheit findet, der Tag ist heute nicht mehr wichtig. Das ist das Ergebnis der Befragung mit mehr als 24.000 Teilnehmenden aus ganz Mitteldeutschland.

Teilnehmer beim Christopher Street Day 2022 in Köln
Bildrechte: IMAGO / Panama Pictures

Mehr als die Hälfte der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der Befragung beteiligt haben, sind der Ansicht, dass der Christopher Street Day heute nicht mehr wichtig ist. Dagegen sind 4 von 10 der Ansicht, dass der Tag auch heute noch seine Berechtigung hat und gebraucht wird.

Diagramm: Christopher Street Day – Wichtig: 41% | Unwichtig: 53 % | keine Angabe: 6 %
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Je älter die Befragten, umso weniger wichtig stufen sie den CSD ein

Mit zunehmendem Alter schätzen die Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer die Wichtigkeit des Christopher Street Day geringer ein: Während bei den Unter-30-Jährigen noch knapp zwei Drittel den Tag als wichtig einstufen, sind es bei den Über-65-Jährigen lediglich rund ein Drittel.

Diagramm: Wichtigkeit des CSD nach Altersgruppen
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Einige MDRfragt-Mitglieder haben uns ihre Meinung zum Christopher Street Day (CSD) auch ausführlicher geschrieben:

Als selbst homosexueller Mann finde ich den CSD peinlich. Mir ist es wurscht, was andere von mir halten und es wäre wünschenswert, wenn ich anderen auch wurscht wäre.

Stephan B., 36 Jahre, Dresden

Weder habe ich etwas gegen die CSD-Paraden noch gegen gleichgeschlechtliche Liebe, von mir aus kann jeder seine Sexualität so ausleben, wie er möchte. Ich verstehe nur nicht, warum das alles neuerdings so in der Öffentlichkeit breitgetreten werden muss.

Volker W., 58 Jahre, Dresden

Der CSD ist heutzutage wichtiger denn je, um auf die Ungleichbehandlung in Bezug auf die LGBTQI-Szene hinzuweisen. Ich meine... Herrje, wir leben im 21. Jahrhundert. Kommt endlich damit klar, dass es mehr in der Welt gibt, als die monochrome, heteronorme, zweidimensionale, fahle Wahrnehmung vermuten lässt. Diversität rocks.

Janine D., 43 Jahre, Halle (Saale)

Wir brauchen mehr Toleranz, in allen Bereichen. Und da noch zu wenige Menschen das so sehen wie ich, ist es wichtig, dass die Community den CSD zelebriert und auf friedliche Weise allen zeigt, dass es letztendlich nur um die Liebe zwischen Menschen geht.

Katrin B., 51 Jahre, Eisenach

Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit werden bei homosexuellen Paaren eher als störend empfunden als bei heterosexuellen

Gleichgeschlechtliche Liebe ist nicht nur am Christopher Street Day ein Thema, sie gehört zu unserer Gesellschaft dazu. Zeigen homosexuelle Paare ihre Liebe in der Öffentlichkeit, so finden das jedoch mehr MDRfragt-Mitglieder als störend als wenn dies heterosexuelle Paare tun:

Diagramm: Öffentlich gezeigte Zuneigung bei Paaren
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

  • Wenn heterosexuelle Paare, also Mann und Frau, ihre Zuneigung in der Öffentlichkeit zeigen, empfindet das die Hälfte der MDRfragt-Community als schön. Fast ebensovielen ist es schlichtweg gleichgültig. Unangenehm findet es kaum jemand.
  • Bei öffentlichen Liebesbekundungen von homosexuellen Paaren ist der Anteil derjenigen, die sich davon gestört fühlen, größer: Bei männlichen Paaren empfindet es knapp ein Drittel als unangenehm, bei weiblichen Paaren gut ein Fünftel. Bei beiden Konstellationen finden es dagegen jeweils knapp ein Fünftel auch schön, Zuneigungen in der Öffentlichkeit zu sehen.

Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe in Medien empfindet Mehrheit nicht als störend

Die Darstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe in Film und Fernsehen stört die Mehrheit der Befragten generell nicht. Lediglich ein Drittel der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer hat angegeben, dass sie dies als negativ oder störend empfinden. Im Vergleich zu heterosexueller Liebe wird die gleichgeschlechtliche Liebe in den Medien allerdings zu viel gezeigt, finden 40 Prozent der Befragten.

Diagramm: Gleichgeschlechtliche Liebe in den Medien
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Viele MDRfragt-Mitglieder haben uns dazu Kommentare geschrieben:

Über den Christoper Street Day oder gleichgeschlechtliche Liebe wird meiner Meinung nach in den Medien so berichtet, als wenn das was Ungewöhnliches oder Besonderes ist. Dabei gehören auch Minderheiten mit Recht zum gesellschaftlichen Leben. Es ist nun mal so und man sollte das alles nicht so hervorheben oder überbewerten.

 Eberhard K., 67 Jahre, Saalekreis

Ich finde es richtig, wenn Homosexuelle die gleichen Rechte haben wie Heterosexuelle, aber in den Medien wird das Thema immer wieder groß rausgebracht, was ich für übertrieben halte. Es muss jeder selbst entscheiden wie man liebt, aber mittlerweile ist es kultig geworden, was Anderes zu sein, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen und das halte ich für falsch, weil es einen negativen Schatten über das an sich völlig legitime Thema der Homosexualität wirft.

 Magnus W., 20 Jahre, Unstrut-Hainich-Kreis

Es ist sehr wichtig auf die Diskriminierung gegenüber Personen der LGBTQ+ aufmerksam zu machen. Im Alltag fällt es den Menschen meist nicht auf, dass sie indirekt diskriminierende Aussagen treffen. Das muss aufhören.

 Lara H., 27 Jahre, Ilm-Kreis

Wie schön, dass es - zwar sehr langsam - bei dem Thema nun allmählich mehr Offenheit, Öffentlichkeit und damit auch mehr Bewusstsein gibt. Lasst doch alle leben und lieben, wie sie wollen, so lange keiner zu Schaden kommt. Es gibt wichtigeres zu diskutieren als wer wen liebt und wer welches Geschlecht hat. Wir sind alle Menschen.

 Ina S., 39 Jahre, Landkreis Leipzig

Mehrheit stünde einer Transperson als Kanzler nicht ablehnend gegenüber

Eine Transperson als Kanzler: Eine knappe Mehrheit der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der Befragung beteiligt haben, stehen dieser Vorstellung nicht ablehend gegenüber: Für 48 Prozent wäre es egal, 3 Prozent würden es befürworten. Demgegenüber lehnen 43 Prozent der MDRfragt-Mitglieder diese Vorstellung ab.

Diagramm: Transperson als Kanzler
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Über diese Befragung Die Befragung vom 01.- 04.07.2022 stand unter der Überschrift:
Immer früher, immer öfter - werden Hitzewellen zum Problem?
Darin gab es einige Fragen speziell zum Thema CSD und zur LGBTQI Community.

Insgesamt sind bei MDRfragt 61.253 Menschen aus Mitteldeutschland angemeldet (Stand 04.07.2022, 02.00 Uhr).
24.704 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben online an dieser Befragung teilgenommen. 2 Prozent davon fühlen sich nach eigenen Angaben zur LGBTQ-Community zugehörig.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 29 Jahre: 348 Teilnehmende
30 bis 49 Jahre: 3.813 Teilnehmende
50 bis 64 Jahre: 10.376 Teilnehmende
65+: 10.167 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 12.765 (52 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 6.127 (25 Prozent)
Thüringen: 5.812 (23 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Weiblich: 11.203 (45 Prozent)
Männlich: 13.445 (54 Prozent)
Divers: 56 (0,2 Prozent)

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.
Aufgrund von Rundungen kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | Popkult | 10. Juli 2022 | 15:00 Uhr