Jubiläum MDR-Magazin "Umschau" seit 60 Jahren auf dem Bildschirm

Mit ihrem Sendestart am 18. Mai 1961 im Deutschen Fernsehfunk ist die "Umschau" das älteste durchgehend ausgestrahlte TV-Magazin im deutschen Fernsehen. Die politischen ARD-Magazine "Panorama", "Report" und "Monitor" sind zwar auch Kinder der 1960er-Jahre, wurden jedoch erst nach der "Umschau" aus der Taufe gehoben. In sechs Jahrzehnten gab es viele Veränderungen. Doch dass die "Umschau" heute mehr ist als nur eine Fernsehsendung, hat vor allem die vergangene Dekade gebracht.

Montage mit UMSCHAU-Modaratorin Ana Plasencia
Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen

Während man die "Umschau" heute bequem und ohne Blick auf die Uhr fast überall da, wo man Mobilfunkempfang hat, sehen kann, musste man 1961 pünktlich um 19 Uhr vor dem Schwarzweißgerät im Wohnzimmer sitzen.

Logo der Umschau von 1961
"Umschau"-Schriftzug vor einer Satellitenschüssel: Mit diesem Bild starteten die Ausgaben in den 1960er-Jahren im DFF. Bildrechte: MDR/Umschau

Das Magazin hatte im deutschen Fernsehfunk (DFF) seinen Sendeplatz zwischen "Sandmännchen" und "Aktueller Kamera". Die erste Sendung vom 18. Mai 1961 ist nicht im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) in Potsdam vorhanden.

Umschau Geburtsurkunde, 18 Mai 1961
Dieser Beleg aus dem Deutschen Rundfunkarchiv gilt als "Geburtsurkunde" der "Umschau". Bildrechte: MDR/Umschau

Dorthin ging das Archiv des DFF, nachdem 1991 der Sendebetrieb in Berlin-Adlershof eingestellt wurde. Als Beleg für den Sendestart am 18. Mai findet sich im Potsdamer Archiv jedoch ein Freigabebeleg der Sendung mit dem Titel "Die Umschau aus Wissenschaft und Technik" mit diesem Datum.

Themen der ersten Sendung: Wissenschaft und Technik

Über sechs Jahrzehnte war die "Umschau" Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklungen in Ostdeutschland  In der ersten im DRA verfügbaren Sendung vom 29. Juni 1961 ging es um eines der wichtigsten Themen in der DDR: den Wohnungsbau. Damals hatte sich bereits die industrielle Plattenbauweise etabliert. Nach den Plänen der DDR-Bauakademie sollten nun Wohnhäuser aus nur drei Typen von Raumzellen zusammengesetzt werden, die zuvor im Betonwerk produziert wurden. Interessierte können sich das Gespräch in der ARD-Mediathek ansehen.

ARD Retro - Umschau-Kamerateam filmt Experiment auf Feld (1960er Jahre)
In der ARD-Mediathek stehen viele Beiträge aus den Anfangsjahren der "Umschau" zum Abruf bereit. Bildrechte: DRA

Zudem wurden der ersten Ausgabe Mini-Akkus vorgestellt. Außerdem erklärte die "Umschau" , wie eine Materialprüfung mittels radioaktiver Strahlung erfolgen kann. Im Programm der ersten Sendung stand weiterhin die Genmanipulation an Kulturpflanzen. Das zeigt, dass die Themen von damals auch nach 60 Jahren noch aktuell sind.

Als Wirtschaftsmagazin ins vereinte Fernsehdeutschland

Nach rund 500 Ausgaben im DFF wäre für die "Umschau", wie für viele Sendungen des ehemaligen DDR-Fernsehens, im Dezember 1991 endgültig Schluss gewesen.

Eine alte Fernsehsendung zum Thema Smog
In der Wendezeit: Moderator und Redaktionsleiter Otto Dienelt kündigt "heiße Eisen" an. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch mit seinem Konzept für ein Wirtschaftsmagazin konnte der Redaktionsleiter Otto Dienelt die Programmverantwortlichen des damals gegründeten Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) überzeugen: Am 15. Januar 1992 startet die "Umschau"-Mannschaft im Programm des MDR -14-täglich, 30 Minuten.

Über die Jahre bekam das Magazin immer mehr Sendezeit. Seit März 2011 wird es jede Woche ausgestrahlt. Das führte dazu, dass in den vergangenen zehn Jahren fast genauso viele Sendungen produziert wurden wie jeweils in den ersten 30 Jahren beim DFF bzw. in den ersten 20 MDR-Jahren. Insgesamt kommt das Magazin so auf rund 1.500 Sendungen.

Höhepunkte des Investigativjournalismus

60 Jahre Umschau bei HbbTV
Ein Rückblick auf 60 Jahre "Umschau" hält der MDR in seinem HbbTV-Angebot bereit. Bildrechte: MDR/Umschau

Die "Umschau" war nicht nur Chronist, sondern nach der friedlichen Revolution 1989 auch aktiver Gestalter gesellschaftlicher Prozesse im Osten Deutschlands. Zu ihren journalistischen Höhepunkten zählt unter anderem die Aufdeckung eines Subventionsbetruges beim Bau des Kraftwerks Lippendorf Mitte der 1990er-Jahre und die Enthüllung der Rentenfalschberechnung Anfang der 2000er-Jahre.

Ein Lkw durchbricht eine Sperre aus Betonblöcken.
Zu den journalistischen Höhepunkten der Sendung gehört ein Test von Antiterro-Sperren für Lkw aus dem Jahr 2017. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2017 zeigte die "Umschau" mit einem Crash-Test, wie wirkungslos Anti-Terror-Sperren für Lkws sind, die nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz bundesweit zum Schutz der Bevölkerung aufgestellt wurden. Diese und weitere "Umschau"-Beiträge aus sechs Jahrzehnten sind im HbbTV-Angebot des MDR abrufbar. Dieses ist über die "Rote Taste" auf der Fernbedienung erreichbar, wenn das TV-Gerät am Internet angeschlossen ist.

Zukunft: Mehr Wirtschaftsberichterstattung im MDR

Heute ist die "Umschau" ein Magazin, das sich kritisch mit Veränderungen in der Lebenswirklichkeit der Menschen vor allem im Osten Deutschlands auseinandersetzt. Zudem steht die Sendung dem Publikum als Ratgeber in fast allen Lebenslagen zur Seite. Das "Umschau"-Jubiläum ist für den MDR auch Anlass, nach vorn zu schauen.

Klaus Brinkbäumer
Klaus Brinkbäumer, Programmdirektor am MDR-Standort in Leipzig Bildrechte: MDR / Stephan Flad

Klaus Brinkbäumer, Programmdirektor am MDR-Standort in Leipzig, verspricht: "Wir planen den Ausbau der Wirtschaftsberichterstattung im MDR auf allen Ausspielwegen. Wir wollen noch deutlicher zeigen, was Veränderungen in der Wirtschaft für unser Publikum in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bedeuten. Zudem wollen wir mehr Ratgeberinhalte anbieten."

"Umschau" im crossmedialen Wandel

In den vergangenen Jahren hat die MDR-Wirtschaftsredaktion das ursprüngliche Fernsehmagazin "Umschau" zu einem crossmedialen Produkt weiterentwickelt. Ende der 1990er-Jahre gab es die ersten Internetseiten im damals neuen Angebot "MDR online".

Umschau bei Facebook
Die "Umschau" erreicht mit ihren Clips in sozialen Netzwerken neues Publikum. Bildrechte: MDR/Umschau

Seit 2011 werden "Umschau"-Inhalte auch auf sozialen Netzwerken wie Facebook veröffentlicht. Dort hatten 2020 einzelne Videoclips bis zu zwei Millionen Abrufe (mit Nutzungsdauer von mindestens 60 Sekunden). Damit liegt die Nutzung von besonders erfolgreichen Beiträgen um ein Vielfaches höher als die am Dienstagabend im klassischen Fernsehen.

TV-Magazin mit großem Publikum

Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre schalteten rund 430.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Sendung am Dienstagabend im MDR-Fernsehen ein. Mit diesen Zahlen erreicht die "Umschau" einen Marktanteil von durchschnittlich gut elf Prozent und gehört so zu den erfolgreichen journalistischen Formaten im MDR-Fernsehen.

Umschau in der ARD-Mediathek.
"Umschau"-Clips stehen 12 Monate rund um die Uhr zum Abruf in der ARD-Mediathek bereit. Bildrechte: MDR/Umschau

Weitere Zuschauerinnen und Zuschauer werden über die ARD-Mediathek erreicht. 2020 gab es bis zu 15.000 Abrufe pro regulärer Ausgabe, für umfangreichere Extra-Ausgaben bis zu rund 31.000. Seit Sommer 2020 sind dort Beiträge als "online first" schon vor der Ausstrahlung im Fernsehen abrufbar. Nachrichten aus der "Umschau" werden seit Herbst 2018 in der damals gestarteten "MDR aktuell"-App und bei mdr.de publiziert.

Moderatoren der Umschau

In 60 Jahren "Umschau" haben zehn Journalisten als Moderatoren der Sendung ein Gesicht gegeben. Bis zu seinem Tod 1993 prägte Otto Dienelt den Fernsehauftritt der "Umschau" als Moderator. Er war über Jahre auch Redaktionsleiter.

Otto Dienelt
Otto Dienelt war "Umschau"-Moderator im DFF und im MDR. Bildrechte: MDR/Umschau

In den ersten 30 Jahren waren auch Wolfgang Mertin und Manfred Vieweg zeitweise als Moderator auf dem Bildschirm zu sehen. Bis 1994 moderierten die "Umschau"-Redakteure Petra Strohmeier und Alexander Luckow im Wechsel die Sendung im MDR-Fernsehen.

Jürgen Osterhage
Jürgen Osterhage moderierte in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre. Bildrechte: MDR/Umschau

Dann wurde für knapp fünf Jahre Jürgen Osterhage der Anchorman des Magazins. Auch er war gleichzeitig Redaktionsleiter. Seine Bildschirmnachfolge trat im März 1999 die Journalistin Birgit Keller an.

Alte Ausgabe der Umschau mit Andreas Brückner als Moderator.
Andreas Brückner war in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre das Gesicht der "Umschau". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anfang 2001 übernahm Angela Elis für anderthalb Jahre diesen Job. Ihr folgte das MDR-Gesicht Andreas Brückner. Er präsentiert seit Jahren Ausgaben der TV-Nachrichtensendung "MDR aktuell". Brückner blieb für knapp fünf Jahre "Umschau"-Moderator.

Ana Plasencia während ihrer ersten Moderation im Umschau-Studio am 20. März 2007.
Am 20. März 2007 ging Ana Plasencia das erste Mal auf Sendung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit März 2007 führt die Ana Plasencia durch die "Umschau". Damit hat ist die in Spanien aufgewachsene Journalistin von allen Moderatoren der MDR-Zeit die mit den meisten "Umschau"-Dienstjahren.

Programm-Tipp: "Umschau extra - Generation Umschau"

Zum 60. Geburtstag des Magazins "Umschau" präsentiert der MDR eine Extra-Ausgabe. Der 45-minütige Film erzählt wechselvolle Geschichten von Menschen, die wie die "Umschau" 1961 im Osten Deutschlands das Licht der Welt erblickten. Die Protagonisten berichten über persönliche Erfahrungen beim Aufbau und Abriss politischer Systeme, die sich auch in den Berichten des Fernsehmagazins widerspiegeln. Eine der Hauptfiguren ist die Olympia-Siegerin im Eisschnelllauf Karin Enke aus Dresden. Die "Umschau extra"-Ausgabe ist ab 21. Mai in der ARD-Mediathek abrufbar und wird am 25. Mai um 21 Uhr im MDR-Fernsehen zu sehen sein.

Quelle: MDR UMSCHAU

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 18. Mai 2021 | 20:15 Uhr

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