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30 Jahre nach der Wiedervereinigung

Warum mehr Menschen aus dem Westen in den Osten ziehen

von Jessica Brautzsch, MDR AKTUELL

Stand: 24. September 2020, 11:51 Uhr

In den 90er-Jahren, direkt nach der Wiedervereinigung, zogen viele Menschen aus den neuen Bundesländern in den Westen. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet – mittlerweile ziehen mehr Menschen von West nach Ost.

2017 kam die Trendwende. In dem Jahr zogen erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen aus Westdeutschland nach Ostdeutschland als andersrum. Für Matthias Rosenbaum-Feldbrügge, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, ist das bemerkenswert: "Weil die ostdeutschen Bundesländer gerade in den Jahren nach der Wiedervereinigung und um die Jahrtausendwende herum starke Wanderungsverluste gegenüber dem Westen aufwiesen."

So seien im Zeitraum zwischen 1991 und 2017 insgesamt 1,2 Millionen Menschen mehr aus dem Osten in den Westen gezogen als andersherum, sagt Rosenbaum Feldbrügge.

Vor allem Männer zieht es in den Osten

Das Mehr an Menschen, die es seit 2017 aus den westdeutschen Bundesländern in den Osten zieht, ist allerdings überschaubar. 2017 war es gerade mal ein Plus von 4.000 Personen. Eines hat sich allerdings seit 30 Jahren nicht geändert: Es waren schon immer eher die westdeutschen Männer, die es nach Ostdeutschland verschlug.

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MDRklärtSo viele Sachsen-Anhalter gingen in den Westen – und so viele komen von dort

Einer davon begründet seinen Umzug von Niedersachsen nach Leipzig damit, dass er in eine Großstadt ziehen wollte und über Leipzig nur Gutes gehört habe. Ein anderer sei mit dem Plan nach Leipzig gekommen, am Deutschen Literarischen Institut zu studieren, was aber nicht geklappt habe: "Aber, als ich dann einmal hier war, hat mir die Stadt so gut gefallen, dass ich gesagt habe, ich mach das Beste daraus."

Viel Zuzug aus Baden-Württemberg

Vor allem Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern profitieren von dem Zuzug. Und dort besonders die Kreise in der Nähe von Großstädten. Um hierherzukommen, hätten die zugezogenen Westdeutschen häufig eine weite Strecke zurückgelegt, sagt Matthias Rosenbaum-Feldbrügge.

So habe es gegenüber Baden-Württemberg die höchsten Wanderungsgewinne gegeben. "Was bedeutet, dass ein paar Tausend Bürger aus Baden-Württemberg in die ostdeutschen Bundesländer gezogen sind. Was ja aufgrund der großen Entfernung einigermaßen überraschend ist."

Forscher vermutet Rückkehrer unter Zugezogenen

Rosenbaum-Feldbrügge vermutet, dass es sich dabei auch um Rückkehrer handelt. Also Menschen, die nach der Wiedervereinigung zunächst den Osten verlassen hatten, um im Westen zu leben.

Für Rosenbaum-Feldbrügge liege das vor allem daran, "dass es eine so weite Entfernung ist und da der Südwesten Deutschlands natürlich wirtschaftlich besonders stark ist, gehen wir davon aus, dass viele Leute aus dem Osten Deutschlands in die wirtschaftlich stärkeren Regionen gezogen sind. Davon würden einige jetzt auch wieder zurückziehen, schätzt Rosenbaum-Feldbrügge.

Auch die Altersgruppe der westdeutschen Zugezogenen könne dafür ein Indiz sein, denn die ostdeutschen Bundesländer verzeichnen Wanderungsgewinne bei den 30- bis 49-Jährigen und auch bei den 50- bis 64-Jährigen, sagt der Bevölkerungsforscher Rosenbaum-Feldbrügge. Gerade Letztere könnten zu denen gehören, die vor 30 Jahren den Osten verließen, nur um heute wiederzukehren.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 24. September 2020 | 07:24 Uhr

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